Gleich zwei Mal stand vergangenes Wochenende der Arber im Mittelpunkt von Naturpark-Veranstaltungen: Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer nahm am Freitag im Infozentrum Grenzbahnhof die 19 Zuhörer ihres Vortrags über „Besonderheiten im Arbergebiet“ mit auf eine „Bilderreise“ durch das Arbergebiet. Dass der Arber nicht nur für die Menschen von heute, sondern schon vor über tausend Jahren etwas Besonderes war, kann man sogar aus dem Namen des Berges herleiten: Wissenschaftler vermuten, dass die Menschen im Frühmittelalter den Berg „haduwith“ nannten, was wörtlich übersetzt „Kampfheiligtum“ bedeutet. Sie hatten das Gipfelplateau mit Steinriegeln als Kultstätte erwählt, da bereits sie die Geomorphologie des Arbers als einzigartig im Bayerischen Wald ansahen. Isabelle Auer betonte, dass andererseits selbst der wirtschaftende Mensch etwas Einzigartiges schaffen konnte: Die Schwimmenden Inseln am Großen und am Kleinen Arbersee. Diese entstanden, als sich beim Aufstauen der beiden Seen Ende des 19. Jahrhunderts Moorfilze vom Grund des Sees lösten. Die ursprünglich drei Arberseen sind Zeugen der letzten Eiszeit. Welche botanischen Eizeitrelikte im Arbergebiet überdauert haben und wann man sie im Jahresverlauf am Arber entdecken kann, veranschaulichte die Arbergebietsbetreuerin bei ihrer bebilderten „Wanderung durch die Jahreszeiten“. Dank der Besucherlenkung kann man heute am Gipfelplateau im Sommer beispielsweise den Ungarischen Enzian, den Krausen Rollfarn, den Alpenflach-Bärlapp, den Zerbrechlicher Blasenfarn oder das Felsen-Straußgras wieder entdecken. Dass der Arber auch etwas Besonderes im Hinblick auf sein Klima darstellt, erläuterte die Gebietsbetreuerin und Geografin am Vergleich des Arbers mit dem 37 Meter höheren Feldberg im Südschwarzwald, dem höchsten „Mittelgebirgsberg“ Deutschlands: Obwohl die Jahresmitteltemperaturen bei beiden Bergen mit 2,7°C (Arber) und 3,0°C (Feldberg) in etwa gleich sind, ist die Schneedeckendauer beim Feldberg fast 100 Tage kürzer als beim Arber. Der Jahresniederschlag am Feldberg ist mit rund 1900 mm jedoch um rund 500 mm höher als beim „König des Bayerischen Waldes“. Dies zeigt, dass im Gegensatz zum Feldberg, dessen Klima noch vom Atlantik beeinflusst wird, der „raue“ Arber mit seinem kalten „Böhmischen Wind“ bereits subkontinental beeinflusst ist. Typisch für den Arber ist auch, dass sich die Wetterverhältnisse mit zunehmender Höhe sprunghaft verändern können. Wenn – wie bei der Naturpark-Schneeschuhwanderung mit Isabelle Auer am letzten Sonntag – nur der unmittelbare Gipfelbereich in einer Wolke eingehüllt ist und wenn an dieser ausgesetzten Stelle der böhmische Wind heftig bläst, kann die Natur am Arber besonders intensiv erfahren werden. Dies erlebten die 22 Schneeschuhwanderer hautnah, und lernten dabei auch, dass der normalerweise eigentliche Reiz des Schneeschuhgehens, das „Querfeldeingehen“, in weiten Teilen des Arbergebiets vor allem das bedrohten Auerhuhn stört. Da es im Winter nur nährstoffarme Nadeln frisst, kann jede panikartige Flucht, jedes Aufschrecken durch Schneeschuhwanderer und Skitourengeher dem Auerhuhn sehr schaden. Um das Auerhuhn zu schützen, sollten Wintersportler, die den Arbergipfel besteigen wollen, sich also entweder an die Loipen oder an den für das Auerhuhn ungefährlichen und somit naturverträglichen Wanderweg E6, den Goldsteig halten.

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