2004


Kaum zwei Kilometer vom Stadtzentrum Viechtachs entfernt, findet man weithin sichtbar das weiße Felsenriff des „Großen Pfahls“. Dieses hoch aufragende Quarzriff wurde bereits in alten Sagen, als der Kamm eines im Erdinnern ruhenden Drachen verklärt. Der „Große Pfahl“ führt heute als Geotop Nummer eins die Liste der 100 schönsten erdgeschichtlichen Erscheinungsformen Bayerns an. Ein neu angelegter Pfahl-Steig, der unmittelbar vom Stadtplatz zu dem Quarzriff führt, wurde letztes Wochenende eröffnet. Rund einhundert Naturliebhaber und Wanderer hatten sich zur Eröffnung eingefunden. Der Pfahl-Steig führt vom Stadtplatz in das wildromantische, ca. 1 km entfernte Riedbachtal. Alte, knorrige Eichenwälder und beschauliche Bachwiesen säumen hier den Weg. Um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten, wurde bei der Verwirklichung der Maßnahme auf eine Landschaft schonende Bauweise besonders Wert gelegt. Auf einem fast 150 m langen, hochwassersicheren Metallsteg konnten die Wanderer über einen renaturierten Altarm des Riedbaches spazieren. Bereits von weitem sieht man hier ein hoch aufragendes, burgartig anmutendes Gebäude, das Industriedenkmal „Sporer-Quetsch“. Erstaunt waren die Besucher über die vielen urtümlichen, aber großteils noch erhaltenen Maschinen und Gerätschaften. In der „Quetsch“ wurde das im Viechtacher Quarzbruch abgebaute Pfahlgestein zerkleinert, sortiert, gewaschen und für den Weitertransport vorbereitet. Vorbei an alten Weihern und neu angelegten, heckenreichen Streuobstwiesen gelangten die Naturliebhaber zum weißen Quarzriff des „Großen Pfahls“. Der Bau des Pfahl-Steiges ist eine Gemeinschaftsaktion der Stadt Viechtach und des Naturparks Bayerischer Wald e.V.. Projektleiter Heinrich Schmidt bedankte sich in seiner Eröffnungsrede beim städtischen Bauhof, der gemeinsam mit ABM-Kräften des Landkreises Regen, den schwierigsten Teil des Pfahl-Steiges gebaut hat: Auf dem hochwassersicheren Metallsteg können Wanderer trockenen Fußes über einen Altwasserarm des Riedbaches spazieren. Die Kosten für den 2 km langen „Pfahl-Steig“ betrugen insgesamt ca. 84.000 Euro. Das Umweltprojekt wurde mit ca. 41.000 Euro Zuschussmitteln über den Naturpark aus EU-Mitteln gefördert. Der „Pfahl-Steig“ ist die jüngste Errungenschaft in dem Projekt „Ökologisches Gesamtkonzept Bayerischer Pfahl“, das seit ca. 15 Jahren im Bereich der Stadt Viechtach umgesetzt wird. Mit dem Ankauf des ehemaligen Quarzsteinbruches und vieler wertvoller Wald- und Wiesenflächen konnte damit eine zusammenhängende Biotopverbundfläche von rund 45 ha geschaffen werden.


Der Naturpark Bayerischer Wald e.V. hatte im Rahmen seines Bildungsprogrammes zu einer Fledermausveranstaltung in die Naturpark-Infostelle Würzingerhaus in Außernzell eingeladen. Zahlreiche Erwachsene und viele Kinder waren dieser Einladung gefolgt. Referentin war die Diplombiologin Susanne Morgenrot, die seit über einem Jahrzehnt im Naturpark tätig ist. Zuvor war im Naturparkgebiet in punkto Fledermäuse sehr wenig bekannt. Mit den Arbeiten von Susanne Morgenrot wurde klar, dass von 19 in Bayern vorkommenden Fledermausarten 18 im Naturparkgebiet existieren. Fledermäuse sind über 50 Millionen Jahre alt und damit sehr viel älter als der Mensch. Leider sind die Bestände weltweit rückläufig. Heute findet man wegen der Umweltveränderungen, wegen dem Einsatz von Gift und Holzschutzmitteln nur noch etwa 10 bis 20 Prozent des ursprünglichen Bestandes vor. Auch die Unter-Schutz-Stellung hat so wenig gebracht. Wichtig ist stets die Aufklärung in breiten Bevölkerungskreisen. Gerade bei der Renovierung von Häusern werden viele Lebensmöglichkeiten oft unabsichtlich zerstört. Im benachbarten Tschechien wurde bisher weniger renoviert und die Bestände waren deshalb noch höher. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Sie orientieren sich mit Echoortung wie Delphine oder Wale. Die ausgesendeten Signale liegen allerdings über dem Hörbereich des Menschen. Beim Großen Abendsegler können beispielsweise Kinder, die noch besser hören oder auch Frauen, die hohe Tönen noch eher wahrnehmen können als Männer, die Rufe der dämmerungsaktiven Jäger wahrnehmen. Fledermäuse haben auch ein sehr gutes Gedächtnis. Sie orientieren sich, wenn ein Gebiet einmal mit Echoortung ausgekundschaftet ist, stark nach ihrem Erinnerungsvermögen. Die Echosignale sind normalerweise für Fledermäuse anstrengend, nur wenn es sein muss, greifen sie darauf zurück. Könnte man die Echoortung hören, wäre sie sehr laut. Die Lautstärken liegen im Dezibelbereich eines Presslufthammers. Fledermäuse leben gesellig in Wochenstuben. Die Weibchen ziehen dort gemeinsam ihre Jungen auf. Den Männchen ist der Zutritt verwehrt. Fledermäuse bringen stets nur ein Junges zur Welt. Die Jungen werden gesäugt und mit Milch aufgezogen. Ab dem zweiten Jahr sind die Jungen geschlechtsreif. Das Jahr 2004 brachte große Verluste, weil das Wetter ungünstig war. Etwa zwei bis drei Wochen zu spät begann die Insektenentwicklung, wegen des nasskalten Wetters. Die Jungen bekamen zu wenig Milch. Fledermäuse überwintern in größeren Höhlen. Selbst über Jahrhunderte hinweg werden traditionelle Winterquartiere genutzt. Der Mensch schafft aber in seinem Umfeld nur sehr kurzlebige Gegebenheiten. Fledermäuse können sich darum oft zu wenig anpassen. Gerade die Überwinterung ist komplex. Fledermäuse reduzieren ihren Herzschlag und die Atmung auf ein Mal je Minute. Ihre Körpertemperatur kühlen sie auf etwa 0 ° C. Jede Störung bedeutet eine Katastrophe. Die Höhlen sind deshalb wichtig, weil die hohe Luftfeuchtigkeit ein Austrocknen der Flughäute verhindert. Hohle Bäume und Nisthilfen dienen meist nur als Tagesversteck. Fledermäuse werden oft nur 5 bis 6 Gramm schwer, können aber Geschwindigkeiten bis 70 km/h erreichen. Oft gehen in klimatisch schlechten Jahren bis zu 80 Prozent der Jungen zu Grunde. Bei der anschließenden Exkursion durch Außernzell gab es noch Informationen zum Ausflug und zu den Verstecken. Im Außernzeller Kirchturm wohnen beispielsweise Große Hufeisennasen. Am Gewässer konnte man kurz einige Wasserfledermäuse hören. Fledermäuse kann man auch indirekt erkennen, wenn man in Dachböden abgebissene Flügel von Nachtfaltern oder Tagfaltern vorfindet oder auch den Fledermauskot. Dieser ist immer zusammendrückbar. Bei Mäusekot ist der alte Kot steinhart und der frische sehr weich. Wer Hinweise zu Fledermausquartieren geben kann, möge sich mit dem Naturpark 09922/802480 oder mit Susanne Morgenrot in Verbindung setzen 0175 730 40 55.


Am Mittwoch, den 04.08.04 laden die beiden Naturparke Bayerischer Wald e.V. und Oberer Bayerischer Wald e.V. zu einer weiteren Sonderveranstaltung im Arbergebiet ein. Im Verlauf einer ca. 1 stündigen Wanderung informiert Elke Ohland über Flora, Fauna, Geschichte und Geschichten rund um den Arbergipfel. Treffpunkt ist um 11:00 Uhr bei der Arberkapelle. Die Veranstaltung ist kostenlos, es ist keine Anmeldung erforderlich.


Am Mittwoch, den 11.08.04 laden die beiden Naturparke Bayerischer Wald e.V. und Oberer Bayerischer Wald e.V. zu einer weiteren Sonderveranstaltung im Arbergebiet ein. Im Verlauf einer ca. 1 stündigen Wanderung informiert Elke Ohland über die naturkundlichen Besonderheiten rund um den Großen Arbersee. Treffpunkt ist um 11:00 Uhr bei den Infotafeln am Großen Arbersee. Die Veranstaltung ist kostenlos, es ist keine Anmeldung erforderlich


Im Rahmen des Naturpark-Bildungsprogramms 2004 fand eine Besichtigung des Kreisobstlehrgartens Neukirchen im Landkreis Straubing-Bogen statt. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. begrüßte die Teilnehmer und den Kreisfachberater für Gartenbau Herrn Johann Niedernhuber vom Landratsamt, sowie den Imker Josef Attenberger. Johann Niedernhuber erläuterte zunächst die Geschichte des Kreisobstlehrgartens. Bereits im Jahr 1990 wurde dort mit 76 Bäumen begonnen. Die Kosten teilten sich zu einem Drittel der Kreisverband für Obst- und Gartenbau, die Gemeinde Neukirchen und die Direktion für die ländliche Entwicklung. Spenden gab es dazu vom Landkreis und von den Sparkassen. In den Jahren 1993 und 1995 wurde dann auf etwa 150 Obstbäume erweitert. Es kam als Funktionsgebäude ein alter „Troidkasten“ dazu, und das Areal wurde von einer Hecke eingerahmt. Der Kreisobstlehrgarten sollte beispielhaft bewirtschaft werden, ohne Spritzmittel auf naturnahe Art und Weise. Auch mineralische Dünger werden nicht eingesetzt, und ein Hauptziel besteht darin, alte Sorten, vor allem an Hochstämmen, zu erhalten. Weil viele „Hobbygartler“ wenig Platz in ihren Gärten haben und auch neue Sorten probieren wollen, wurde dann im Jahr 1998 ein Busch- und Beerengarten angelegt. Es entstand außerdem ein kleiner Biotopweiher, der auch zur Bewässerung verwendet werden kann. Der Kreisobstlehrgarten ist stets offen und allen zugänglich, es ist durchaus erwünscht, dass die Leute kommen, sich das Areal ansehen und auch Obst probieren, aber nicht mit Kisten anrücken und Bäume komplett abernten. Die Züchtung geht heute vielfach in Richtung „widerstandsfähige Sorten“. Diese sind aber leider oft nicht so schmackhaft wie alte Obstsorten. Im Kreisobstlehrgarten entstand dann in den Folgejahren auch ein kleiner Lehrpfad, der zusammen mit dem Naturpark ausgearbeitet wurde. Viele ehrenamtliche Helfer machen es erst möglich, dass das Areal gepflegt und zugänglich ist. Im Lauf des etwa einstündigen Rundganges gab es zahlreiche Tipps zu verschiedenen Sorten, zur Wühlmausbekämpfung, aber auch Infos bis hin zum Obstbaumborkenkäfer oder zum Bau haltbarer Staketenzäune aus Holz. Im zweiten Teil der Veranstaltung informierte der Imker Josef Attenberger im Lehrbienenstand, der auch unter Mitwirkung des Naturparks entstanden war. Dort ist Platz für 8 Bienenvölker. Etwa 200 – 300 Personen nehmen jährlich an Anfängerlehrgängen teil. Schulklassen werden dorthin gezielt eingeladen. Jeder Schüler erhält ein 30-Gramm-Probeglas. Man schätzt, dass der Nutzen durch die Bienen in der Kulturlandschaft sich etwa zu 80 Prozent positiv auf Landwirtschaft und Obstbau auswirkt und etwa 20 Prozent der Mühen eigentlich nur für den Imker. Honig ist sehr gesund, steht aber nur noch in sehr wenigen Familien auf dem Frühstückstisch. Die Erzeugnisse der Imker sind aber nicht nur Honig, sondern auch das von den Bienen fabrizierte Königinnenfutter, genannt „Gelée Royale“. Ein weiterer interessanter Stoff ist auch das „Propolis“, das von den Bienen in den Stock eingetragene Kittharz, gewonnen aus den Pflanzenknospen. Es dient als Baumaterial, wirkt aber auch antiseptisch und dient zum Herstellen von Tinkturen. Während es in Österreich frei verkäuflich ist, fällt es bei uns unter das Arzneimittelgesetz. Positive Wirkungen hat es beim Verdampfen, vor allem für Asthmatiker. Weitere Informationen gab es zur Körpersprache der Bienen und zur Lebensweise bzw. bis hin zur Lagerung des Honigs. Zum Schluss bedankte sich Hartwig Löfflmann bei den beiden Referenten und lud die Teilnehmer zu den weiteren Naturparkveranstaltungen ein.


Am Mittwoch, den 28.07.04 laden die beiden Naturparke Bayerischer Wald e.V. und Oberer Bayerischer Wald e.V. zu einer Sonderveranstaltung im Arbergebiet speziell für Familien ein. Im Verlauf dieser ca. 3 stündigen Veranstaltung sind viele Spiele eingeplant, so dass die Zeit im Nu vergeht und der Arbergipfel so ganz nebenbei erklommen wird. Begleitet wird die Wanderung von Elke Ohland (Arberbetreuerin, Naturpark Bayer. Wald). Treffpunkt ist um 10:00 Uhr am Brennesparkplatz. Wetterfeste Kleidung und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Bitte die Brotzeit nicht vergessen! Die Wanderung endet am Arbergipfel.


Am Mittwoch, den 21. Juli findet im Rahmen des diesjährigen Veranstaltungsprogrammes der Naturparke Oberer Bayerischer Wald und Bayerischer Wald wieder eine naturkundliche und geschichtliche Wanderung rund um den Kleinen Arbersee statt. Während des ca. einstündigen Rundgangs um den Kleinen Arbersee informiert Schutzgebietsbetreuerin Caroline Stautner über die Besonderheiten des Kleinen Arbersees und über Sagen und Geschichten die man sich im Arbergebiet erzählt. Treffpunkt ist um 11 Uhr an der Infotafel zur Glasgeschichte am Kleinen Arbersee. Dauer des Rundgangs etwa 1 Stunde. Es ist keine Anmeldung nötig.


Die diesjährige Botanik-Wanderung im Landkreis Deggendorf führte in die Marktgemeinde Metten im Landkreis Deggendorf. Der zum Kloster Metten gehörende Himmelberg mit dem alten, denkmalgeschützten Gebäude wurde als Exkursionsziel ausgesucht. Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. begrüßte den Referenten Gerhard Nagel und die interessierten Teilnehmer. Nagel erläuterte kurz einiges zur Geschichte des Gebäudes und zum gemischten Kiefern-Buchen-Eichenwald am Himmelberg. Dort wurde in früherer Zeit auch Weinbau betrieben. Auf den ärmeren Standorten und im Südwesten beim Hohenstein wachsen verkrüppelte Eichen. An manchen Stellen sind Fels- und Magerrasen erhalten geblieben. Es gibt auch einige Raritäten. Die Flockenkönigskerze wurde bisher in Niederbayern erst dreimal gefunden. Einen Neufund für den Landkreis Deggendorf stellt der Frühlingsehrenpreis dar. Die Bestimmung bestimmter Arten ist oft sehr aufwändig und kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Eine typische Auenpflanze stellt der Rübenkälberkropf, der bis zu 2,5 Meter hoch werden kann, dar. Er wurde häufig in Klostergärten als Speisepflanze angebaut. Hier fand man noch wenige Exemplare am Waldrand. Eine ganze Reihe von Arten konnte man im Laufe des etwa zweistündigen Rundgangs näher kennen lernen, und auch über ihre Verwendung bzw. über ihre medizinische Wirkung gab es Wissenswertes zu hören. Interessant war auch, dass es bei den Brombeeren sehr viele verschiedene Arten gibt, die nur von einigen Spezialisten sicher bestimmt werden können. Selbst „unwichtige Arten“ wie der Faulbaum haben eine sehr spezielle und wichtige Bedeutung: Auf diesem vermehrt sich beispielsweise der Zitronenfalter. Am Ende des kleinen Rundweges bedankte sich Bildungsreferent Hartwig Löfflmann beim Referenten Gerhard Nagel für seine fundierten Auskünfte.


An der Burgruine Weissenstein oberhalb der Kreisstadt Regen schimmert bereits von weitem ein eigentümlich anmutendes Felsenriff. Hier erscheint der „Pfahl“ als ein hoch aufragender und zugleich steil abfallender weiß gefärbter Quarzfelsenzug. Mit mehr als 750 m Meereshöhe erreicht der nahezu 150 km lange Pfahl bei den Burgmauern seinen höchsten Punkt. Nicht nur die mittelalterlichen Burgherren wussten den weitreichenden Aus- und Überblick vom heute restaurierten Burgturm aus zu schätzen. Auch Dichter wie der Romanautor Siegfried von Vegesack hatten in den alten Burganlagen ihre Bleibe. Der Schriftsteller schuf mit seinem Roman „Das fressende Haus“ dem ehemaligen Burgturm ein literarisches Denkmal. Heute ist dieses „fressende Haus“ nicht nur Dichtergedenkstätte, sondern auch ein Museum und künstlerischer Veranstaltungsort. Die Stadt Regen und der Naturpark Bayerische Wald e.V. haben einen Burglehrpfad mit dem Titel „Natur und Kultur am Pfahl“ errichtet. Der Pfahl bei der Burgruine Weissenstein war das Ziel einer Naturpark-Bildungsveranstaltung. Referent Matthias Rohrbacher wies die Teilnehmer auf eine Vielzahl von interessanten Tier- und Pflanzenarten hin, die auf dem Felsenriff des Pfahls ihren Lebensraum finden. Die nachtaktiven Fledermäuse „übertagen“ in den Rissen und Klüften des Pfahlgesteins. Dort bringen sie auch in so genannten Wochenstuben ihre Jungen zur Welt. Versteckt am Wegesrand oder auf ehemaligen „Pfahlheiden“ findet man einige eingewachsene Wacholder. Der von Weidetieren nicht verbissene Wacholder ist ein typischer Anzeiger dafür, dass viele Flächen im Umfeld des Pfahls früher beweidet wurden. Heute sind diese ehemaligen „Pfahlheiden“ zunehmend verbuscht oder aufgeforstet. Nicht nur der anmutige Wacholder, auch Vogelarten wie das stolze Birkhuhn verlieren damit ihren lichtreichen, sonnendurchfluteten Lebensraum. Pfahlriff und Burgmauern wuchsen im Laufe der Jahrzehnte regelrecht ein. Fels und Burg wurden in letzter Zeit immer wieder vorsichtig freigestellt sowie die angrenzenden Wälder aufgelichtet. Damit konnte nicht nur der pfahltypischen Tier- und Pflanzenwelt geholfen werden. Das einmalige Zusammenspiel von Burg und Pfahlfelsen kam somit wieder deutlicher in der Landschaft zum Vorschein. Die Tourist - Info Regen (Telefonnummer 09921 – 604 26) bietet regelmäßig Führungen in Weissenstein an. Natur- und Landschaftsführer Herbert Mundl, der diese einmalige Landschaft bereits seit seiner Jugend kennt, lädt dazu Einheimische und Urlauber zu interessanten Wanderung ein.


Bildungsreferent Hartwig Löfflmann vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. konnte zur Vorstellung der Bischofsreuter Waldhufen neben dem Referenten Robert Rossa vom Planungsbüro FNL etwa 25 interessierte Teilnehmer begrüßen. Bereits Mitte der 80er Jahre wurde im Rahmen der Biotopkartierung festgestellt, dass es im Raum Bischofsreut sehr viele anderweitig bereits ausgestorbene oder stark zurückgegangene Arten gibt. Es existiert ein breites Spektrum an Tieren und Pflanzen, man kann es gleichsam als „Arche Noah“ bezeichnen. Leider sind weit über 100 Arten als „Rote Liste Arten“ registriert. In anderen Landstrichen Bayerns sind diese Arten bereits verschwunden. Alle Verantwortlichen, darunter die Gemeinde, die Naturschutzbehörden aber auch der Naturpark haben hier seit Jahren mit großem Engagement und Einsatz staatlicher Fördermittel versucht, diese Bereiche als Kulturlandschaftsmuseum, kurz „KuLaMu“ zu erhalten. Wertvoll sind derartige Lebensräume nicht nur für die Tiere sondern auch für interessierte Touristen. Der Begriff der „Waldhufen“ stammt vom alten Flächenmaß „Hufen“. Der alte Flurname „Waldhufen“ beschreibt also eine Fläche die in den Wald hineinragte. Der Referent Robert Rossa erläuterte auf dem etwa zweistündigen Rundgang typische Wirtschaftsweisen früherer Jahre und belegte den Wandel in der Landschaft durch alte historische Fotos, die den Vergleich früher – heute zeigten. Hier sind auch noch Vorkommen des störungsempfindlichen Birkwildes. Durch Entstockung und Entfernung von Fichten bei gleichzeitigem Belassen von Birken will man diesen Zustand wieder herstellen. Die sehr genügsamen Island-Ponys helfen im Anschluss an die Rodung die Flächen durch Beweidung frei zu halten. Die Birken dienen dem Birkwild als Schlaf- und Nahrungsbäume, Birkenmoore sind sehr seltene Lebensräume. Auch einzelne Fichten werden entfernt, da sie dem Habicht als Versteck dienen und der Lebensraum so für die Birkhühner entwertet wird. Die Birkenmoore tragen interessante Moorpflanzen wie zum Beispiel Knabenkräuter aber auch fleischfressende Pflanzen wie Fettkraut und Sonnentau. Die Wiedervernässung der Moore geschieht durch Zumachen der Gräben mit Ästen und Schlagabraum. Es entstehen wertvolle Hochwasserrückhalteräume, die beispielsweise das Gewässereinzugssystem der Elbe vor Hochwässern mit schützen können. Das Gebiet liegt auf der europäische Wasserscheide. Der ganze Bayerische Wald wird zur Donau und zum Schwarzen Meer hin entwässert, der kleine Bereich bei Haidmühle jedoch über die Elbe zur Nordsee. Mit Naturschutzmaßnahmen kann man hier verhindern helfen, dass beispielsweise die Dresdner Oper unter Wasser steht, so Robert Rossa. Weil mit Maschinen diese Flächen nicht bewirtschaften werden können und teure Spezialgeräte, wie sie in Oberbayern eingesetzt werden, wegen des geringen Flächenumfangs nicht rentabel sind, werden viele Handarbeiten mit Landwirten, Maschinenringen aber auch Schülern und Gymnasiasten oder Ehrenamtlichen durchgeführt. Die Flächen müssen per Hand gemäht und das Mähgut aus den Flächen herausgetragen werden. Es hat sich auch der Verein zum Erhalt der Bischofsreuter Waldhufen gegründet. 15 bis 20 Leute arbeiten hier, um die Entbuschung von Flächen zu verhindern und eine Landschaft zu schaffen, die nicht nur den wilden Orchideen sondern auch vielen Schmetterlingsarten wie Hochmoorbläuling oder Perlmutterfalter dienen können. Im August gibt es auch für Feriengäste die Gelegenheit zur aktiven Landschaftspflege. Im Laufe des Rundganges kam man auch zur Gemeindeweide, hier wurden früher auf etwa sieben Hektar Fläche die Tiere morgens aufgetrieben und von einem Hirten beaufsichtigt. Diese typische Wacholderheide ist eine Rarität. Botaniker aus ganz Bayern kommen hier her. Das Vorkommen von Arnika, Silberdistel und Weisszüngel belegen den wertvollen Standort. Die Organisation der Landschaftspflege mit den Eigentümern ist manchmal schwierig. In diesem Fall wohnt die Eigentümerin in Hong Kong. Bis der Kontakt einmal hergestellt war, war es kompliziert. Seither darf jedoch ganz unbürokratisch die Fläche gepflegt und im Naturschutzsinne genutzt werden. Auch hier helfen die Island-Ponys bei der Beweidung nach der Beseitigung der Fichtenbestockung. Vorsichtig muss man stets mit Zitterpappeln sein. Wenn man sie umschneidet entsteht eine vielfältige Wurzelbrut. Besser ist das Ringeln der Bäume. Wenn sie abgestorben sind, gibt es keine Wurzelbrut mehr. Nähere Informationen findet man unter www.bischofsreut-waldhufen.de. Im Anschluss an den etwa zweistündigen Rundgang bot Bildungsreferent Hartwig Löfflmann den Teilnehmern noch diverse Informationsmaterialien zum Naturpark und zu Naturparkprojekten an und lud zu weiteren Veranstaltungen im Rahmen des Jahresbildungsprogramms.