Sind wir schon total verstrahlt?

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Über 90 % der Menschheit ist heute schon von Lichtverschmutzung betroffen, in Europa sind es bereits 99 % der Bevölkerung. Heute vertreibt überall künstliches Licht die Dunkelheit, nicht ohne Konsequenzen für die Gesundheit des Menschen.

Lichtverschmutzungskarte von Europa © Fabio Falchi et al.
Regionale Lichtverschmutzungskarte @ lightpollutionmap.info

Verlust des Tag-Nacht-Rhythmus

Seit Millionen von Jahren wird das Leben auf der Erde durch den Wechsel von Tag und Nacht geprägt. Die Beleuchtungsstärke - angegeben in Lux - ist der Umweltparameter, der innerhalb 24 Stunden am stärksten variiert: von 100.000 Lux bei direkter Sonneneinstrahlung bis 0,001 Lux bei klarem Sternenhimmel.

Der Mensch hat sich im Laufe der Evolution an den Tag als Aktivitätsphase und die Nacht als Ruhe- und Regenerationsphase mit seiner „inneren Uhr“ eingestellt. Für uns Menschen ist die Dunkelheit in der Nacht notwendig, um beispielsweise das Hormon Melatonin zu produzieren, welches schlaffördernd ist und für einen gesunden Schlaf sorgt. Die Produktion von Melatonin wird jedoch bei Lichteinwirkung unterdrückt, speziell bei Wellenlängen um 460 nm, also blauem Licht.

Wird der Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen durch künstliches Licht langfristig gestört, können körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sinken, Schlafstörungen, sowie Depressionen eintreten. Studien zeigen, dass das Risiko für Diabetes und bestimmte Krebsarten, wie Brustkrebs oder Prostatakrebs, durch künstliches Licht steigen kann.

Foto: Jorma Bork / pixelio.de

Problematische Blauanteile im Licht von Bildschirmen

Neue Kernspinuntersuchungen zeigen, dass durch blaues Licht verstärkt Hirnstrukturen angeregt werden, die für die Steuerung der Aufmerksamkeit, der Emotionsverarbeitung und des Gedächtnisses eine wichtige Rolle spielen. Einerseits offenbart sich, dass in mit blauem Speziallicht ausgestatteten Büroräumen die Konzentration, Stimmung und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter gefördert wird. Andererseits stört jedoch die wachheitssteigernde Wirkung von Blaulicht den Schlaf. Derjenige, der am Abend kaltweiße Leuchtquelle verwendet, wie Computer oder LED-Bildschirme, setzt nicht nur seine Nachtruhe aus Spiel, sondern auf Dauer auch seine Gesundheit.

Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de

Die verschiedenen Lichtquellen strahlen unterschiedliche Wellenlängen aus. LED-Lampen drücken besonders stark den nächtlichen Anstieg des Melantoninspiegels, der für einen gesunden Schlaf sorgen würde © oled-info.com