Rund dreißig interessierte Zuhörer fanden sich zum Vortrag „Schrazelgänge als Schaufenster in eine verborgene Zeit“ im Viechtacher Alten Rathhaus ein. Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte zu einem kulturhistorischen Vortrag in der Pfahl-Infostelle eingeladen. Kreisheimatpflegerin und Archäologin Cornelia Schink berichtete in ihrem reich bebilderten Vortrag über regionale Vorkommen und mögliche Zweckbestimmung der geheimnisvollen Erdställe.

Die im Volksmund als „Schrazellöcher“ bezeichneten Bodendenkmäler sind Höhlen und unterirdische Gänge, die häufig mit frühester bäuerlicher Besiedelung verbunden werden. Im Bayerischen und Oberpfälzer Wald kommen diese besonders gehäuft vor. Erdställe sind meist in Dörfern und Weilern, wie in der Ortschaft Pfahl, Böhmersried Burgstall oder Altnussberg, zu finden. Aber auch unter dem Viechtacher Stadtplatz liegen einige „Schrazelgänge“ verborgen. Die niedrigen und verzweigten Gänge und Kammern sind mit sehr engen Schlupflöcher verbunden. Sie münden häufig in eine eindrucksvolle Schlusskammer, die meist Sitzbänke und Nischen aufweist wie beispielsweise im gut erhaltenen Erdstall in Altnussberg. Mit einfachsten hauenartigen Eisenwerkzeugen wurden die Schrazelgänge gebaut. Referentin Cornelia Schink: „Wenn die damaligen Menschen in Schwerstarbeit diese Erdställe in die Erde getrieben haben, so müssen sie auch eine wichtige Bedeutung für die Erbauer gehabt haben“. Eine Nutzung als Zufluchtstätten oder Lagerorte sei eher fraglich. Dagegen spreche Kälte, Nässe, schlechte Luftversorgung und der meist fehlende zweite Ausgang. Bei kriegerischen Situationen könnten die einmal gefundenen Gänge leicht mit Feuer vor den Eingangsschlupfen ausgeräuchert werden. Erdstallforscher sehen nach aktuellem Stand in den „Schrazelgängen“ i.d.R. ehemalige Kultstätten, in den die Ahnen verehrt oder die heilende Kraft der Mutter Erde empfangen wurde. „Die Vielzahl von Sagen, die von hilfreichen Zwergen und Schrazeln handeln, könnte ein Hinweis auf den kultischen Ursprung der Erdställe sein.“ Berichtete Archäologin Cornelia Schink.

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