Lange Zeit galt das Auerhuhn als „vom Aussterben bedroht“. Erste Auswilderungsprojekte, die sich auf den Lamer Winkel beschränkten, starteten 1982. Seit dem Jahr 1985 versuchte der Nationalpark mit Zucht- und Auswilderungsprojekten, die Auerhühner im ganzen Grenzkamm wieder heimisch zu machen. Unterstützt wurde er dabei von 1987 an durch die „Schutzgemeinschaft Auerwild“. Die staatlichen Forstämter der Region beteiligen sich seit Ende der 80er Jahre aktiv an den Auswilderungsprojekten. Den historischen Auerhuhnbestand zu dokumentieren, potentielle Lebensräume mit Hilfe von Luftbildanalyse zu ermitteln, aber auch den aktuellen Auerhuhnbestand im Naturpark- und speziell im Arbergebiet festzuhalten, war letztes Jahr das Ziel eines Naturpark-Projektes in Zusammenarbeit mit der Regierung von Niederbayern. Den Exkursionsteilnehmern Aussehen, Lebensweise und Lebensraum dieses Waldbewohners zu zeigen, war letzten Sonntag das Ziel einer Naturpark-Exkursion mit Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer. Bereits am Parkplatz Schareben entdeckten die etwa zehn Exkursionsteilnehmer dicht neben dem Rundwanderweg ein ausgestopftes Auerhuhnpärchen. So konnten die Teilnehmer sich zuerst an Hand der Präparate mit dem Aussehen vertraut machen. Isabelle Auer betonte, dass eine reale Auerhuhnsichtung der Naturschutzidee widersprechen würde: Auerhühner sind sehr schreckhaft. Sie leiden weniger unter Dauerbelastung wie z.B. Straßenlärm, sondern schrecken bei unvorhergesehenen Situationen auf. Wanderer, die im Auerwildschutzgebiet die markierten Wanderwege verlassen, können die Auerhühner zu panikartiger Flucht verleiten. Besonders im Winter, wenn sich das Auerhuhn von nährstoffarmen Nadeln ernähren muss, kann das zum Tod des Tieres führen. Daher hielt sich die Gruppe auch bei dieser Führung an den häufig begangenen Rundwanderweg. Deutlich wurde, dass das Auerhuhn von großen Sturmereignissen, wie etwa dem Orkan Kyrill im Januar letzten Jahres, erheblich profitierte. Hauptverbreitung der Vögel sind alte, lichte Nadelholzwälder mit einer reichhaltigen Zwergstrauch-Vegetation, wie z.B. der Heidelbeere. Umgestürzte Baumteller dienen nicht nur als Deckung, sondern schaffen auch neue Huderplätze zur Gefiederpflege und liefern Magensteinchen, die zur Verdauung notwendig sind. Da nur der Auerhahn zur Balzzeit, also im Mai, zu hören ist, waren die Teilnehmer überrascht, als sie oberhalb einer Windwurffläche den scharrenden Ruf eines Auerhahns vernehmen konnten. Wie sich jedoch bald herausstellte, kam er jedoch vom Tonband. Alle Exkursionsteilnehmer waren sich am Ende der dreistündigen Exkursion darin einig, dass man sogar froh war, nicht ein lebendiges Auerhuhn gesehen zu haben. Ein Auerhuhn aufzuschrecken, hätte schließlich dem Naturschutzgedanken der Exkursion widersprochen. Denn auch so hatte man einiges über diesen Bayerwaldbewohner, das Wappentier des Naturparks Bayerischer Wald e.V., erfahren

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