Der „Pfahl bei der Burgruine Weißenstein“ bei der Kreisstadt Regen war das Ziel einer Naturpark - Exkursion, zu dem sich nahezu fünfunddreißig Naturliebhaber aus Nah und Fern eingefunden hatten. Natur- und Landschaftsführer Herbert Mundl und Naturpark-Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher führten ab dem Bahnhof Regen die Wanderer zu diesem einzigartigen Natur- und Kulturdenkmal. Der nahezu 150 Kilometer lange Pfahl erreicht bei den Burgmauern in Weißenstein seinen höchsten Punkt. Der Burgturm mit mehr als 750 m Höhe bietet einen einzigartigen Rundblick über den Vorderen Gebirgszug, die Regentalsenke bis hin zum Grenzkamm des Bayerwaldes. Herbert Mundl wies auf die bewegte Geschichte der Burg hin. Dreimal wurde die im 12. Jahrhundert an einem alten Handelsweg errichtete Burg zerstört: Die Panduren, die Schweden und ein herzoglicher Straffeldzug gegen die aufsässigen Bayerwald-Ritter haben hier ihre blutigen Spuren hinterlassen. In jüngerer Vergangenheit entdeckten Künstler und Reisende das besondere Ambiente dieser Pfahlburg. Der Dichter und Romanautor Siegfried von Vegesack hatte in den alten Burganlagen seine Bleibe. Der Schriftsteller schuf mit seinem Roman „Das fressende Haus“ dem ehemaligen Burgturm ein literarisches Denkmal. Das Freigrab des Dichters in einem Wäldchen am Pfahl östlich von Weißenstein wird heute noch gerne besucht.

Besonders beeindruckt waren die Wanderer von den hoch aufragenden Felsenriffen und –türmen aus weißem Pfahlquarz. Herbert Mundl, der den Dichter noch persönlich kannte, trug das Gedicht Vegesacks „Der Quarzkistall“ vor und gab damit den Zuhörern eine literarische Kostprobe. Matthias Rohrbacher wies die Teilnehmer auf eine Vielzahl von interessanten Tier- und Pflanzenarten hin, die in den Felsenriffen des Pfahls ihren Lebensraum finden. In nordseitigen, schattigeren Lagen findet sich hier die grünlich leuchtende Schwefelflechte. Knorrige Waldkiefern und Pioniergehölze wie Birken und Vogelbeeren wachsen auf den Felsen. Die nachtaktiven Fledermäuse übertagen in den Rissen und Klüften der weißen Pfahlfelstürme. Dort bringen sie in so genannten Wochenstuben ihre Jungen zur Welt. Versteckt am Wegesrand oder auf ehemaligen „Pfahlheiden“ findet man einige eingewachsene Wacholder. Der von Weidetieren nicht verbissene Wacholder ist ein typischer Anzeiger dafür, dass viele Flächen im Umfeld des Pfahl früher beweidet wurden. Im Laufe der Zeit verbuschten diese ehemaligen Pfahlheiden oder wurden aufgeforstet. Der anmutige Wacholder und Vogelarten wie das stolze Birkhuhn verlieren damit ihren lichtreichen, sonnendurchfluteten Lebensraum. „Im Naturschutzgebiet besteht ein Wegegebot“ wies Matthias Rohrbacher über notwendige Schutzmaßnahmen für dieses wertvolle Naturerbe hin. Pfahlheide und Burg wurden in letzter Zeit immer wieder vorsichtig freigestellt sowie die angrenzenden Wälder aufgelichtet. Damit konnte nicht nur der pfahltypischen Tier- und Pflanzenwelt geholfen werden. Das einmalige Zusammenspiel von Burg und Pfahlfelsen kam somit wieder deutlicher in der Landschaft zum Vorschein.

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