Zusammen mit dem Agenda 21 - Arbeitskreis und den Arbeitskreisen Umwelt und Energie der Stadt Zwiesel hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Gelblicht“ geladen. Die Referenten Hansjörg Gaim, Biologielehrer am Gymnasium Zwiesel, und Jörg Waldmüller von der Firma Sylvania aus Erlangen berichteten zum biologischen Hintergrund und zu den technischen Möglichkeiten bei Leuchtmitteln und beim Lampendesign, um die hohen Verluste bei Nachtfaltern und Nachtinsekten an ungeeigneten Beleuchtungen zu reduzieren. Nächtliche Satellitenbilder zeigen, dass zum Beispiel die Umrisse von Europa anhand der Beleuchtungen nachts gut erkannt werden können. Noch eindrucksvoller sind Weltkarten oder zum Beispiel die Entwicklung der Stadt Los Angeles in den letzten 100 Jahren. Vielfach tragen neben den Straßenbeleuchtungen auch Werbeschilder zur „Lichtverschmutzung“ bei. Das weiße Licht von Quecksilberlampen gibt im UV-Bereich sehr viel Licht ab und lockt damit nächtlich fliegende Insekten in Milliarden-Zahlen an. Dies verursacht negative Einflüsse auf die Tierwelt. Der Mensch sieht eher im gelben und roten Spektralbereich des Lichts. Nachtinsekten sind sehr empfindlich für UV-Licht und nutzen es zu ihrer Orientierung. Außerdem haben sie sehr empfindliche Augen. Für die Nachtfalter ist das weiße Licht ein Problem, weil sie an heißen Lampen verbrennen oder durch die trockene Luft im Inneren von Lampengehäusen umkommen. Außerdem werden sie von der Nahrungsaufnahme abgelenkt, weil sie stets im Bannkreis des Lichts sinnlos dort umherflattern. Außerdem finden sie durch die Ablenkung weniger Geschlechtspartner und weniger Platz für die Eiablage. Zahlreiche Versuche verschiedener Professoren und Wissenschaftler sowie Firmen belegen dies. Sicherlich haben auch andere Faktoren wie die Jahreszeit oder auch der Mondstand einen Einfluss. Die Populationsentwicklung und der Selektionsfaktor tragen ihr übriges dazu bei, das System entsprechend komplex zu gestalten. Aus allen Untersuchungen geht aber hervor, dass Natriumdampflampen im Gegensatz zu Quecksilberdampflampen mehr gelbes Licht abgeben, das für den Menschen angenehmer ist und zudem die Sicherheit auf den Straßen teilweise erhöht. Durch die „Lichtverschmutzung“ in großen Städten und Ballungsräumen kommen Milliarden von Nachtinsekten um. Ein Berechnungsbeispiel in der Stadt Kiel mit 20.000 Laternen ergibt, dass bei 150 Insekten pro Laterne je Nacht allein in dieser Stadt etwa drei Millionen Nachtinsekten umkommen. Es sind aber nicht nur Straßenlaternen. Ein Fabrikscheinwerfer kann 100.000 Insekten pro Nacht fordern. Schädlich sind aber auch nächtliche Flutlichtbeleuchtung von Fußballplätzen. Neue Leuchtmittel können hier weiterhelfen. Sie helfen darüber hinaus in großem Umfang Geld sparen. Insektenfreundliche Leuchtmittel sind preiswerter. Sie sind zwar zunächst teurer in der Anschaffung haben aber wesentlich längere Lebensdauer. Während normale Glühlampen 1.000 Stunden aushalten, Straßenlaternen alleine schon ca. 4.000 Stunden pro Jahr in Betrieb sind, schaffen neue Leuchtmittelgenerationen mit zwei Brennern teilweise 55.000 oder 60.000 Betriebsstunden. Bei geringerem Stromaufwand liefern sie besseres Licht und außerdem reduziert sich der Wartungsaufwand für die Laternen enorm, zum Beispiel das Reinigen und das Entfernen von toten Insekten. Teilweise amortisiert sich eine Umrechnung bereits im ersten Jahr. Die neuen Leuchtmittel haben das wenige Licht teilweise viel besser gebündelt, strahlen es nicht nach oben ab sondern, gezielt. Wichtig ist es zu wissen, dass man Quecksilberdampflampen nicht im Hausmüll entsorgen, sondern bei den Sammelstellen abgeben muss. Leuchtmittel mit zwei Brennern haben außerdem den Vorteil, dass bei Stromausfall und Wiedereinschalten sofort wieder 20 % Beleuchtung in der ersten Sekunde gegeben sind, während Quecksilberdampflampen oft bis zu einer Minute brauchen bis sie annähernd Leuchtkraft entwickeln. Mit einer Umrüstung von Straßenlaternen aber auch von Stadionsbeleuchtung oder beim Anstrahlen historischer Gebäude oder von Werksgeländen kann also sehr viel Geld gespart werden und außerdem der Natur geholfen werden. Außerdem lassen sich die bestehenden Kapazitäten von Kraftwerken durch die Einsparungen besser ausnutzen, was allen Beteiligten hilft. Wenn zum Beispiel die Flutlichtanlage eines Fußballstadions im bayerischen Wald statt bisher 12 KW je Stunde nur noch 3,2 KW benötigt und außerdem bessere Ausleuchtung genießt, dann sind dies handfeste Vorteile. Zum Schluss bedankte sich Bildungsreferent Hartwig Löfflmann nach kurzer Diskussion bei den beiden Referenten Hansjörg Gaim und Jörg Waldmüller. Bei technischen Fragen kann man sich an Jörg Waldmüller unter der Telefonnummer 09131 / 79 34 05 wenden.

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