Im Rahmen des Naturpark- Bildungsprogramms 2007 hatte der Naturpark Bayerischer Wald e.V. in die Naturpark Infostelle Bogen zu einem bebilderten Vortrag über Falter geladen. Referent war Ralph Sturm, ein exzellenter Kenner der Szene. Schon als kleinen Jungen hatten ihn die Schmetterlinge in den Bann gezogen. Er hatte sehr früh bereits gesammelt, Falter bestimmt und sich zu einem Experten emporgearbeitet.

Mit hervorragenden Bildern erläuterte er zunächst Allgemeines zur Biologie der Schmetterlinge. Man kennt vier Stadien, Eier, Raupen, Puppen und die fertigen Schmetterlinge. Jeder Schmetterling ist an eine ganz bestimmte Futterpflanze angepasst. Das Tagpfauenauge kommt zum Beispiel an der Brennnessel vor. Mit Elektronenmikroskopaufnahmen erläuterte Sturm dann die geheimnisvolle Welt der Falter. Jedes Ei hat beispielsweise eine Delle in welche, die männlichen Spermien zur Befruchtung eindringen. Die Weibchen der Falter tragen fertig entwickelte Eier in sich, die Männchen fertige Samen. Die Samen werden nach der Begattung im weiblichen Körper gelagert. Erst wenn eine Ei den weiblichen Körper verlässt nimmt es das Spermium auf. Die Entwicklungszeit dauert etwa 10 Tage bis ein halbes Jahr, je nach Art.

Ein Phänomen ist die Häutung bei den Raupen. Sobald die Raupe ihre zu klein gewordene Haut abstreift müssen Gehirn und Muskulatur und alles was zu Leben notwendig ist sich zurückziehen und mit Augen und Atmungsorganen sich in der neuen Haut formen. Beeindruckend ist bei den Raupen die Mimese, das heißt das Nachahmen von Gegenständen in der Umgebung. Damit kann man vor Feinden unentdeckt bleiben. Es gibt Raupen die aussehen wie Vogelkot, wie Blatteile oder wie dürre Stöckchen. Manche richten sich genau nach dem Sonnenstand aus um einen Schattenwurf und damit die Erkennbarkeit durch Feinde zu vermeiden. Im dritten Stadium, dem Puppenstadium unterscheidet man verschiedene Typen. Stürzpuppen aus denen der Falter kopfüber stürzt, Gürtelpuppen, die mit einem Faden aufrecht festgebunden sind oder Mumienpuppen, die sich möglicherweise bis zu 60 cm tief in der Erde befinden.

Das faszinierende Endstadium ist dann der Schmetterling selbst. Kurz nach dem schlüpfen wird Körperflüssigkeit und Luft in die weichen Flügel gepumpt bis sie ihre volle Pracht entfaltet haben. Blaue und grüne Farben bei den Faltern entstehen durch Lichtbrechung, schwarze und gelbe Farben sind Pigmenteinlagerungen. Rot ist bei Faltern sehr selten.

Im laufe des Vortrages wurden dann einige Falterarten vorgestellt. Leider sind viele Arten auf Grund von Lebensraumveränderungen bereits verschwunden. Den Segelfalter gab es auf dem Bogenberg bis zum Jahr 1918. Der Schwalbenschwanz ist typisch für die Ebenen, braucht aber aufsteigende Berghügel dazwischen. Beide Vorraussetzung sind um den Bogenberg gegeben.

Ralph Sturm brachte dann für verschiedene Landschaftstypen jeweils typische Arten als Beispiele. Auf Magerrasen konnte man bis zu seiner Ausrottung 1986 Beispielweise den Weißen Waldportier vorfinden. An Gewässern sind es Großer und Kleiner Schillerfalter. Nach und nach wurde Waldränder, Hecken, aber auch Auwälder näher vorgestellt. Für die Vortragsbesucher wurden viele Geheimnisse gelüftet und Erklärungen geliefert. Trotzdem blieben Fragen offen. Die Experten beschäftigt z.B., warum in periodischen Zyklen, manchmal alle 20 Jahre, Massenvermehrungen auftreten oder bestimmte Arten in den Zwischenzeiten nahezu verschwunden sind.

Vielfältige Gefahren lauern, ob es der Straßenverkehr ist, eine konzentrierte Gülleausbringung auf großer Fläche oder der Lebensraumverlust durch große Baumaßnahmen. Auch Veränderungen in der Landbewirtschaftung bedeuten vielfach das Aus für bestimmte Arten. Nur ein umfangreiches Wissen kann Entscheidungsträger leiten, eine möglichst große Artenvielfalt auch bei Tag- und Nachtfaltern erhalten helfen.

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