Das Arbergipfelplateau galt schon immer als besonderer Ort. Wegen seiner vier Felsengipfel, die fast genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet zu sein scheinen, war er bereits vor der Christianisierung ein Kultort. Auch sein Name weist auf seine wichtige Stellung in der Mythologie des Bayerischen Waldes hin: Die althochdeutsche Form, aus der sich durch Lautverschiebungen schließlich der heutige Name „Arber“ entwickelte, bedeutete soviel wie „Kampfheiligtum“. Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald zeigte letzten Mittwoch den 15 Teilnehmer einer Gipfelführung, dass der Arber – trotz seiner Verbauung – darüber hinaus noch immer voll von botanischen und geologischen Besonderheiten ist. Diesmal interessierten sich die Exkursionsteilnehmer vor allem für den zur Zeit blühende dunkellila Ungarische Enzian. Hauptverbreitungsgebiete der bis zu einen halben Meter hohen Pflanze sind die Ostalpen, die Karpaten und Siebenbürgen. Im Gegensatz zu vielen anderen botanischen Raritäten – wie z.B. der Krause Rollfarn – ist der Ungarische Enzian am Arber ungefährdet. Am Beispiel der Radartürme und des Sendemasten verdeutlichte die Gebietsbetreuerin, wie im Gipfelbereich des „Königs des Bayerischen Waldes“ die unterschiedlichsten Interessen aufeinanderprallen: Wünschen sich die Vertreter des Naturschutzes schon seit langem den Rückbau in besonders diesem Bereich des Gipfels, so verhindern dies Rechte des Militärs bzw. wirtschaftliche Gründe. Nach der einstündigen Führung rund um das Gipfelplateau hatten die Exkursionsteilnehmer so nicht nur viel über die Natur und Kulturgeschichte des Arbers erfahren, sondern auch einen Einblick in die behördliche Naturschutzarbeit erhalten.

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