• Naturpark Bayerischer Wald : 
  • Von Baumgeschichten, Auerhühnern und der Arberhexe Gebietsbetreuerin Isabelle Auer führte etwa 50 Wanderer durch die Arberseewand


Im Rahmen der Arberführungen des Naturparks Bayerischer Wald gelten die Exkursionen durch die Arberseewand bereits seit Jahren als absoluter Höhepunkt. Die Arberseewand ist nicht nur geographisch interessant, da sie wie der Große Arbersee Zeugin der letzten Eiszeit ist. Sie ist vor allem ein Naturparadies. Die ständig feuchte steile Bergflanke ist von vielen, z.T. seltenen Moosarten bedeckt. Das Vogelgezwitscher erscheint hier lauter. Bäume, die in der Seewand dicker als anderswo im Bayerischen Wald sind, zeigen, dass hier der Mensch seit Jahrhunderten nicht mehr in die Natur eingegriffen hat. Der Wandersteig durch die Seewand gilt jedoch als gefährlich. Häufig auftretender Nebel führt dazu, dass sich Wanderer in der steil abfallenden Wand verirren. Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald bot daher letzten Mittwoch eine Führung vom Großen Arbersee über die Arberseewand zum Gipfel an. Dass Zeugen der Erdgeschichte im Vergleich zur Seewand manchmal unspektakulär sind, zeigte die Gebietsbetreuerin den etwa 50 Exkursionsteilnehmern bereits zu Beginn der Führung: Fast unmerklich überquert der Wanderer auf dem Seewandzubringerweg zwei Seitenmoränen. Neben Wissenswertem über die Geologie und Botanik des Gebiets erzählte Isabelle Auer dieses Mal bei besonders markanten Bäumen sogenannte „Baumgeschichten“. An einem umgestürzten Baum, auf dem bereits neue Fichten wachsen, zeigte sie, wie in der Natur vermeintlich Totes immer Grundlage für neues Leben ist. Einen trotz der rauen Verhältnissen etwa ein Meter dicker Baumstumpf schätzen die Teilnehmer auf ein Alter von etwa 600 Jahren, „geboren“ wurde der Baum also bereits um das Jahr 1400, z.B. vor der Entdeckung Amerikas, vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, lange vor dem Dreißigjährigen Krieg. In die Gegenwart zurückgerufen wurde die Gruppe wieder bei der Wanderung durch die Windwurfflächen oberhalb der Seewand, die durch den Orkan Kyrill im Januar letzten Jahres entstanden sind. Hier erklärte Auer, wie das Auerhuhn von den so neu entstandenen Freiflächen profitiert. Umgestürzte Wurzelteller dienen z.B. nicht nur als Versteck, sondern auch als Huderplätze. Vor dem letzten Anstieg machte die Gruppe noch einmal vor einem bizarr geformten Baumstumpf halt, der für manche Wanderer die Form eines Entenkopfes hat. Andere, die im Gegensatz zur den Bodenmaiser Riegel nicht als „Richard-Wagner-Kopf“, sondern in ihm den Kopf der sagenhaften Arberhexe sehen, deuten ihn als ersten Vorboten auf die Hexe. Isabelle Auer nahm dies zum Anlass, die dreistündige Führung mit der Sage von der Arberhexe abzuschließen: Noch heute gilt die Arberhexe unter den Woidlern als „gute Fee“: Menschen, die Liebeskummer haben, sollen daher möglichst bei Vollmond um Mitternacht zum Gipfel wandern und der Hexe ihr Leid klagen. Beim Abstieg wird ihnen dann die Hexe in unterschiedlichen Gestalten erscheinen: Als Reh, als Farn oder als besonders schöner Stein. Nach dem Abstieg wird der Hilfesuchende vom Liebeskummer geheilt sein. Die Gebietsbetreuerin überließ es am Ende jedoch den Teilnehmern, ob sie sich von dieser sagenhaften Arberhexe oder von dem Naturerlebnis Arberseewand gestärkt fühlten. Dass viele der Wanderer sich für die Führung extra einen Urlaubstag genommen hatten, zeigte wiederum deutlich, dass das Naturerlebnis Arberseewand nicht nur Urlauber sondern vor allem auch Einheimische noch immer fasziniert.

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