Zur ersten Bildungsveranstaltung im „Jahr der Naturparke 2006“ im Infozentrum Grenzbahnhof Eisenstein konnte Bildungsreferent Hartwig Löfflmann 22 Interessierte darunter Bürgermeister Thomas Müller aus Bayerisch Eisenstein begrüßen. Dr. Jirí Baburek vom Geologischen Landesamt in Prag stellte in einem bebilderten Vortrag die Ergebnisse der neuen Kartierung im Maßstab 1:25.000 vor. Die alten Kartierungen im Böhmerwald stammten aus der K&K - Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts und waren nur im Maßstab 1:50.000 erstellt. Neuere Ergebnisse waren wegen des militärischen Sperrgebietes entlang der Grenze nicht vorhanden.

Die Böhmische Masse ist geologisch sozusagen eine Insel. Die Tschechische Republik ist wohl der einzige Staat weltweit, so Baburek, bei dem die Staatsgrenzen mit den geologischen Grenzen in etwa zusammenpassen. Im Vergleich zur Böhmischen Masse mit einem Alter von weit über 200 Mio. Jahren sind die Alpen mit ihren nur etwas 120 Mio. Jahren noch sehr jung.

Baburek zeigte sich auch erfreut über das erste geologische Freilichtmuseum im Böhmerwald, das vor einigen Jahren in Rokyta bei Rehberg errichtet wurde. Während der Grenzstreifen, entlang des Eisernen Vorhanges damals nur für Grenzpolizisten und Waldarbeiter zugänglich war und ein unseliges Kapitel der Geschichte darstellte, sind die schnurgeraden Grenzstraßen heute für die geologische Kartierung durch ihre Gesteinsanschnitte manchmal sogar eine Hilfe.

Baburek ging im Folgenden auf die einzelnen Gebirgsmassive etwas näher ein. Das Kühnische Gebirge, rund um den Osser besteht aus Glimmerschiefer. Es ist ein Paradies für Mineralogen. Im Glimmerschiefer sind viele Mineralien vor dem Schmelzen verschont geblieben. Man findet Granate, Chloride, Biotite usw.. Granite und Gneise sind lange nicht so interessant.

Das Massiv des Hohen Bogens, ein grüner Fleck in der geologischen Karte, ist dagegen vulkanischen Ursprungs. Auch Steine werden geboren, altern und sterben dann wieder. Pyroxene und Feldspat waren die primären Minerale des Gesteins, die bei Temperaturen bis zu 800 Grad Celsius in zehn Kilometer Tiefe entstanden sind.

Das Zwercheck, auf tschechischer Seite „Seewand“ genannt, zum Schwarzen See hin, trug während den Eiszeiten einen Gebirgsgletscher. Eine der am besten entwickelten Endmoränen findet man am Schwarzen See. Interessant ist natürlich auch das Blockmeer auf der deutschen Seite.

Auf dem Buckel des Lackaberges bis hin zum Mittagsberg und noch etwas weiter südlich findet mal nochmals Glimmerschieferbestandteile. Der Fallbaum südlich von Zelezna Ruda ist aus Quarziten zusammengesetzt.

Wer sich mit der Geologie des Panzers befasst, erhält die Antwort darauf, warum der Berg diesen Namen trägt. Der Berggipfel ist nämlich vom Grauwackengestein, das sehr hart ist überzogen. Er ist sozusagen gepanzert. Er ist auch der einzige Berg im Böhmerwald der eine Wasserscheide mit der Uhlavaquelle Richtung Nordsee und der Regenquelle am Südhang Richtung Donau und Schwarzes Meer darstellt.

Die große geologische Einheit des Moldanubikums, das Land zwischen der Moldau und der Donau ist bekannt durch den Moldavit. Sande aus dem Rieskrater bei Wemding in der Bundesrepublik wurden beim Meteoriteneinschlag in einem bestimmten Winkel weggeschleudert, wie wenn man einen schweren Stein in einen Sandhaufen wirft. Diese Sande sind dann hier wieder eingefallen.

Der übrige Böhmerwald besteht überwiegend aus migmatischen Gneis. Es ist eine Art angeschmolzener Gneis, der Name stammt daher, dass die Finnen erste Untersuchungen dazu machten. Der gesamte Böhmerwald mit Ausnahme des Kühnischen Gebirges ist davon geprägt.

Interessant ist auch, dass die erste geologische Karte des Böhmerwaldes zuerst in Deutschland erschienen war. Eine Besonderheit stellt das geologische Profil durch den Eisenbahntunnel am Spitzberg dar. Dies wurde auch damals bereits in einem touristischen Führer publiziert. Italiener und Dalmatiner hatten damals schon als Gastarbeitern den Tunnel aus beiden Richtungen gebaut. Zum ersten Mal in der K&K - Zeit wurde dort Sprengstoff verwendet.

Dr. Jirí Baburek erzählte zum Schluss von seinen Kartierarbeiten, damals während des Kalten Krieges. Nur mit einer Ausnahmegenehmigung und einer Wartezeit von einem halben Jahr durfte er auf seinen Lieblingsberg, den Osser im Kühnischen Gebirge. Überwacht von drei Soldaten mit scharfen Gewehren und einem Hund, durfte er Gesteinsproben nehmen. Keine drei Meter weiter saßen Touristen vor dem Osser-Berghaus, doch für ihn galt die Drohung, bei einem Schritt weiter nach rechts über die Grenze sei er sofort tot. Baburek bekannte ganz offen, dass er ein absoluter Böhmerwald-Fan ist und für ihn die derzeitigen Kartierarbeiten ein alter Traum waren. Die neuen Erkenntnisse, dass zum Beispiel Granitbereiche teilweise größer sind als bisher kartiert oder dass die Grenzen zwischen Sumava und Moldanubikum um 300 Meter weiter südlich verläuft, sind kleine Sensationen für Geologen und naturkundlich Interessierte

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