Der Naturpark Bayrischer Wald e.V. hatte Dr. Ludek Bufka von der Nationalparkverwaltung Sumava in den Grenzbahnhof nach Bayerisch Eisenstein eingeladen. Der Diavortrag stellte ausgewählte, bedrohte Tierarten des Böhmerwaldes näher vor. Die gutbesuchte Veranstaltung wurde wiederum zweisprachig abgehalten. Als Dolmetscher diente Michael Valenta von der Nationalparkverwaltung Sumava. Der Nationalpark – Biologe Dr. Bufka ging mit seinen hervorragenden Lichtbildern zunächst auf die Lebensräume im Böhmerwald ein. Sehr wertvolle Biotope sind die Moore und moorartige Gebiete, daneben die verschiedenen Waldtypen aber auch die freie Landschaft, die teilweise über Jahrzehnte hinweg sich relativ ungezwungen entwickeln konnte. Sehr wertvolle Standorte sind auch die Böhmerwald Gletscherseen sowie die Eiszeitlichen Blockschutthalden. Flaggschiff - Tierart für den Böhmerwald ist der Feuersalamander. Er kommt im Eisensteiner Raum und im Kühnischen Gebirge vor, und ist besonders an feuchte Täler gebunden. Die Kreuzotter findet man im oberen Böhmerwald in der typisch schwarzen Variante, was auch als Melanismus bezeichnet wird. Bei den Vogelarten erwähnte Dr. Bufka vor allem den Rauhfusskauz, der gerne in naturnahen Waldbeständen vorkommt, daneben Habichtskauz und Sperlingskauz sowie den unter Schutz stehenden und oft stark verfolgten Uhu. Der größte aller Waldvögel ist der Auerhahn. Er bewohnt die ausgedehnten Fichtenwaldkomplexe der Höhenlagen, ist aber, obwohl es sich um die größte Population in Mitteleuropa handelt mit seinen nur 150 Individuen an der Bayerischen Grenze stark bedroht. Eine größere Anzahl von Stressfaktoren ist zwar bekannt, nur die genaue Ursache ist bisher schlecht feststellbar. Die Auswilderungsaktionen zur Stärkung der Population sind nur begrenzt wirksam, wichtig ist die Reduzierung der Stressfaktoren, wie Beunruhigung, Lebensraumveränderung und globale Einflüsse. Noch stärker rückläufig ist das Birkwild. Der enorme Rückgang seit den 60iger Jahren reduzierte die Population auf etwa hundert Tiere. Am stärksten von allen Waldhühnern vertreten, ist das Haselhuhn. Es mag Pionierwaldstadien und naturnahe, nachhaltig genutzte Landschaftsteile , besonders Waldsäume und Waldränder. In den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts haben sich „Rückkehrer“ wie Kolkrabe und Schwarzstorch wieder gefestigt. Der Seeadler lebt zwar hauptsächlich in den Teichlandschaften von Südböhmen, wegen seiner extrem großen Jagdreviere ist er aber bisweilen auch am Böhmerwaldstausee bei Lipno zu sehen. Der Wachtelkönig, der auch Wiesenralle genannt wird in einem Vogelberingungsprojekt bei Volary an der Moldau näher betrachtet. Bei den Säugetieren stellt der Fischotter eine Leitart dar, die in den Teichlandschaften Südböhmens ihre wichtigsten Lebensräume hat. Ein großes Problem ist die Schwermetallbelastung. Zur Lebensraumverbesserung ist nicht nur das Gewässer selbst, sondern sind auch die Strukturen entlang der Gewässer von Bedeutung. Probleme gibt es häufig mit dem agressiven, amerikanischen Mink, der als nichtheimische Art sich stark ausbreitet. Die größte Europäische Katzenart, der Luchs hat in den 70iger Jahren im Böhmerwald und in den 80iger Jahren im Bayerischen Wald wieder Fuß gefasst. Mittlerweile hat sich eine einigermaßen stabile Population etabliert, es liegt aber an den Menschen ob eine Koexistenz möglich ist. Ein Telemetrieprojekt beiderseits der Grenze dient der Beobachtung von Lebensweise und Lebensraumnutzung. Die Wildkatze ist im Eisensteiner Bereich etwas häufiger, in den zentralen Teilen des Böhmerwaldes aber wegen der höheren Schneelagen eher selten. Die Eichenwälder des Vorlandes stellen bessere Lebensräume für sie dar. Sporadisch kommt der Wolf im Böhmerwald vor. Es gibt aber keine ständige Population . An der Nordgrenze zur Slowakei und in den Beskiden gibt es den Wolf in freier Wildbahn. Ab und zu werden aber diese einige hundert Kilometer Entfernung von Einzeltieren überwunden. Der Vollständigkeit halber wurde auch der Bär erwähnt. Er kommt nur in den mährisch, schlesischen Beskiden vor. Problematisch ist es in touristisch geprägten Regionen, es liegt aber fast immer am Fehlverhalten des Menschen. In den letzten Jahren ist auch der Elch von Polen her zurückgekehrt. Hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang zu Bayern und zu Österreich haben sich dann einige Durchzügler sesshaft gemacht. So gibt es bis heute an der Grenze zu Österreich am rechten Ufer des Lipnostausees eine kleine Population. Obwohl es sich um sehr große Tiere handelt, können sich Elche sehr gut verstecken. Momentan wird die Population auf etwa 10-30 Tiere geschätzt, die Jungtiere inbegriffen. Nach einer kurzen Fragerunde dankte dann Bildungsreferent Hartwig Löfflmann dem Referenten Dr. Bufka und dem Dolmetscher für die interessanten Informationen aus dem benachbarten Böhmerwald.

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