Unter dem Motto „Botanische Raritäten am Kleinen Arbersee“ hatten die beiden Naturparke Oberer Bayerischer Wald und Bayerischer Wald zu einer Exkursion mit dem Diplom-Biologen Martin Scheuerer eingeladen. Dazu konnte Gebietsbetreuerin Caroline Stautner etwa 25 botanisch interessierte Teilnehmer begrüßen.
Martin Scheuerer, der im Landkreis Cham im Rahmen des Artenhilfsprogramms die Standorte der seltensten Pflanzen kennt und beobachtet erläuterte zu Beginn des Rundgangs die Besonderheit des NSG Kleiner Arbersee. Entstanden nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren hat seitdem im Bereich des Sees eine Moorbildung eingesetzt. Durch das Aufstauen zum Holztriften wurde der See im 19. Jahrhundert jedoch auf etwa 9 ha vergrößert und die „schwimmenden Inseln“ lösten sich vom Ufer und treiben bis heute auf der Wasseroberfläche.
Diese Inseln sind nicht nur durch ihre Entstehung sondern auch botanisch eine Rarität. Auf den kleinflächigen Erhöhungen, den sog. Bulten der Inseln (Moospolster, die hauptsächlich aus Torfmoos bestehen) finden sich Zwergsträucher wie die Rosmarinheide, die Rauschbeere oder die Moosbeere. Auch das Scheidige Wollgras und der Rundblättrige Sonnenstau sind typisch für die Inseln. Der Sonnentau holt sich als Insektenfresser mit seinen klebrigen Tentakeln zusätzlich Proteine in Form von kleinen Fliegen bzw. Mücken.
In den feuchteren Bereichen der Inseln findet sich der Sumpfbärlapp. Sein größtes Vorkommen hat er im Landkreis Cham am Kleinen Arbersee, außerdem kommt er noch am Großen Arber, sonst aber erst wieder in den Alpen vor. Neben dem Sumpfbärlapp wächst dort auch die Blumenbinse, die zu den Liliengewächsen zählt. Auch die Rieselsegge ähnlich wie die Schlammsegge ist eine Besonderheit des Arbergebietes. Deshalb kommt diesem Gebiet und den zuständigen Landkreisen Regen und Cham auch eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser überregional bedeutsamen Arten zu. Eine Kalkung der saueren Arberseen, die immer wieder mal vorgeschlagen wird, so Scheuerer Martin, würde diese Pflanzen zum Aussterben bringen.
Neben den Eiszeitrelikten in den Mooren am Kleinen Arbersee gibt es auch in den Felsen extrem seltene Pflanzen. Dazu gehört der Krause Rollfarn, den man in ganz Bayern nur im Arbergebiet und am Kaitersberg findet. Die zwittrige Krähenbeere findet sich nur noch am Arber.
Beim weiteren Rundgang rückten dann wieder die Pflanzen der Ufervegetation des Arbersees in den Mittelpunkt. Martin Scheuerer stellte Sumpfblutauge, Fieberklee, Sumpfcalla und Pfeifengras vor. Die Gelbe Teichrose ist mittlerweile am Kleinen Arbersee weitgehend verschwunden.

Im Seebachgrund, dem Zuflussbereich des Kleinen Arbersees, der auch die kälteste Stelle am See ist, lernten die Teilnehmer neben speziellen Moosen und Farne auch die typischen Schluchtwaldarten kennen. Neben Vogelbeere und Bergahorn fühlen sich Alpenmilchlattich, Alpenglöckchen und Alpenlattich in dem rauen Klima des Arbers besonders wohl.

Das dies auch für den Biber gilt konnten die Teilnehmer dann auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt feststellen. Zahlreiche angenagte Buchen und mehrere Biberburgen zeugen von seinen Bau-Aktivitäten am Kleinen Arbersee.

Wieder angekommen am Auslauf des Kleinen Arbersees bedankte sich Gebietsbetreuerin Caroline Stautner im Namen aller Teilnehmer bei Martin Scheuerer für die äußerst informative Wanderung.

Zurück