Juli 2009


Als sich die Menschen Naturerscheinungen noch nicht wissenschaftlich erklären konnten, erfanden sie Geschichten, die sie z.B. abends am Lagerfeuer erzählten. Doch auch noch im von Massenmedien dominierten und wissenschaftsbetonten Zeitalter von heute faszinieren diese Sagen viele Menschen. Auf der Sagenwanderung vom Brennes über den Kleinen Arbersee zum Arbergipfel mit den beiden Arbergebietsbetreuerinnen Isabelle Auer und Caroline Stautner von den beiden Naturparken Bayerischer Wald und Oberer Bayerischer Wald, begleitet von Wanderführer Sepp Altmann aus Eschlkam, wurde diese sagenhafte Seite des Arbers kürzlich wieder lebendig. Am ersten Zwischenstopp, dem Kleinen Arbersee, erfuhren die fast 60 Exkursionsteilnehmer von den sagenhaften Gefahren, die vom Arbersee ausgehen könnten: Einst wurde ein Fischer, weil er gar zu gierig war, von den Fischen des Sees in die Tiefe gezogen und verspeist. Wirft man einen Stein in den See, so bricht innerhalb kürzerster Zeit ein heftiges Gewitter aus. Die wahre Geschichte, nach der Anfang der 90er Jahre ein Taucherteam im Kleinen Arbersee eine Handtasche mit 300 DM fand und mit Hilfe von beigelegten Kundenkarten die Besitzerin ausfindig machen konnte, zeigt, dass auch wahre Geschichten manchmal fast unglaublich sein können. Dass die Menschen auch vielen Pflanzen „sagenhafte“ Eigenschaften zuschrieben, erzählten die beiden Gebietsbetreuerinnen nach diesem ersten „sagenhaften Halt“ auf dem Weg zur sogenannten „Märchenwiese“: So galt die Pestwurz früher als Mittel gegen die Pest. Auch dem Siebenstern werden wegen seiner magischen Anzahl von sieben Blütenblättern Zauberkräfte nachgesagt. Bei der Überlieferung der Sagen spielten in früheren Jahrhunderten auch die Schachtenhirten eine wichtige Rolle: Beim abendlichen Lagerfeuer erzählten sie sich nicht nur diese Geschichten, sondern sie waren es, die auch neue „Arbergeschichten“ erfanden. Wie die Schachten entstanden sind, erklärte Isabelle Auer in Gestalt des Bauer Lorenz Ayden aus Klautzenbach. An der sogenannten „Märchenwiese“ begegneten die Wanderer einer Schmugglerin, gespielt von Caroline Stautner, auf ihrer Flucht vor den Grenzern. Am Arbergipfelplateau bildeten die Sage von der „Alten vom Arber“ und von den „Tränen des Arbers“ den Abschluss der diesjährigen Arbersagenwanderung.


Obwohl der Große Arbersee und seine Seewand nicht nur entstehungsgeschichtlich, sondern auch bei allen Besuchern des Großen Arbersees untrennbar miteinander verbunden sind, scheint es vielen doch, als würden hier zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinanderprallen: Auf der einen Seite der direkt an der Staatsstraße gelegene See, der jährlich von etwa einer halben Million Touristen und Einheimischen besucht wird. Auf der anderen Seite der „geheime Arber“, die steil aufragende Seewand, deren Urwald nur wenige Einheimische kennen. Arbergebietsbetreuerin Isabelle Auer vom Naturpark Bayerischer Wald wird alle Interessierten nächste Woche zweimal auf völlig unterschiedlichen Routen durchs Naturschutzgebiet und Naturwaldreservat „Großer Arbersee mit Seewand“ führen: Am Mittwoch, 08.07.09 steht der See im Mittelpunkt: Isabelle Auer wird dabei nicht nur auf die naturkundlichen Besonderheiten, die viele Seebesucher leider häufig übersehen, eingehen, sondern auch vieles über den neuen Bewohner des Großen Arbersees, den Biber, erzählen. Treffpunkt dieser 1,5-stündigen Führung rund um den Großen Arbersee ist um 11:00 Uhr vor der Gaststätte am Großen Arbersee. Am darauffolgenden Sonntag, 12.07.09 zeigt die Arbergebietsbetreuerin allen trittfesten Wanderern im Rahmen des bayernweiten Aktionsprogramms „Bayern Tour Natur“ den „geheimen Arber“, den Urwald in der Arberseewand. Treffpunkt der vierstündigen Führung vom Großen Arbersee durch die Arberseewand und die Windwurfflächen des Orkans Kyrill zum Arbergipfel ist wiederum vor der Gaststätte am Großen Arbersee, diesmal jedoch bereits um 10:00 Uhr. Bei beiden Führungen ist festes Schuhwerk erforderlich. Bitte bringen Sie zur Arberseewandführung eine kleine Brotzeit und ausreichend zu trinken mit.


Die Umweltstation Viechtach bietet eine praktische Fortbildung über die Ökologie und Pflege alter Streuobstbestände an. „Alte Streuobstbäume schützen und nützen“ lautet der Titel der Veranstaltung, die vom Kreis- und Ortsverband für Gartenbau und Landschaftspflege sowie dem Naturpark Bayerischer Wald angeboten wird. Dabei kann man umfassende Informationen zu diesem Thema und praktische Tipps zum Sommerschnitt an Bäumen erhalten. Referent ist Kreisfachberater Klaus Eder vom Landratsamt Regen. Treffpunkt ist am Freitag, den 10. Juli um 16:00 Uhr am Schaubienenstand beim Großen Pfahl unterhalb der Straße von Viechtach nach Tresdorf. Alle Interessierten sind zu dieser kostenlosen, ca. zweistündigen Veranstaltung herzlich eingeladen. Pfleglich genutzte Streuobstwiesen mit altem Baumbestand bereichern nicht nur das Landschaftsbild, sondern sind auch wertvolle Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten. Durch richtige Pflege und Nutzung können die alten Baumbestände länger erhalten werden und liefern auch Obst für unterschiedlichste Verwendung.