Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte in die Infostelle Würzingerhaus nach Außernzell zu einem bebilderten Vortrag mit Johannes Molitor eingeladen. Im Rahmen des Vortragsabends befasste man sich mit alten Handelswegen speziell nach Böhmen und ging ganz besonders auf die von Vilshofen nach Bergreichenstein in Böhmerwald führende „Guldenstraß“ ein. Molitor ging zunächst auf die sogenannten „Altstraßen“ im mitteleuropäischen Raum etwas näher ein. Im Mittelalter gab es zahlreiche Wege. Es wurde auch unglaublich viel Gereist. Beispielsweise führte die „Goldene Straße“ von Prag über Pilsen nach Nürnberg, der „Bernsteinweg“ von der Ostsee an die Adria, dort wurde Bernstein nach Rom transportiert. Kraxenträger und Säumer legten ungefähr 25 – 30 km pro Tag zurück. Interessant ist auch , dass beim Ausweichen auf den schmalen Hohlwegen an Ausweichstellen „ Linksverkehr“ herrschte. Die Wege darf man sich nicht allzu breit vorstellen. Meist hatten nur zwei Kraxenträger oder ein Packpferd auf den Hohlwegen platz. Etwa 5 – bis 10 Jahre wurden derartige Hohlwege genutzt, dann hatten sie sich meist so tief ins Gelände eingegraben und waren in so schlechtem Zustand, dass man sich daneben oder etwas weiter entfernt wieder neue Wegeverbindungen gesucht hatte. Den „einen“ Weg gab es eigentlich nicht. Vielfach handelte es sich um ganze Wegesysteme. Mit dem heutigen Ortsnamen „Bruck“ , darf man sich auch nicht Brücken mit Pfeilern vorstellen, die einen Fluss überquerten, sondern ganz oft handelte es sich hier um Prügelwege, sogenannten „Ochsenklaviere“ , die zum Überqueren von feuchten Stellen halfen. In unserem Raum waren der „Böhmweg“ von Deggendorf nach Bergreichenstein und der „Gunthersteig“ von Niederalteich nach Zwiesel bekannt. Der „Böhmweg“ hieß damals allerdings „die Straße, die nach Bayern führte“ und der „Guntersteig“ führte nicht direkt nach Böhmen sondern mündete in Zwiesel in den „Böhmweg“. Etwas bekannter waren die „Goldenen Steige“ in den Landkreisen Passau und Freyung – Grafenau. Sie sind zwar zeitlich jünger aber der Salzhandel nach Böhmen durch das Fürstbistum Passau wurde sehr intensiv geführt und die Wege waren sehr bekannt. In Böhmen gab es nämlich kein Salz, dieses musste entweder aus dem norddeutschen Raum z.B. aus dem Bereich Salzgitter oder aus dem Gmundener oder Reichenhaller Bereich importiert werden. Auf dem Rückweg wurde dann Getreide, Schmalz, Bier, Karpfen, Hopfen und auch Glas transportiert. Das Salz hatte man in Scheiben gepresst. Ein Zeitzeugnis für den regen Handel und die Säumerei existiert mit den Aufzeichnungen aus Schüttenhoffen. Dort gab es im Jahr 1753 genau 134 Brauer, also Wirtshäuser, 35 Mälzer und 83 Branntweinbrenner. Dies mag als Beleg dienen, wie viele als Säumer unterwegs waren. Die „Guldenstraß“ von Vilshofen über Grafenau nach Bergreichenstein im Böhmerwald führte durch bayerisches Gebiet, während die „Goldenen Steige“ das Fürstbistum Passau durchquerte. Natürlich gab es eine entsprechende Konkurrenz, was dazu führte, dass Säumer die im Fürstbistum erwischt wurden eingesperrt wurden oder in Grafenau das Bier billiger verkauft wurde um entsprechend Säumer anzulocken und dem Fürstbistum abspenstig zu machen. Gereist wurde auch viel im Winter, weil man hier mit Schlitten auf gefrorenem Boden bei wenig Schnee sehr gut vorwärts kam. Es gibt auch Schilderungen, in denen belegt ist, dass etwa 100 Leute mit Pferden zum Schneeräumen ausrücken mussten, um die Säumerstraßen durchgängig zu halten. Die „goldene Zeit“ der „Guldenstraß“ dauerte etwa nur 30 Jahre. Danach verzichtete Bayern wieder auf den Salzhandel und es wurden wieder verstärkt die „Goldenen Steige“ genommen. Zum Schluss appellierte Johannes Molitor an alle Anwesenden sich für den Erhalt von Hohlwegen einzusetzen. Sehr schlecht ist es, wenn Hohlwege mit Müll oder Erdreich zugefüllt werden. In England und Schottland, so Molitor, finden sich hier überall Schilder, dass es sich um nationale Kulturdenkmäler handelt, es existiert ein wesentlich breiteres Geschichtsbewusstsein. Hohlwege müsste man eigentlich kartieren, solange diese Zeitzeugen noch in der Landschaft erkennbar sind und nicht ganz in Vergessenheit geraten sind. Denkbar sind auch entsprechende Seminararbeiten oder Diplomarbeiten. Interessenten könnten sich an den Naturpark Bayerischer Wald e.V. wenden.

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