Diese Woche wurde im Infozentrum die neu konzipierte Wanderausstellung zum Schutzkonzept Auerhuhn im Bayerischen Wald eröffnet. Seit nunmehr 40 Jahren ziert das Auerhuhn das Wappen des Naturpark Bayerischer Wald e.V.. Seit langem ist dem gemeinnützige Verein der Schutz des Auerhuhns ein wichtiges Anliegen. Damit auf lange Sicht das scheue und vom Aussterben bedrohte Waldtier auch weiterhin in den Hochlagenbereichen des Bayerischen Waldes vertreten sein wird, hat der Naturpark in Zusammenarbeit mit der Regierung von Niederbayern im Oktober 2006 ein Artenschutzkonzept gestartet.

Besonders erfreute es natürlich den 1. Vorsitzenden, Heinrich Schmidt, dass sich bei der ersten offiziellen Veranstaltung soviel interessierte Zuhörer eingefunden hatten. Für ihn ist es von besonderer Bedeutung, dass das Projekt nicht an den Grenzen des Naturparkgebietes aufhört. Er erhofft deshalb auch die Unterstützung der angrenzenden Großschutzgebiete. Auch ist es für die Erhebung wichtig, dass bereits gesammelte Daten aus dem Bayerischen Wald mit einfließen können. Schutzmaßnahmen zur Verbesserung des Auerhuhnbestandes in den letzten Jahrzehnten, würdigte Heinrich Schmidt im Besonderen. Sehr engagiert war die Schutzgemeinschaft Auerhuhn.
Besonderer Dank galt auch dem gesamten Naturparkteam, das seit Oktober letzten Jahres enorm viel Arbeit geleistet hatte. Zum einen wurde eine mobile Wanderausstellung konzipiert. Diese besteht aus 5 ineinander übergehende Rollups, um den Transport so einfach wie möglich zu gestalten. Die Wanderausstellung wird nämlich die kommenden 3 Wochen in allen 4 Naturparklandkreisen separat vorgestellt. Zusätzlich folgen noch weiter Termine, bei der die Wanderausstellung in der breiten Öffentlichkeit zur Schau gestellt wird.

In der freien Natur bekommt man diesen scheuen Waldvogel in der Regel nie zu sehen. Nur mit sehr viel Glück kann es sein, dass der aufmerksame Wanderer im März bzw. April die Balzrufe des Auerhahnes in der Ferne vernimmt. Deshalb wurde zusätzlich zur Ausstellung eine Vitrine mit einem imposant balzenden Auerhahn und einer zu Füßen liegenden Henne aufgebaut. Den Balzruf kann man per Knopfdruck starten. Das neue Faltblatt und der Internetauftritt, der in Kürze auf der Homepage des Naturparks online zu finden sein wird, wurden vorgestellt.

Um dem Publikum besondere Fachkenntnisse aus dem Leben eines Auerhuhns vermitteln, zu können, wurde Dr. Wolfgang Scherzinger, ein fundierter Kenner der Raufußhühner, als Referent gewonnen. Er berichtete über die typischen Merkmale wie die befiederten Füße, den markanten Hakenschnabel oder die roten Hautstellen über den Augen.
„Wichtig ist für den Erhalt des Auerhuhns, angepasste Waldwirtschaft in den Hochlagen des Bayerischen Waldes. Vor allem alte lückige Fichtenbestände über 120 Jahren mit viel Heidelbeervorkommen sind die typischen Lebensräume des Auerhuhns.“ Angepasst an den Lebensraum und die saisonellen Bedingungen, ernährt sich das Auerhuhn von unterschiedlichen Früchten, Beeren, Knospen und Nadeln der Bäume. Besonders wichtig für die Reproduktion und die erfolgreiche Aufzucht der Jungtiere, ist das Vorhandensein von ausreichend Insekten. Der Aufwachserfolg der Küken ist von Natur her sehr schlecht, d.h. von etwa 10 Jungtieren überlebt oft nur eines das erste Jahr. Bei ungünstigen Wetterverhältnissen - sehr kalt und regnerisch - kann es durchaus passieren das es keine überlebenden Jungtiere gibt. Bedroht werden die Auerhühner nicht nur vom Wetter, sondern vieler anderer natürlicher Feinde. Besonders hob der Referent das Wildschwein hervor. Die rasante Zunahme des Bestandes seit der Grenzöffnung bedroht zusätzlich das Auerhuhn. Natürlich kann ein Wildschein den adulten Tieren kein Leid zufügen, doch falls es über ein Gelege stolpert, wird davon nichts übrig bleiben.

Nach Scherzingers Ausführungen stellte Arnold Multerer das Schutzkonzept im Detail vor. Der Arber - Gebietsbetreuer ging hierbei besonders auf die unterschiedlichen Kartiermöglichkeiten des Auerhuhns ein. Anhand eines einfach gehaltenen einseitigen Fragebogens erläutert der Referent, die unterschiedlichen Möglichkeiten, festzustellen ob sich in den zu kartierenden Bereich ein Auerhuhn aufhält. Nicht die direkte Sichtung des Auerhuhns sei Ziel. Es soll alleine anhand von Spurenfunden festgestellt werden, ob sich ein Auerhuhn in der Gegend aufhält. Dazu zählen z.B. Funde von Federn oder Trittsiegel. Die Trittsiegel eines Hahnes sind mit einer Größe von 12,5 x 11 cm, enorm groß. „Gute erkennbare Spuren von Auerhühnern, kann man hinter den umgewurzelten Fichtentellern finden. An diesen sog. Staubbade- oder Huderplätzen, reinigt das Auerhuhn sein Gefieder. Besonders wichtig sind aber Losungsfunde. Diese geben sehr schnell und zuverlässig Aufschluss über den Auerhuhnbestand. Je nach Durchmesser kann daraus bestimmt werden, ob es sich um eine Henne, einen Hahn oder ein Küken handelt.
Bei den Kartierarbeiten darf das Auerhuhn unter keinen Umständen beunruhigt werden. Deshalb werden die Lebensräume des Auerhuhns so vorsichtig wie nur möglich durchleuchtet. Dazu stellte der Referent eine Methode vor, wie über die Auswertung von Luftbildaufnahmen mögliche Lebensräume des Auerhuhns im Bayerischen Wald vom Schreibtisch aus, aufgenommen werden können. Doch nichts desto trotz ist man bei diesem Projekt auf ehrenamtliche Mitarbeiter, die gute Ortskenntnis besitzen, angewiesen. Dazu soll unter der Trägerschaft des Naturparks ein flächendeckendes Netz von ehrenamtlichen Helfern über den gesamten Bayerischen Wald aufgebaut werden. Interessenten, die in diese Betreuernetzwerk eingebunden werden möchten, können sich direkt an den Naturpark wenden oder einen der kommenden Termine beiwohnen, wo sie dazu ausführliche Informationen vermittelt bekommen.

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