Mit einer wald- und vogelkundlichen Abendwanderung im Schlosspark von Mitterfels hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. den von Europarc Federation ausgerufenen Tag der europäischen Parke begangen. Der Tag der europäischen Parke wird alljährlich von allen Großschutzgebieten in 35 Ländern Europas in Erinnerung an die Gründung der ersten neun europäischen Nationalparke im Jahr 1909 in Schweden gefeiert. Der Referent Peter Zach referierte dabei auch im Rahmen der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit der Bayerischen Staatsforstverwaltung und des Forstamtes Mitterfels über Zusammenhänge in naturnahen Wäldern und speziell über die Ornithologie. In naturnahen Wäldern kann ein bemessener Anteil Totholz erhalten bleiben. Damit stehen vielen höhlenbrütenden Vogelarten Nist- und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung. Für das Belassen von Höhlenbäumen gibt es in Privatwäldern auch Fördermöglichkeiten. Der oft vorkommende Efeubewuchs an Bäumen schadet den Bäumen nicht. Dagegen dienen die weißen Beeren genauso wie zum Beispiel Misteln- oder Liguster-Beeren den Vögeln als Winternahrung. Interessant ist der Orientierungsmechanismus von Zugvögeln. Es gibt Arten, wie das Rotkehlchen, das sich am Magnetfeld der Erde, mittels eines sogenannten Magnetkompasses orientiert. Viele Tagzieher, wie beispielsweise der Star, nutzen den Sonnenkompass. Andere Arten dagegen nutzen den Sternenhimmel und die Stellung des Mondes. Diese unterschiedlichen Fernnavigationssysteme sind angeboren. Bei der Orientierung vor Ort ist dann die Erinnerung wichtig. Es können beispielsweise bei den Schwalben sogar die gleichen Stallungen wieder aufgefunden werden. Vielfach orientieren sich die Tiere auch noch an Gerüchen. Die Rauchschwalbe ist stark im Abnehmen begriffen, da sie von aktiver Landwirtschaft abhängig ist. Auch die Mehlschwalbe ist stark im Rückgang begriffen. Leider werden viele Nester heute vom Menschen nicht mehr geduldet. Teilweise mit fadenscheinigen Ausreden, wie z.B. wegen des „Drecks über dem Eingang oder des Störens von Balkonblumen“. Das Verhalten der Menschen steht hier oft im Widerspruch. Im Winter werden Vögel gefüttert, weil man ihnen helfen will, gleichzeitig entzieht man ihnen aber teilweise aus Unkenntnis, den Lebensraum. Auffällig ist, dass manche Zugvögel heute bereits zehn Tage früher bei uns eintreffen als noch vor 30 Jahren. Ein Langzeitmonitoring über 30 Jahre deutet hier auf eine Klimaveränderung mit Trend zum Wärmerwerden hin. Viele Kurzstreckenzieher die nur bis zum Bodensee oder nach Südfrankreich ausweichen, kehren früher zurück. Einige versuchen sogar hier zu überwintern. Die Mönchsgrasmücke kommt bei uns in Laubmischwäldern vor, kann aber in reinen Fichtenmonokulturen nicht überleben. Dagegen sind andere Arten wie Tannenmeise oder Haubenmeise auf Nadelwälder spezialisiert. Die Mönchsgrasmücke ist bei uns nicht bedroht. Eine besondere Verantwortung kommt aber auf Deutschland zu, da der Bestand auf Zentraleuropa beschränkt ist. Wir sind also für das Hauptvorkommen verantwortlich, genauso wie bei den Baumarten bei der Buche. Viele Insekten- und Vogelarten sind an Buchenbestände gewöhnt und angepasst. Selbst mit dem Sturz eines großen Baumriesen sind Komplexe ökologische Zusammenhänge verbunden. Es entstehen nicht nur Nist- und Brutmöglichkeiten, sondern in der Lücke entsteht auch Bodenflora, die eine eigene Insektenwelt nach sich zieht. Wer sich mit Vogelstimmen und Vogelgesang befassen will, muss früh aufstehen. Denn Vögel grenzen am Morgen nach dem Aufwachen mit dem Gesang ihr Revier ab. Das Gleiche geschieht abends vor der Nachtruhe. Die Revierabgrenzung erfolgt hauptsächlich über die Männchen. Mit dem Gesang werden darüber hinaus Weibchen angelockt oder das Brutgeschäft synchronisiert. Relativ verlässlich ist zum Beispiel auch der Regenruf beim Buchfinken. Er kündigt relativ zuverlässig das Wetter in den Folgetagen an. In Mastjahren der Buche kann man sehr oft auch die finnischen Bergfinken beobachten, die zu Hunderttausenden in großen Buchenbeständen überwintern und die Bucheckern als Nahrung nutzen. Bei den Vögeln sind die Weibchen eher unscheinbar gefärbt. Mit der besseren Tarnung ist ein Schutz beim Brutgeschäft verbunden. Nisthilfen sollte man einmal im Herbst reinigen, sie sollten aber stets nur als künstliche Hilfsmittel der Menschen gesehen werdeb. Während des Brutgeschäftes darf man nicht in die Nisthilfen schauen. Generell gilt, dass man der Natur mehr Freiraum lassen muss, sie ist über Jahrtausende hinweg ohne den Menschen zurechtgekommen. Der Rückweg der Exkursion ging am Perlbach entlang. Dort in dem schnellfließenden sauerstoffreichen Wasser kann auch die Gebirgsstelze vorkommen, auch die Wasseramsel kann man beobachten. Derzeit läuft bayernweit in den Staatswäldern ein Langzeit – Vogel - Monitoring. Auf zwei Kilometer langen Strecken wird seit etwa fünf Jahren alle hundert Meter in gleichen Abständen nach einer standardisierten Methode das Vorkommen von verschiedenen Vogelarten erfasst. Eventuelle Veränderungen können so festgestellt werden. Sicher ist, dass eine naturnahe Wirtschaft mit entsprechendem Strukturreichtum nie durch künstliche Nisthilfen ersetzt werden kann. Jeder ist dazu aufgerufen seinen Beitrag notfalls auch im eigenen, naturnahen Garten zu leisten. Am Schloss angekommen, dankte dann Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. den Teilnehmern und vor allem dem Referenten und lud zu den weiteren Bildungsveranstaltungen des Naturparks im laufenden Jahr ein.

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