Von Extremisten und Überlebenskünstlern

Als einzige Erhebung im Bayerischen Wald erreicht der Große Arber die klimatische Baumgrenze. In unmittelbarer Gipfelnähe treffen wir auf Pflanzenarten und Vegetationsformen, die für die subalpine Florenregion typisch sind. Ein Vergleich mit anderen markanten Berggipfeln des ostbayerischen Waldgebirges zeigt, dass das Pflanzenkleid des Arbergipfels für den Bayerischen Wald einzigartig ist. Auf keinem anderen Berg des Bayerischen Waldes finden sich so viele Pflanzenarten, deren Hauptverbreitungsgebiete normalerweise die Alpen sind.

Ungarischer Enzian/Gentiana pannonicaDreispaltige Binse/Juncus trifidus ssp. trifidusMit zu den auffälligsten und schönsten Pflanzen des Arbergipfels zählt der bis zu 50 cm groß werdende Ungarische Enzian (Gentiana pannonica). Seine blau-violetten Blütenstände sind dort typische Begleiter subalpiner Borstgrasrasen. Im Gegensatz zu vielen anderen Arten ist er am Arber ungefährdet und breitet sich am Arbergipfel derzeit sogar leicht aus. Auch das in Felsspalten wachsende Felsstraußgras (Agrostis rupestris) gehört zu den bemerkenswerten Pflanzen des Arbergipfels. Es ist in Bayern außerhalb der Alpen nur am Arber zu finden.
Ein eiszeitliches Relikt ist die Dreiblatt-Binse (Juncus trifidus ssp. trifidus). Weitere arktisch-alpische Florenelemente am Arber sind der seltene Alpenflachbärlapp (Diphasium alpinum) oder der vom Aussterben bedrohte Weißzüngel (Leucorchis albida). Eine botanische Kostbarkeit am Gipfel stellt der Krause Rollfarn (Cryptogramma crispa) dar, beherbergt der Große Arber doch das bundesweit größte Vorkommen von dieser äußerst seltenen Farnpflanze.

Die vielgestaltigen Felsköpfe, auch Riegel genannt, und Blockhalden verleihen der Arbergipfelregion ihr markantes Gepräge. Hier findet sich der Felsstraußgras-Dreiblattsimsen-Felsrasen, ein Vegetationstyp, der außerhalb der Alpen nur am Großen Arber vorkommt.

Krähenbeere/Empetrum NigrumMit Latschen bewachsener FelsriegelIm Blockmeer am oberen Arbernordhang und im östlichen Umfeld des Großen Seeriegels wachsen ausgedehnte Latschenbuschwälder. Auf dieser Höhenstufe liegt die Kampfzone des Waldes. Nur der Latsche (Pinus mugo ssp. Mugo) mit ihrem niedrigen Wuchs und vereinzelt auch der Vogelbeere gelingt es hier noch zu wachsen.

Eingestreut in das Latschengebüsch findet sich hier ein weiterer Vertreter der Alpenregion - die Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum), ein unscheinbarer Zwergstrauch, der in seinem außeralpischen Verbreitungsgebiet als stark gefährdet gilt.