Das Luchsprojekt Bayern setzt erneut Fotofallen ein, um mehr über die Verbreitung und Anzahl der heimlichen Waldkatzen im Bayerischen Wald zu erfahren. Von Ende Januar bis Anfang April stehen in den Landkreisen Regen, Cham, Deggendorf und Straubing-Bogen auf einer Fläche von rund 800 Quadratkilometern 90 dieser automatischen Kameras. Auf das individuell einzigartige Fleckenmuster der Luchse haben es die Forscher dabei abgesehen. Daher sind beidseitige Bilder wichtig, weil dies die Identifizierung wesentlich erleichtert, sollte derselbe Luchs auch an einem anderen Standort fotografiert werden. Die Fotofallen stehen daher immer doppelt, links und rechts von Wanderwegen oder Forststraßen, an 45 ausgewählten Stellen zwischen Bad Kötzting, Zwiesel, Viechtach, Regen, Sankt Englmar und Lalling. Unter der Projektleitung von Sybille Wölfl führt Markus Schwaiger zusammen mit dem Diplomanden Julian Sandrini von der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg die Untersuchung durch. Sie machen es sich dabei zunutze, dass Luchse mehr oder weniger regelmäßig vom Menschen angelegte Wege nutzen, auf denen auch sie sich bequemer fortbewegen können. Die Ergebnisse aus dem vergangenen Winter, die der Bodenmaiser Markus Schwaiger in seiner Diplomarbeit erzielte, waren ermutigend. Er zeigte, dass sich Luchse auch in Gebieten, in denen man nur sehr wenig über die Anwesenheit dieser Tiere weiß, fotografieren lassen. Damals wurden vier verschiedene Luchse zwischen Zwiesel und Deggendorf erfasst. Wie viele Luchse sich aber genau zwischen der deutsch-tschechischen Grenze und der Donau aufhalten ist nach wie vor unklar. „Wir haben die Größe des Untersuchungsgebiets nun verdoppelt, um einen repräsentativen Anteil der Luchspopulation des Bayerischen Waldes erfassen zu können“, erläutert Sybille Wölfl. „Da das mittelfristige Ziel eine Bestandsschätzung der Luchse im Bayerischen Wald ist, macht es nur Sinn, auf größtmöglicher Fläche nach diesen großen Katzen zu suchen.“ Und diese Fläche ist riesig. Aber auch Luchse haben riesige Wohngebiete. Luchsmännchen etwa besitzen Reviergrößen von bis zu 500 km². Innerhalb dieser Fläche bewegen sich meist nicht mehr als zwei oder drei Weibchen. Markus Schwaiger und Julian Sandrini wissen daher am Abend, was sie geleistet haben, wenn sie von den Fotofallen-Kontrollen zurückkommen, auch wenn die 45 Standorte nur alle 7 bis 14 Tage aufgesucht werden, um beispielsweise Batterien oder Filme zu wechseln. Gut, dass sie die Unterstützung der Revierpächter haben. „Wie auch im letzten Jahr erfolgt eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der lokalen Jägerschaft“, freut sich Schwaiger. „Sie helfen uns auch schon mal bei der Kontrolle und sind sehr interessiert daran, welche Wildtiere wir dieses Jahr ablichten können.“ Finanziert wird das Luchs-Monitoring, das vornehmlich auf der Fläche des Naturparks Bayerischer Wald durchgeführt wird, vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Auch der Landesjagdverband begrüßt dieses Projekt und hat in einem Rundschreiben alle betroffenen Kreisgruppen um Unterstützung gebeten. Weitere Informationen zum Fotofalleneinsatz des Luchsprojekts sowie über einzelne Ergebnisse erhalten sie unter www.luchsprojekt.de.

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