Der Naturpark Bayerischer Wald e. V. hatte im Rahmen des Bildungsprogramms 2003 zu einer ersten Vortragsveranstaltung in die Naturpark- Infostelle Würzingerhaus in Außernzell eingeladen. Der gebürtige Außernzellerer Ernst Obermeier vom Planungsbüro FNL in München informierte im Rahmen eines Diavortrags über die Tier- und Pflanzenwelt am Forchenhügel. Die bayernweite Besonderheit Forchenhügel ist zunächst einmal geologisch bedingt. Das Urmeer hatte dort in einer Meeresbucht feine Tone abgelagert, es gab Sumpfwälder. Die Braunkohle war aber nicht abbauwürdig. Vor etwa zehn bis fünf Millionen Jahren brachten Flusssysteme aus dem Böhmerwaldmassiv Verwitterungsmaterial von relativ saueren Gesteinen mit. Etwa 50 Meter hoch wurde das Gelände überfüllt. Ein Großteil dieser Schotter wurde von der Schöllnacher Ohe in den Folgezeiten wieder abtransportiert. Übrig geblieben ist der Forchenhügel mit sehr nährstoffarmen Materialien und einer sehr tiefen Verwitterung bis hin zur Endstufe Kaolinit. Dieser kann überhaupt keine Nährstoffe mehr anlagern. Die reduzierten Nährstoffkreisläufe entsprechen denjenigen der Tropen. Fachexperten bescheinigten, dass am Forchenhügel die nährstoffärmsten Böden in Mitteleuropa vorkommen. Nicht einmal Buchenwälder können hier wachsen. Nur die Kiefer kann Fuß fassen und selbst diese wächst aus nutzungstechnischer Sicht sehr schlecht. Die natürlichen Waldgesellschaften tragen als Bodenbewuchs Heidekraut. Dort wo in Lee-Lagen Lehme und Löss aufgeweht wurden gibt es noch Kiefern - Tannenwälder und auf den besseren Standorten die Heidelbeere. Bisweilen sind auch Birken und Vogelbeere mit vergesellschaftet. Die Streunutzung zum Einstreuen für die Landwirtschaft tat in den vergangenen Jahrhunderten ihr Übriges, um die armen Böden noch weiter zu degradieren. Nur absolute Spezialisten von Tier- und Pflanzenarten konnten sich an diese extremen Lebensbedingungen anpassen. Es gibt ganze „Flechten- Teppiche“, den Zeilers- Flachbärlapp, der in ganz Deutschland nur noch an wenigen Punkten vorkommt und durch Pflegemaßnahmen im Rahmen der gemeindlichen Landschaftsplanumsetzung, die durch den Naturpark gefördert wird, erhalten wird. Es existiert ein sehr Individuenreiches Vorkommen des mittleren Wintergrüns und eine ganze Reihe streng geschützter und vom Aussterben bedrohter Rote Liste 1- Arten. Auch die Tierwelt weist eine Besonderheit nach der anderen auf. Von den Vögeln hat sich die Heidelerche angesiedelt. Der Ameisenlöwe, das ist die Larve der Ameisenjungfer, eines zarten „Flattertieres“, jagt unter Hangkanten und geht auf Ameisenjagd. Sandlaufkäfer, Rotleibiger Grashüpfer, die Eichenschrecke und die ungiftige Schlingnatter sowie eine Reihe von Spinnenarten, unter anderem eine Haplotrassus - Art, die überhaupt keinen deutschen Namen besitzt und in Bayern seit den 50-iger Jahren als ausgestorben galt, wurden hier wieder nachgewiesen. In den Niederungen haben sich Moore ausgebildet, wie zum Beispiel das Wolkering-Moos und das Ammerer-Moos. Es gibt so spezielle Typen wie „Durchströmungsniedermoore“ mit vier Meter Mächtigkeit. Ausgebildet haben sich auch Schwarzerlen- Buchwälder und natürliche Peitschenmoos- Fichtenwälder, die ansonsten im Bayerischen Wald erst wieder in Höhen ab 900 Meter vorkommen. Die Artenliste für die Pflanzenarten in diesem Moor kennt sehr viele Raritäten. Nicht anders sieht es bei den Käfern und Spinnen aus. In den nahen Gewässern kommen so interessante Arten wie das Bachneunauge und von den Libellen die Grüne Keiljungfer, die seltenste europäische Libellenart, und die Zweigestreifte Quelljungfer vor. Letztere hat als Besonderheit eine Larvenentwicklungszeit von fünf Jahren. Eine große Gefahr für den gesamten Forchenhügel stellt der Kiesabbau in großen Abbauflächen dar. Zurückgeblieben ist in der Vergangenheit eine „Mondlandschaft“, die in der Folgenutzung nur einer Mülldeponie diente. Um diese einzigartigen Natur-Besonderheiten des Forchenhügel der Nachwelt zu erhalten, wird ein Großteil des Forchenhügel künftig als Naturschutzgebiet geschützt werden. Zum Schluss bedankte sich Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e. V. beim Referenten Ernst Obermeier und den Zuhörern für die gelungene Auftaktveranstaltung.

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