• Naturpark Bayerischer Wald : 
  • Nachbericht Naturpark-Exkursion Bayerischer Wald 60 begeisterte Teilnehmer bei der Europäischen Fledermausnacht im Silberbergwerk


Die Europäische Fledermausnacht, die bereits seit einigen Jahren in ganz Europa zeitgleich am letzten Samstag im August stattfindet, wurde auch dieses Jahr vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. in Zusammenarbeit mit dem LBV Regen wieder am Silberberg veranstaltet. Auf dem Weg zum Silberbergwerk führte der Gebietsbetreuer Arnold Multerer (Naturpark Bayerischer Wald e.V.) die Kinder spielend an das sagenumwobene Säugetier heran: So wurden Fledermausmasken gebastelt und in dem Spiel “Fledermaus und Motte” wurde das Jagdverhalten Fledermaus verdeutlicht. Gemeinsam wanderte die 60 köpfige Gruppe zum Barbarastollen. Auf dem Weg zeigte Arnold Multerer günstige Waldlebensräume für Fledermäuse. Wichtig seien hier offene alte Waldstrukturen mit reichlich Totholz, in deren Höhlen sich die Fledermäuse tagsüber aufhalten können. Diese wichtigen Höhlenbäume wurden dieses Jahr im Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Bodenmais mit weißen Fledermäusen bzw. weißen Wellen markiert, damit sie bei Forstarbeiten nicht gefällt werden.

Im Stollen angekommen stellte der Bergwerksbesitzer Martin Schreiner die Geschichte des Silberbergwerkes vor. Das Silberbergwerk ermöglicht schon seit dem frühen Mittelalter ein Miteinander von Mensch und Fledermaus. Da derzeit nur etwa 1 km des ca. 20 km langen Stollenwerks touristisch genutzt werden, haben die Fledermäuse hier beste Vorraussetzungen harmonisch mit den Menschen zu leben.
Susanne Morgenroth, Fledermausexpertin des Naturpark Bayerischer Wald e.V., entführte die Gruppe mit einem Diavortrag in die Welt der Flugkünstler: Die seit 60 Millionen Jahren existierenden Fledermäuse wurden im Mittelalter aus altem Aberglauben verfolgt. Doch dieser Ruf entspricht nicht dem wirklichen Verhalten der europäischen Fledermausarten, die alle nur nützliche Insektenfresser sind. Anhand von Bildern konnten die Besucher den Flügelaufbau mit dem Handaufbau des Menschen vergleichen und die dünne Flughaut, die sich um den ganzen Körper zieht, genau betrachten. Weiterhin erhielten die Teilnehmer anschauliche Informationen zu den 18 verschiedenen Fledermausarten, die den Bayerischen Wald zu ihrer Heimat gemacht haben. Laut Susanne Morgenroth bietet der Silberberg auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit und der konstanten Temperatur von 5° Celsius optimale Bedingungen für die sagenumwobenen Flieger.
Hufeisennasen und die häufigen Glattnasen fangen die Insekten mit dem Flügel und fressen diese im Flug. Im Gegensatz dazu ergreifen Wasserfledermäuse ihre Beute fliegend über der Wasseroberfläche. Die rund 700 Fledermäuse im Silberbergwerk können ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen. Sie ziehen pro Jahr ein Junges groß. Jungtiere können geübte Personen an einem schwarzen Punkt auf der Unterlippe erkennen. Das Silberbergwerk gilt als Balzplatz und Überwinterungsquartier für die Insektenjäger. Um den Besuchern die Fledermäuse näher zu bringen, hatte die Fledermausexpertin noch eine besondere Überraschung dabei: Nora, eine Nordfledermaus, welche auf Grund ihr fehlenden Flugfähigkeit in freier Wildbahn nicht überlebensfähig wäre, konnte gestreichelt werden. Das weiche Fell begeisterte Klein und Groß und Nora hatte alle in ihren Bann gezogen.

Nach diesem Highlight ging es in einem 15 minütigen Fußmarsch zur „Gottesgabe“ wo weitere Fledermäuse gesichtet werden sollten. Mit Hilfe von einem Detektor wurden die Ultraschalllaute, die den Fledermäusen zur Orientierung dienen, auch für den Menschen hörbar gemacht. Immer wenn ein Detektor - Laut Fledermäuse ankündigte, leuchteten unzählige Taschenlampen auf, welche die Fledermäuse an Himmel und Felswand und in der Schlucht suchten und fanden. Denn die Nacht stellte sich als “high season” der Fledermäuse heraus. Auf der Balz jagten sich ständig zahlreiche Fledermäuse, immer wieder flogen sie über die Köpfe der begeisterten Zuschauer und so konnten sechs verschiedene Arten ausgemacht werden.
Am Ende des Abends waren sich alle einig: In diesen drei Stunden hat man nicht nur viel gelernt, sondern auch Spaß bei der Beobachtung dieser kleinen Schatten in der Nacht gehabt. Und für die etwa 30 Kinder war das eine unvergessliche Nacht, die sie gerne nächstes Jahr wiederholen möchten.

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