Die bodensauren Kiefernwälder am Forchenhügel bei Außernzell im Landkreis Deggendorf waren das Ziel einer Naturpark-Abend-Exkursion mit Forstdirektor Ludwig Weigert. Die von Natur aus ertragsarmen Böden der Schöllnacher Tertiär-Bucht wurden durch die Streunutzung in den vergangenen Jahrhunderten noch ertragsschwächer gemacht. Anstelle der natürlichen Buchenwaldgesellschaften mit Tanne stellten sich hier sehr ertragsschwache Kiefernwälder ein. Diese ziehen eine ganz eigene Heidevegetation nach sich. Jede Nachtfalterart ist an bestimmte Futterpflanzen angepasst. Dadurch entsteht am Forchenhügel eine „eigene Welt“ in Sachen Nachtfalter.

Mit UV-Lampen hat man bei Nacht die besten Anlockerfolge. Auf einem weißen Schirm kann man dann mit Taschenlampen die herantanzenden Nachtfalter und Nachtinsekten beobachten. Mit Forstdirektor Ludwig Weigert war ein exzellenter Kenner als Referent engagiert worden. In der Abenddämmerung erscheinen andere Falterarten wie beispielsweise vor Mitternacht oder wieder andere wie nach Mitternacht. Auch jahreszeitlich gibt es eine starke Differenzierung. Die ersten Knospen der Schlehen im Februar dienen anderen Faltern als Nahrungsgrundlage als beispielsweise die Kätzchen der Weiden, Frühsommertiere, Sommertiere oder auch Herbst- und Wintereulen kennt man auch. Manche Falterarten machen nur eine Generation, andere zwei im Jahr. Das ist zum einen genetisch fixiert, zum anderen auch umweltbedingt. In klimatisch günstigen Jahren werden dann eher zwei Generationen erreicht. Rund 1.000 Nachtfalterarten kennt man bei uns. Die Lebensdauer der Falter reicht von einigen Tagen bis wenige Wochen. In dieser Zeit muss die Partnersuche, die Eiablage an den Futterpflanzen zur Fortpflanzung über die Bühne gegangen sein. Die Überwinterung kann als Imago, d.h. als ganzer Schmetterling, wie z.B. beim Zitronenfalter oder beim Tagpfauenauge, erfolgen. Vielfach überwintern aber auch die Eier, manchmal überwintert die Raupe, wie beispielsweise beim Bärenspinner. Bei dieser Art kann die Raupe 4 mal überwintern, bis sie sich dann verpuppt. Auch die Puppen können überwintern. Bei tiefen Temperaturen erfrieren überwinternde Falter nicht. Sie sind gut angepasst. Den Zyklus dieser Entwicklung der Falter nennt man vollkommene Verwandlung. Anders ist es beispielsweise bei den Libellen. Bei ihnen schauen die Nachkommen bereits den erwachsenen Libellen ähnlich, und werden im Lauf der Zeit dem erwachsenen Tier immer ähnlicher.

Bei den Nachtfaltern haben die Männchen meist gekämmte Fühler, um die Pheromone, d.h. die Duftstoffe der Weibchen, besser aufspüren zu können. Die Fühler der Weibchen sind weniger breit und nur fadenförmig. Nur die Weibchen kommen ans Licht. Eine warme Witterung im Sommer, besonders wenn es schwül ist, manchmal sogar erst wenn die ersten Regentropfen fallen, bringen die höchste Anflugdichte dieser Nachtinsekten.

Gerne werden Nachtfalter oft an Straßenlaternen beobachtet. Obwohl es zum Beobachten günstig ist, ist es für die Tiere eher schädlich, weil sie sich hier verausgaben bis hin zur völligen Erschöpfung und zum Tod. Nachtfalter orientieren sich am Mond und an den Sternen und halten oft einen bestimmten Flugwinkel dazu ein. Durch Straßenbeleuchtungen werden sie irritiert. Der Einsatz von Gelblicht ist hier verträglicher und außerdem billiger, weil weniger Strom verbraucht wird. Große Verluste werden beispielsweise auch durch den Straßenverkehr im Lichtkegel der Autos verursacht.

Erst kurz vor Mitternacht beendete Bildungsreferent Hartwig Löfflmann die Veranstaltung des Naturparks und lud die Teilnehmer zu den weiteren Naturpark-Veranstaltungen im Rahmen des Jahresbildungsprogrammes ein.

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