Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. und das Katholische Kreisbildungswerk Regen hatten zu einer gemeinsamen Schriftstellerlesung mit dem Titel „Hinüber“ - Gedichte und Geschichten- in den Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein geladen. Schriftsteller Harald Grill las aus einigen seiner Bücher wobei auch eine Zugabe nicht fehlen durfte. Harald Grill ist bekannt als Wanderer quer durch Europa. Am liebsten, so Grill, bin ich Heimgegangen, denn weg hat es mich meist nicht gezogen. Ich ging vom südlichen Sizilien aus nach Hause, aber auch vom hohen Norden, vom Nordkap aus. Hohe Berge habe ich meist gemieden, ich wollte Leute treffen und mit ihnen sprechen, beziehungsweise etwas über ihr Leben erfahren. Harald Grill wollte von Kindheit an bereits Schriftsteller werden. Diesen Traum hatte er sich erfüllt. Anfangs hatte er für den Rundfunk gearbeitet und viele Leute interviewt. Beim Abend im Grenzbahnhof las er beispielsweise aus dem Buch „Hochzeit im Dunkeln“, der Lebensgeschichte seiner Eltern. Harald Grill lies die Zuhörer etwas in seine „Werkstatt“ blicken. Etwa 90 Stunden Interviews hatte er mit Verwandten dazu geführt und über Jahre hinweg Materialkärtchen an Wäscheleinen sortiert. Eine spannende Geschichte ist dadurch entstanden, so wie alle seine Schilderungen. Wie ein roter Faden zieht sich durch das Buch „Hochzeit im Dunkeln“, aus der er das zweite Kapitel vorlas, die Sehnsucht seines Vaters zu gehen nachdem er im Krieg durch eine Handgranate ein Bein verloren hatte. Die Zweifel ob man mit einem Bein ein Vollwertiger Mensch ist, das Hadern mit dem Schicksal , die Qual, Fragen von alten Bekannten beantworten zu müssen, die sich nach seinem Befinden erkundigten, all das wurde schriftstellerisch gekonnt aufgearbeitet. Vom Stromausfall bei der Hochzeit seiner Eltern bis hin zum „Happy end“ , nämlich bis zur Geburt von sich selbst, dem Schriftsteller Harald Anton Grill spannte er den Bogen. Harald Grill schilderte auch Kindheitseindrücke, wie z.B. seinen ersten Besuch beim Friseur, den Schulbeginn oder den Besuch beim Further Drachenstich in kurzen, amüsanten Gedichten. Die Sehnsucht Schriftsteller zu werden begann bereits in seiner Kindheit. Zur damaligen Zeit gab es eben zu Hause nur ein Kochbuch, sowie ein Gesang- und ein Gebetbuch, alles wenig interessant. Der Hunger nach Literatur gründete daher. Auch die später aufkommenden „Lurchihefte“ gaben Anlass zu einem Gedicht. Die grenzüberschreitende Komponente fand ebenfalls Verwirklichung. Fünf Gedichte wurden vom Schriftsteller Fibich aus Strakonice übersetzt, sie handelten über Passau. Mit einer Zugabe von der Geschichte mit dem Überlebensmesser für die Kinder und der anschließenden Erprobung in der Abgeschiedenheit des Grenzkammes beendete Harald Grill seinen Abend.

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