Der entscheidende Wegbereiter der deutschen Naturparke war der Hamburger Großkaufmann Dr. Alfred Toepfer. Er übernahm im Januar 1954 den Vorsitz des Verein Naturschutzpark (VNP). Auf der Jahresversammlung des VNP am 6. Juni 1956 in der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn hat er in seinem Vortrag „Naturschutzparke - eine Forderung unserer Zeit“ ein Programm von mindestens fünfundzwanzig Naturparken als Vorschlag des Vereins vorgestellt.

Weiträumige nach den Bestimmungen des Reichsnaturschutzgesetzes als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete ausgewiesene lärmgeschützte Bereiche sollten geschaffen werden. Das bedeutsame Moment der Toepferschen Konzeption war die absolute Gleichrangigkeit von Natur- und Landschaftsschutz mit der sozialen Erholungsfunktion einer Landschaft. In der harmonisierten Verbindung beider Notwendigkeiten sah er Aufgabe und Ziel der Naturparke.

1957 veröffentlichte der VNP einen Beitrag mit dem Titel „Vorgeschlagene Naturparke in der Bundesrepublik Deutschland“. Im Vorwort wurde das soziale Moment der Erholung und Entspannung in natürlicher Umgebung vorangestellt. Dabei ging man von der zunehmenden Bevölkerungsverdichtung, der naturfernen Lebensart, der intensiven oder einseitigen Arbeitsweise, der erwarteten Arbeitszeitverkürzung und größeren Beweglichkeit der Menschen aus. Gleichzeitig wurde aber auch uneingeschränkt das dringende Gebot nach Natur- und Landschaftsschutz erhoben und diesen Schutz den Ländern unter Hinweis auf deren Zuständigkeit in Erinnerung gerufen.

Hier wurde nun zum ersten Mal durchgehend in der Arbeit einer Bundesanstalt der Begriff „Naturpark“ an Stelle der bisherigen Bezeichnung Naturschutzpark verwendet.

Entscheidend für die weitere Entwicklung der Naturparke waren die Durchsetzung von Bundeszuschüssen und die Herausgabe von Richtlinien, nach denen das Geld als Initialzündung über die Länder an die Träger der Naturparke gegeben wurde.

Besonders bedeutsam war der Auftrag an das Institut für Raumforschung in Bad Godesberg, ein „Gutachten über geeignete Landschaften für die Einrichtung von Naturparken vom Standpunkt der Raumordnung“ abzugeben.

Nach der Bonner Tagung vom Sommer 1956 konnte Alfred Toepfer sehr viel Zustimmung verzeichnen. In mehreren vorgesehenen Landschaften nahmen Regierungspräsidenten, Landräte, Oberkreisdirektoren und Bürgermeister die Bildung von vorbereitenden Ausschüssen in die Hand und begannen mit den rechtlichen Vorarbeiten für Landschaftsschutzverordnungen sowie der Konzipierung von Organisationsmodellen für die zukünftigen Träger.

In jedem Fall musste die Zustimmung der zuständigen Landesregierung herbeigeführt werden. Insbesondere die Länder galt es zu überzeugen, dass auch sie die entstehenden Naturparke auf Dauer finanziell unterstützen müssen.

Die von Dr. Toepfer gegebenen finanziellen Hilfen zur Förderung der Naturparke, wie etwa die Kostenübernahme für Einrichtungspläne und die missionarische Arbeit des späteren ersten Leiters des Referates Neuparke beim VNP, Oberlandforstmeister a. D. Egon Selchow, zeitigten bald beachtliche Erfolge.

Dem Naturpark Hoher Vogelsberg, 1957 zuerst noch als „Naturschutzpark“ ausgewiesen, folgten 1958 die Südeifel, hier zugleich mit dem Ziel des ersten europäischen, nämlich des Deutsch-Luxemburgischen Naturparks und der Pfälzerwald. Im nächsten halben Jahrzehnt bis Ende 1964 waren in allen Bundesländern, mit Ausnahme von Baden-Württemberg, 25 neue Naturparke entstanden. Damit waren Zeichen gesetzt, die das zunehmende Interesse der Presse und des Rundfunks, sowie die lebhafte Zustimmung der Besucher fanden. Zu dieser Entwicklung hatte der Umstand entscheidend beigetragen, dass sich neben dem Bund die Länder und vor allem Kreise und Gemeinden bereit fanden, eigene Gelder einzusetzen, um sie der jeweiligen Naturpark-Trägerorganisation für deren Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. In dieser Zeit deckte der Bundeszuschuss etwa ein Drittel der Kosten; Länder, Kreise und Gemeinden brachten bereits zwei Drittel auf.

Am 10. Oktober 1963 fand in Irrel in der Südeifel die Gründung des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) statt. Dr. Alfred Toepfer wurde zum ersten Verbandspräsidenten gewählt. Auf Grund des stetigen Absinkens der in unterschiedlicher Höhe gezahlten Bundeszuschüsse für die Naturparke waren die lokalen Stellen immer stärker gezwungen, sich finanziell zu engagieren. Nach Verabschiedung des Bundesnaturschutzgesetzes 1976 entfielen die Bundeszuschüsse ganz, da der Bund jetzt nur noch die Rahmengesetzgebungskompetenz für Naturschutz, Landschaftspflege und Wasserhaushalt hatte.

Mit dem 1976 in Kraft getretenen Bundesnaturschutzgesetz verfügten die Naturparke erstmalig über eine gesetzliche Grundlage, die Schutzgegenstand und Schutzzweck verbindlich vorgab. Danach waren Naturparke einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die großräumig sind, überwiegend aus Landschafts- oder Naturschutzgebieten bestehen und sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen.

Vor der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 war die Zahl der Naturparke mit 64 viele Jahre konstant. Die Wiedervereinigung stellte auch den Verband Deutscher Naturparke vor neue Herausforderungen und brachte neue Impulse für die Naturparkbewegung.

Kurz zuvor war es einer Gruppe um Prof. Dr. Michael Succow mit dem Nationalparkprogramm der ehemaligen DDR gelungen, ein System von Großschutzgebieten (Nationalparke, Biosphärenreservate, Naturparke) zu entwickeln. 14 Gebiete wurden in der Folge in den Einigungsvertrag BRD-DDR übernommen. Hierzu zählten die Naturparke Schaalsee (heute Biosphärenreservat), Drömling und Märkische Schweiz. Weitere Naturparke wurden einstweilen sichergestellt, und die neu gebildeten Länder wurden beauftragt, weiterführende Schritte zu unternehmen. Es folgten zahlreiche Neugründungen von Naturparken.

Gleich nach dem Fall der Mauer im Jahr 1989 traten Persönlichkeiten und Organisationen aus den neuen Bundesländern an den VDN mit der Bitte heran, ihnen Hilfestellung beim Aufbau und der Ausweisung dieser neuen Naturparke zu geben. Sie nahmen bereits 1990 an der Frühjahrstagung des VDN in Bad Hönningen teil.

Die Naturparke in den neuen Bundesländern hatten im Vergleich zu der Mehrzahl der bereits bestehenden westdeutschen Naturparke ein breiteres Aufgabenspektrum. Ziele wie wirtschaftliche Entwicklung, Regionalvermarktung und Umweltbildung wurden nach der Vereinigung verstärkt in die Rechtsgrundlagen der Naturparke aufgenommen. Während bei den westdeutschen Naturparken die Trägerschaften überwiegend bei Vereinen oder kommunalen Zweckverbänden liegt, sind zahlreiche Naturparke der neuen Bundesländer als Landesbehörden organisiert.

Naturparke haben in den neuen Bundesländern von Beginn an die Chance geboten, einen ökologisch nachhaltigen Tourismus und eine umweltgerechte landwirtschaftliche Nutzung zu unterstützen und so die nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum zu fördern.

Die Forderung nach einer gleichwertigen Integration ökologischer, ökonomischer und sozialer Ziele innerhalb einer nachhaltigen Gesamtentwicklung gewann mit der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro an Bedeutung. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung fand auch Eingang in die Diskussion der Entwicklungsziele sowie in die praktische Arbeit vieler Naturparke. 1995 und darauf folgend 2001 wurden die „Aufgaben und Ziele der deutschen Naturparke“, die 1984 erstmalig durch den VDN entwickelt worden waren, grundlegend überarbeitet. Hiermit fand eine wesentliche Erweiterung des Naturpark-Handlungsspektrums über die Bereiche Naturschutz, Erholung und Tourismus hinaus statt. Der VDN erklärte die Entwicklung der Naturparke zu lebendigen Vorbildlandschaften zum Leitbild seiner Arbeit. Das Ziel, Schutz und Nutzung der Kulturlandschaften gleichermaßen anzustreben, gewann unter dem Motto „Schutz durch Nutzung“ an Bedeutung. Die regionale Vermarktung land- und forstwirtschaftlicher Produkte sowie eine kooperative Zusammenarbeit mit verschiedenen Interessengruppen wurden zu exemplarischen Aufgabenfeldern regionaler Entwicklung in Naturparken. Dabei wurden auch europaweite und nationale Entwicklungen berücksichtigt, die dazu führten, zusätzlich die besondere Eignung der Naturparke für eine nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum zu betonen.

Die Bedeutung der Naturparke als Instrument zur Umsetzung einer integrierten Entwicklung des ländlichen Raums in Europa wurde 1997 auch durch den Ausschuss der Regionen auf europäischer Ebene betont (Committee of the Regions 1997).

Dem Wandel der Aufgaben und Ziele deutscher Naturparke wurde 2002 auch in der vom Bundestag beschlossenen Neuregelung des Bundesnaturschutzgesetzes Rechnung getragen.

Danach eignen sich Naturparke wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen besonders für die Erholung und in ihnen wird ein nachhaltiger Tourismus angestrebt. Sie dienen der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt. Zu diesem Zweck wird eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt. Darüber hinaus sind Naturparke besonders dazu geeignet, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern. Damit sind wesentliche Leitlinien für die Fortentwicklung der Naturparke geschaffen worden.

Der positiven quantitativen Entwicklung von Naturparken in Deutschland auf mittlerweile 95 Naturparke hat der VDN in Zusammenarbeit mit EUROPARC Deutschland 2005 eine qualitative Entwicklung zur Seite gestellt, indem die Qualitätsoffensive Naturparke in enger Absprache mit den Naturparken entwickelt wurde. Die Qualitätsoffensive Naturparke ist ein Instrument zur Selbsteinschätzung und zur kontinuierlichen Verbesserung der Qualität der Arbeit und Angebote in den Naturparken, um so auch die Position der Naturparke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken.

Mit der Dachmarke Nationale Naturlandschaften ist im Jahre 2005 eine weitere entscheidenden Weichenstellung für die Großschutzgebiete in Deutschland gestellt worden. Seitdem werben die Naturparke gemeinsam mit den Nationalparken und Biosphärenreservaten unter der Dachmarke Nationale Naturlandschaften für die Großschutzgebiete in Deutschland. Die Dachmarke bietet die herausragende Chance, dass die Großschutzgebiete in der Öffentlichkeit deutlich stärker wahrgenommen werden als bisher und einen höheren Stellenwert in der öffentlichen Meinung erhalten. Damit verbunden ist die Chance, durch neue Partnerschaften und neue Finanzierungsmöglichkeiten künftig besser in der Lage zu sein, die genannten Aufgaben leisten und Entwicklungen initiieren zu können.

Die heute 95 Naturparke nehmen ein Viertel der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ein. Sie haben aufgrund ihrer zentralen Aufgabe, den Schutz und die Nutzung der Kulturlandschaften zu verbinden, im Laufe ihrer Geschichte stark an Bedeutung gewonnen. Auch für die Zukunft werden sie eine entscheidende Rolle beim Schutz der Natur, der landschaftsbezogenen Erholung, der Bewahrung der deutschen Kulturlandschaften, der Umweltbildung sowie der nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums in Deutschland spielen.

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