Der Naturpark Bayer. Wald e.V. hatte zu Diavortrag und Sonderausstellungseröffnung in das neue Naturpark – Informationshaus eingeladen. Die naturparkeigene Ausstellung über den Fischotter ist bis Frühjahr 2004 nun während der üblichen Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Obergeschoss zu sehen. Die Fischotterexpertin des Naturparks, Dr. Heidi Mau, informierte in Ihrem reichbebilderten Vortrag sehr ausführlich über die bedrohte Tierart. Der Fischotter ist perfekt an die Lebensweise im Wasser angepasst. Mit seinem langen Schwanz werden Verwirbelungen am Körperende verhindert, so dass er beim Tauchen bis zu 7 Stundenkilometer schnell ist. Der glatte Hals, die kleinen, flachanliegenden Ohren und die Schwimmhäute zwischen den Zehen helfen ihm dabei. Sein Fell bietet mit 50.000 Haaren pro cm² am Bauch und etwa 30.000 Haaren pro cm² am Rücken einen perfekten Kälteschutz. Zu seiner Lieblingsnahrung zählen hauptsächlich Fische. Frösche, Krebse und alle Arten von Kleintieren bereichern aber seine Speisekarte. Den Ratten beißt er z.B. den Kopf ab und zieht den Kern allmählich heraus, so dass ein umgekrempeltes Fell zu finden ist. Am liebsten sind ihm allerdings 10 – 15 cm lange Fische. Der dämmerungs- und nachtaktive Einzelgänger nutzt Reviere, die 40 km Gewässerlänge umfassen können. 13 verschiedene Otterarten gibt es weltweit. Der größte ist der brasilianische Riesenotter mit zwei Metern Länge. Der europäische Otter wird im Durchschnitt etwa 1,2 Meter lang. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden geradezu „Vernichtungsfeldzüge“ durch die Fischerei, zum Teil sogar mit speziell dafür gezüchteten Otterhunden, durchgeführt. Etwa bis zum Jahr 1914 wurden von Pelztierjägern etwa 10.000 Tiere pro Jahr erbeutet. Ausgerottet hat den Fischotter aber nicht die Jagd, sondern die gravierende Lebensraumveränderung. Der Fischotter mag am liebsten kleine, unbelastete Gewässer, vom Werkskanal bis zum verlandeten Teich. Es müssen viele Strukturen im Gewässer aber auch am Ufer vorkommen. Das Nahrungsangebot muss stimmen. Auch eine Vernetzung zu anderen Gewässern, die leicht erreichbar sein müssen, ist wichtig. Seit 1987 wird im Rahmen des Artenhilfsprogramm Fischotter mit Geldern der Regierung von Niederbayern dem Otter unter die Arme gegriffen. Seit Mitte der 90er Jahre ist auch der Naturpark Bayer. Wald e.V. stärker in Beobachtung- und Schutzmaßnahmen eingestiegen. Es wurde ein Betreuersystem mit 33 Betreuern aufgebaut, die 125 Brücken seit 1999 auf Nachweise hin kontrollieren. Der Fischotter kommt hauptsächlich in den neuen, östlichen Bundesländern vor. Darüber hinaus nur in Niedersachsen und im ostbayerischen Raum. Ende der 70er Jahre war der Fischotter, bis auf ein paar Grenzgänger, fast ausgestorben. Heute ist er wieder häufiger. Neben der direkten Nachstellung durch an Gewässern aufgestellte Fallen ist aber die Haupttodesursache der Straßenverkehr. Dies gilt auch für andere Bundesländer. Von 29 in Niederbayern tot aufgefundenen Fischottern in den vergangenen Jahren wurden 25 durch den Straßenverkehr getötet. Im Frühling, Sommer und im Herbst kommen die meisten Tiere um. Hauptsächlich werden Brücken zu Todesfallen. Der Fischotter mag trockenen Fußes entlang eines Gewässers dahinstreifen können. Wo Brückenpfeiler direkt im Wasser stehen oder steile Abstürze vorhanden sind wechselt der Fischotter oben über die Straße und ist damit extrem gefährdet. Etwa 75 Prozent aller Todfunde gibt es an Bundesstraßen, weil hier auch relativ schnell gefahren wird. Weitere Hauptgefahren sind die Lebensraumbeeinträchtigungen. Es sind dies die Kanalisierung der Gewässer, die Anlage von Kleinkraftwerken, der fehlende Durchgang für Fische, aber genauso die Lebensraumbelastung durch Silosickersäfte oder die PCB – Belastung von Gewässern, die sich negativ auf die Fortpflanzungsrate auswirkt. Darüber hinaus kann eine Störung durch Freizeittourismus z. B. Zelten, junge führende Fähen zum Verlassen ihrer Lebensräume bringen. Wie man dem Otter helfen kann, ist bekannt. Eine Fallenjagd an Gewässern muss unterbleiben. In Mecklenburg – Vorpommern und Brandenburg gibt es in Schwerpunkt Lebensräumen Verkehrsschilder, die zwischen 21.00 Uhr abends und 6.00 Uhr früh die Fahrgeschwindigkeit auf 60 km/Std. begrenzen. Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist die Brückenoptimierung. Trittsteine im Gewässer und Steinränder, die auch bei schwankendem Wasserstand herausschauen sind wichtig. Es kann auch ein Trockenrohr neben dem eigentlichen Durchlass helfen, das mindestens einen Meter Durchmesser hat, mit Erde und Steinen als Bodenbelag hergerichtet ist und dem Otter zum Passieren zur Verfügung steht. Wichtig ist natürlich auch die Rücknahme von Gewässerverbauen, die Wiederherstellung der Durchgängigkeit und eine Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und eine Lenkung des Freizeittourismus im unmittelbaren Gewässerbereich. Die EU – Wasserrahmenrichtlinie gibt aber auch eine klare Richtung bis zum Jahr 2015 vor. Die Gewässer müssen bis dahin Zustände bekommen, die für Gewässertypische Arten Lebensraum sein können. Nach dem Vortrag gab es eine kurze Führung durch die naturparkeigene Sonderausstellung in der unter anderem auch ein Mantel aus Otterfellen und verschiedene Informationen zur historischen Otterjagd zu sehen sind.

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