Siedlungsspuren
im menschenleeren Nordwald"Eremus Nortwalt", menschenleerer Nordwald, wird
das bayerisch-böhmische Waldgebirge in einer Urkunde des
Klosters Metten aus dem Jahr 853 genannt. Die Bezeichnung der
Mönche ist irrig: Funde von mittel- und jungsteinzeitlichen
Steinwerkzeugen um Cham, Kötzting, Viechtach, aus dem Wottawatal
und dem Mühlviertel beweisen, dass sich bereits vor 5000
bis 10000 Jahren Menschen in den Randbereichen des Gebirges aufhielten.
Von Jägern und Fischern begangene Pfade folgten den Flusstälern
des Bayerischen Waldes und umava. Die ersten Viehzüchter
und Weidebauern ließen sich in der Bronzezeit (1800-800
v. Chr.) im Regental nieder.
Seit
der jüngeren Eisenzeit (800 bis 500 v. Chr.) wurde das Eisenerz
des Mittelgebirges ausgebeutet.
Um 500 v. Chr. machten sich in den Randgebieten Südböhmen
und Oberösterreich die Kelten bemerkbar. Der keltische Stamm
der Boier zog von Bayern her über die Cham-Further Senke
und gab Böhmen (Boiohaemum Celticum) den Namen. Eine Reihe
von Wallburgen und Hügelgräbern beweisen die Existenz
einer keltisierten Altbevölkerung in der Oberpfalz, dem Bayerischen
Wald, dem Mühlviertel und Böhmen. Die Kelten gewannen
und verarbeiteten Silber, Gold [11],
Eisen und Graphit [13] im Waldgebirge.
Das bezeugen Gefäßscherbenfunde aus Graphitton. Ein
Kranz keltischer Höhenbefestigungen, sog. "Oppida"
umgab das Mittelgebirge. Auf böhmischer Seite waren solche
Festungen in der Nähe von Bergreichenstein, Winterberg und
Krummau zu finden.
Aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt fehlen Bodenfunde
und die früheste Urkunde stammt aus dem 8. Jahrhundert. Dass
der Wald trotzdem nicht menschenleer war, gilt mittlerweile als
gesichert. Mehrere Pfade und Steige [08]
durchzogen als Leitlinien des frühen Handels zwischen Böhmen
und Bayern das Waldgebirge.




Im Jahr 1011 gründete der
Hl. Gunther [63] das Kloster Rinchnach,
eine Probstei des Klosters Niederaltaich und leitete die Rodung
und Besiedelung der Gegend um Kirchberg und Kirchdorf ein. In
dieser zweiten Rodungsperiode im 11. und 12. Jahrhundert übernahmen
vor allem die Grafen von Bogen [63]
mit ihren Ministerialen die weitere Erschließung. Dabei
verraten Ortsnamen [62], dass sich
deren Aktivitäten u.a. auf den Falkensteiner Vorwald konzentrierten.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts waren die Vorwaldbereiche mit
Ausnahme der Hochlagen über 700 m sowie die Regensenke weitgehend
von einem mehr oder weniger dichten Siedlungsnetz überzogen.
Der Untere Bayerischen Wald wurde ausgehend von dem Kloster Niedernburg
in Passau erschlossen. Der Name "Abteiland" ist auch
heute noch für den geschlossenen grundherrschaftlichen Bereich
des Klosters zwischen den Flüssen Donau, Ilz und Rodl und
dem Grenzkamm gebräuchlich. Der Einflussbereich Passauer
Adelsherrschaften und geistlicher Grundherrschaften reichte weit
in das heutige Mühlviertel hinein. Dort waren das 1198 gegründete
Stift Schlägl und die südböhmischen Herren von
Rosenberg, die aus dem Geschlecht der Witigonen stammten, maßgeblich
am Landausbau beteiligt.






Im 14. Jahrhundert tauchten erstmals
königliche Grenzwächter im Kammbereich des Waldgebietes
auf. Wenige Kilometer hinter der deutsch-böhmischen Grenze
bei Eisenstein und rund um Eisenstraß und Seewiesen begann
ihr Gebiet, das acht Gerichte umfasste: St. Katharina, Hammern,
Eisenstraß, Seewiesen, Haidl, Kochet, Stadln und Stachau.
Die Künischen waren dem König oder Kaiser untertan,
erschlossen dessen ungerodeten Wald und verteidigten im Fall einer
Auseinandersetzung zwischen den Grafen von Bogen und den Premislyden
den Landstreifen im Bereich der acht Gerichte.
Der Name "Künische" leitete sich von der Bezeichnung
"die Königlichen" ab. Seit Beginn der Besiedelung
waren die Künischen als freie Bauern mit einer Reihe von
Privilegien (z.B. freie Gerichtsbarkeit) ausgestattet, die sie
in dem Leitspruch "Niemands Herr und niemands Knecht,
das ist künisch Bauernrecht!" ausdrückten.
Die Glockentürme auf den Dächern ihrer Bauernhäuser
symbolisierten diese Sonderrechte. Sie waren unabhängig von
der Grundobrigkeit, die in anderen Gegenden Heirat und Berufswahl
ihrer Untertanen bestimmte. Mit der gesetzlichen Aufhebung der
Grunduntertänigkeit in den österreichischen Ländern
im Jahr 1848 verloren die Künischen ihre Privilegien. Wann
die Freibauern das Gebiet am Fuße des Ossers zu besiedeln
begannen, ist bis heute ungeklärt. Nach Spekulationen von
Volkskundlern und Historikern sollen sie bereits im 11. Jahrhundert
mit der Verteidigung der Grenze betraut worden sein. Im Jahr 1617
wurden die acht Gerichte erstmals urkundlich erwähnt. Zu
dieser Zeit sollen etwa 2500 Menschen im Künischen gewohnt
haben. Aufgrund der Familiennamen der Künischen Freibauern
läßt sich deren Herkunft vage bestimmen: Sie stammten
aus Niederbayern, der Oberpfalz, aus dem Schwäbischen und
dem Schwarzwald sowie aus dem Waldviertel in Oberösterreich.




Der Bayerische Wald und der umava waren stets ein großes
Hindernis zwischen Bayern und Böhmen. Dennoch querten seit
der Steinzeit [01] Pfade und Saumwege
über das Gebirge. Vom 6. Jahrhundert an wurde der Baier-
oder Boierweg von den Merowingern begangen.
Er
führte von Deggendorf über die Rusel vorbei an Weißenstein
nach Zwiesel und weiter über Spiegelhütte nach Hartmanitz
und Schüttenhofen in Böhmen. Dobra Voda (Gutwasser)
bei Hartmanitz liegt am Ende des 1029 erstmals erwähnten
Gunthersteiges. Er führte von Niederaltaich über Rohrstetten,
Hangleithen, Sommerberg und Bärnzell nach Zwiesel, wo er
in den alten Boierweg einmündete. Über den Gunthersteig
unterhielt das Kloster Niederaltaich, das Sudpfannen in Reichenhall
besaß, wirtschaftliche Beziehungen mit dem salzlosen Böhmen.
Der Steig zeichnet auch das linienhafte Vordringen der Besiedelung
[03] [09] [46]
[48] [58] nach.
Im Jahr 1088 wird ein Handelsweg von
Passau nach Prachatitz urkundlich erwähnt, der heute unter
dem Namen "Goldener Steig" [51]
[58] bekannt ist. Im 14. Jahrhundert entwickelte
sich mit weiteren Abzweigungen nach Winterberg und Bergreichenstein
ein System von Saumwegen, das vor allem dem Salzhandel mit Böhmen
diente. Als Gegenhandelsgüter wurden aus dem salzlosen Böhmen
landwirtschaftliche Überschußprodukte wie Getreide,
Schmalz und Hopfen, aber auch Glaswaren nach Bayern eingeführt.
Die Blütezeit des Saumhandels am Goldenen Steig fällt
in das 16. Jahrhundert. Auf dem Weg nach Prachatitz verkehrten
wöchentlich bis zu 1200 Saumpferde. Als 1526 den Habsburgern
die Länder der böhmischen Krone zufielen, endeten diese
goldenen Zeiten abrupt. Die Habsburger setzten nach dem Dreißigjährigen
Krieg ihr Salzmonopol in Böhmen und Mähren durch und
versorgten Böhmen nunmehr mit Halleiner statt mit Reichenhaller
Salz . Aus den einst geschäftigen Saumwegen wurden bedeutungslose
Wald- und Feldwege. Auch durch das Mühlviertel führten
alte Salzstraßen nach Böhmen.
Waldhufendörfer,
Holzfällersiedlungen und KleinstädteUm 1600 entstanden im Hohen Bayerischen Wald mit Leopoldsreut, Herzogsreut und Schwendreut die ersten Waldhufendörfer [51], die als Etappensiedlungen an den Ästen des Goldenen Steiges gelegen waren. Das böhmische Pendant bildeten Böhmisch-Röhren und Kuschwarda, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts gegründet wurden. Der ehemals breite Grenzsaum des Nordwaldes hatte sich zu dieser Zeit bereits so verengt, dass eine exakte Festlegung der Grenzlinie erforderlich war. Die grenznahen Wälder im umava wurden genau wie das Passauer Abteiland erst im 18. Jahrhundert besiedelt. Im Vordergrund stand dabei die Waldnutzung [12] [14] [25] [59]. Die Orte Fürstenhut, Philippshütten, Mader und Althütte im umava gehen auf Siedlungen von Holzfällern zurück.
Heute
ist im Bayerischen Wald, im umava und im Mühlviertel
das Zeitalter der Rodung, d.h. der flächenmäßigen
Ausdehnung der Siedlung und der landwirtschaftlich genutzten Flächen
längst abgeschlossen. Viele Orte sind seit der Mitte des
19. Jahrhunderts nicht mehr gewachsen. Die gegenwärtige Siedlungsstruktur
ist mit durchschnittlichen Bevölkerungsdichten von etwa 40
EW/km² (umava), 60 EW/km² (Mühlviertel) und
80 EW/km² (Bayerischer Wald) als ländlich zu bezeichnen.
Zu den größten Städten gehören Zwiesel mit
etwa 10.500 Einwohnern, Prachatitz mit knapp 12.000 Einwohnern
und Freistadt im Mühlviertel mit 7.000 Einwohnern. Einzig
Grafenau wurde bereits 1376 zur Stadt erhoben, während alle
anderen Orte erst im 20. Jahrhundert das Stadtrecht erlangten:
Zwiesel wurde im Jahr 1904 zur Stadt, Regen im Jahr 1932, Kötzting,
Viechtach und Freyung im Jahr 1951.
Auf
tschechischer Seite veränderte die Vertreibung der deutschen
Bevölkerung nach 1945 [40] [45] [49] [57]
das Bild der Kulturlandschaft grundlegend. Viele Dörfer im
Sperrgebiet [32] [48]
verfielen oder wurden zerstört, Neusiedler aus allen Teilen
der Tschechoslowakei kamen in den umava und die Landwirtschaft
wurde in Großbetrieben kollektiviert. Bis zur Öffnung
der Grenzen im Jahr 1989 war die Region als "Grenzzone"
stark abgewertet. Heute wird das Waldgebirge als "Raum für
die Zukunft" und "europäische ökologische
Modellregion" bewertet.
An den Bächen des Bayerischen
Waldes und des umava wurde bereits zwischen 2500 und 2000
v.Chr. Gold gewaschen: Von der Bronzezeit über die Zeit der
Kelten bis ins Mittelalter und die Renaissance wurde Gold intensiv
abgebaut und verarbeitet. Im 12. Jahrhundert entwickelte sich
der Goldbergbau in Bergreichenstein, im umava. Zwischen
600 und 1200 Bergmänner arbeiteten in rund 40 Goldminen.
Das goldhaltige Quarz wurde in ca. 300 Mühlen zerkleinert.
Im 14. Jahrhundert erlebte Bergreichenstein eine Blütezeit.
Böhmisches und bayerisches Gold war vielerorts Grundstoff
für kostbare Reliquien, Pokale und Münzen. Als Symbol
für Heiligkeit und Macht war Gold eine begehrte Ware. In
der "Goldenen Stadt" Prag wurde es verkauft, um die
Reise über Italien nach Indien und China zu finanzieren.
In Regensburg zeugt der "Goldene Turm" noch heute vom
Reichtum der Kaufleute, die an diesem Handel verdienten.
(Bilder zum Goldwaschen in Böhmen)
Seit dem 16. Jahrhundert verringerte sich der Ertrag der Bergreichensteiner
Gruben. Trotzdem lagern dort nach Expertenschätzungen noch
immer rund 30 Tonnen Gold, deren Abbau an die 350 Mio. Dollar
einbringen würde. Im Jahr 1994 bekundete die kanadische Firma
TVX Gold Inc. Interesse an der Erschließung dieser Vorräte,
stieß sie mit ihren Plänen aber auf heftigen Widerstand
in der Bevölkerung. Die Bürgerinitiative "umava
nad zlato" - "umava ist mehr als Gold" mit
bis heute rund 1300 Mitgliedern konnte die Goldgewinnung erfolgreich
verhindern. TVX hatte täglich 2000 bis 3000 t Gestein (=
etwa 250 Lkw-Ladungen) und damit ca. 20 kg Gold fördern wollen.
Im Laufe von ungefähr sechs Jahren wären 500 Meter vor
der Stadtgrenze Bergreichensteins sechs durch eine 50 Meter hohe
Staumauer abgeriegelte Bachtäler mit dem kontaminierten Abraum
verfüllt worden. Die gefährliche, auf Cyanidlaugung
basierende Goldgewinnung hätte unwiderruflich die Landschaft
zerstört. Im Jahr 1998 hatten deutsche und tschechische Umweltschützer
bereits über 60.000 Unterschriften gegen den Goldbergbau
gesammelt.
Bürgerinitiative gegen Goldbergbau in Bergreichenstein
Der
Bayerische Wald und der umava blicken auf eine 600-jährige
Glasgeschichte zurück. Das Glasgewerbe gehört zu den
ältesten Erwerbsformen des Waldlandes. Glashütten wurden
seit dem 14. Jahrhundert auf böhmischer, später auf
bayerischer und österreichischer Seite errichtet. Böhmische
Glasmacher [58] wanderten aus dem Gebiet
um Winterberg nach Bayern ein und gründeten die ersten Glashütten
in Rabenstein (1421) und Frauenau (1420).
Der Wald bot ideale Voraussetzungen für die Entwicklung dieses
Industriezweiges, denn er lieferte die wichtigsten Rohstoffe Holz
[14] und Quarz [13]
in Hülle und Fülle. Holzpottasche als für die Schmelze
notwendiges Flußmittel wurde von sogenannten "Aschenbrennern"
gebrannt. Der Quarz für die Glasmasse - auch "Kies"
genannt - wurde entweder im Wald gesammelt oder in Steinbrüchen
abgebaut. Lediglich Kalk und Ton für die Herstellung der
feuerfesten Schmelzhäfen mussten aus Schwandorf, Kelheim
oder der Gegend zwischen Schüttenhofen und Horaschdowitz
bezogen werden.
Zur
Feuerung der Glasöfen wurde ebenfalls Holz benötigt.
In der Poschinger-Hütte in Frauenau wurden allein im Jahr
1761 585 Klafter Holz im Glasofen verheizt und 1300 Klafter zu
Pottasche verbrannt. Das Gewichtsverhältnis des Fertigproduktes
Pottasche zum Holzeinsatz entsprach einer Relation von 1:2000.
Es ist wenig erstaunlich, dass sich bereits im 18. Jahrhundert
die Versorgung der Glashütten mit Pottasche infolge von Holzmangel
als schwierig herausstellte. Das Aschebrennen in den Wäldern
wurde zu dieser Zeit verboten, so dass Pottasche aus anderen Regionen,
Ungarn etwa, zugekauft werden musste. Hatte eine Glashütte
den Holzvorrat in ihrer Umgebung verbraucht, wurde sie an eine
andere Stelle in den Wald verlegt. Solche Umsiedelungen fanden
je nach Holzreichtum in Abständen von 25 bis 70 Jahren statt.
Ortsnamen [64] wie "Althütte",
"Neuhütte", "Oberhütte" oder "Unterhütte"
belegen diesen Prozess. Dass über Jahrhunderte hinweg unbeschränkt
Raubbau am Wald betrieben werden konnte, erklärt sich aus
den fehlenden Transportmöglichkeiten für diesen Rohstoff.
Bis zum Bau von Kanälen zur Holztrift [25]
war Holz fast wertlos, was folgendes Beispiel belegt. Im Jahre
1617 musste die Gerlhütte (Seewiesen) nur 7 Groschen an Hütten-
und Waldzins entrichten, aber 30 Groschen für die Pacht eines
Fischwassers aufbringen. Den einzigen wirtschaftlichen Nutzen,
den die Waldbesitzer aus ihren riesigen Beständen ziehen
konnten, waren Zinsleistungen von Glashütten.
Die Phase der wandernden "Waldglashütten"
reicht bis ins 16. Jahrhundert. Bis dahin stellten die Glasmacher
hauptsächlich Spiegelglas, Butzenscheiben und "Patterl"
genannte Rosenkranzenperlen her, die allerdings nicht mit venezianischem
Glas konkurrieren konnten. Das änderte sich erst, als gegen
Ende des 17. Jahrhunderts das "Böhmische Kristall",
ein kristallklares Kreideglas, erfunden wurde. Für die bayerischen
und vor allem böhmischen Glashütten brach damit eine
Blütezeit an. Glasmacherfamilien wie die von Poschinger,
die Hafenbrädl, Abele oder Gerl entwickelten sich zu regelrechten
Dynastien.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstanden
im umava fast 40 neue Glashütten. Gleichzeitig stieg
der Bedarf an Holz, das zu einem wertvollen und teuren Gut wurde.
Der Holzverkauf versprach den Waldbesitzern bald wesentlich höhere
Einnahmen als die Zinseinkünfte aus den Glashütten.
Fürst Schwarzenberg ließ als größter Waldbesitzer
im Böhmerwald seine Ländereien zwischen Bergreichenstein
und Oberplan mit dem Bau des Schwarzenberg-Schwemmkanals
[15] für die Holztrift erschließen.
So geriet die Glasindustrie durch die steigenden Holzpreise und
die Konkurrenz der aufkommenden Holzwirtschaft. Anfang des 19.
Jahrhunderts in eine heftige Krise, die sie aber bald überwand.
Die schwer zu beschaffende Pottasche wurde durch Soda, Glaubersalz
und chemische Stoffe ersetzt. Mit dem Ausbau des Schienennetzes
[19] im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts
konnte hochwertiger Quarzsand aus der Lausitz, aus Holland oder
Belgien eingeführt werden. Um 1880 stellten die meisten Hütten
ihre Öfen auf Kohlefeuerung um. Die Eisenbahn brachte Steinkohle
aus Pilsen und Braunkohle aus dem nordböhmischen Revier in
das Waldgebiet. Die einst feste Bindung an die örtlichen
Rohstoffe lockerte sich. Die Glashütten waren unabhängig
von ihrem Standort geworden, verließen die tiefen Waldgebiete
und siedelten sich an den Eisenbahnlinien an.
Durch die veränderten Standortbedingungen
und die rasante technische Entwicklung der Glasherstellung fiel
die ungünstige Verkehrs- und Marktlage des Bayerischen Walds
und des umava zunehmend ins Gewicht. Während die Hohlglasproduktion
(Kelchgläser, Zier-, Kunstglas) bis nach dem Zweiten Weltkrieg
von jeglicher Mechanisierung verschont blieb, musste sich die
automatisierte Flachglasmassenproduktion (Spiegelglas) sukzessive
neue, rentable Standorte außerhalb des Waldgebirges suchen.
Die letzten Flachglashütten im Bayerischen Wald stellten
den Betrieb vor dem Zweiten Weltkrieges ein. Für die traditionelle
Hohlglasproduktion spielten die steigenden Produktionskosten kaum
eine Rolle. Das handwerkliche Geschick der Glasbläser, die
Vielfalt ihrer hochwertigen Produkte und die vergleichsweise geringen
Lohnkosten kompensierten die nachteilige Verkehrslage.
Im umava ist dagegen von sechs Jahrhunderten Glasgeschichte
wenig übriggeblieben. Die Tradition von über 100 Glashütten
und zahlreichen Veredelungsbetrieben hat allein in der Glashütte
Eleonorenhain, der Firma Okula in Neuern und den Glasschleifereien
in Adolph und Annathal überlebt. Gegenwärtig arbeiten
nur noch die Betriebe in Annathal und Neuern und das im Herbst
1997 gegründete Zweigwerk der bekannten Schott-Zwiesel Glaswerke
AG in Husinec bei Prachatice. Im Oberen Mühlviertel stellte
die letzte Glashütte (Sonnenwald) ihren Betrieb zur Jahrhundertwende
ein.
Neben dem Glasgewerbe [12] entwickelte
sich an einigen Orten im Bayerischen Wald der Bergbau. Mitte des
16. Jahrhunderts waren Eisenstein, Bodenmais und Lam Bergbausiedlungen.
Bodenmais und Lam wurden 1522 sogar zu gefreiten Bergbaustädten
erhoben. Der Eisenerzabbau bei Eisenstein erlosch bereit im 16.
Jahrhundert. In Bodenmais wurde dagegen noch bis zur Mitte des
20. Jahrhunderts Schwefelkies und Silber gewonnen und Polierrot
(Poliermittel für die Spiegelglasschleiferei) erzeugt. Erst
1962 wurde der Hüttenbetrieb völlig eingestellt. Der
955 Meter hohe Silberberg, in dem bis heute etwa 60 verschiedene
Mineralien zu finden sind, gilt mit seinen Abraumhalden als Wahrzeichen
von Bodenmais.
Auch im umava wurden einige kleinere Eisenwerke und Hochöfen
betrieben. Charakteristisch waren Hammerwerke wie in Bergreichenstein
und Außergefild. Bis in die Nachkriegszeit wurden dort Heugabeln,
Pflugscharen, Hacken oder Spaten hergestellt. Zu den wichtigsten
Bodenschätzen im Waldgebirge gehört Graphit [01](reiner kristallisierter Kohlenstoff). Bei
Kropfmühl/Pfaffenreuth im südöstlichen Bayerischen
Wald liegt das größte Graphitvorkommen Deutschlands.
Das ist seit 1730 bekannt, doch die Erschließung mit modernen
Bergbaumethoden konnte erst um 1900 beginnen. Die Graphitwerke
Kropfmühl AG gehört heute zu den wichtigsten Graphitproduzenten
der Welt.
In den Steinbrüchen bei Hauzenberg wird feinkörniger
Granit abgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Menschen
Arbeit in den Steinbrüchen. Auch im Mühlviertel entwickelte
sich aus dem bäuerlichen Nebenerwerb eine bodenständige
Granitindustrie, die sich heute durch Billigimporte aus dem Ausland,
wie etwa Pflastersteine aus Portugal, bedroht sieht.

Eine Holzindustrie
im eigentlichen Sinn entstand im Bayerischen Wald und im umava
erst im 19. Jahrhundert. Zwischen 1800 und 1850 wurde die Forstwirtschaft
des Bayerischen Waldes nach der Phase des wilden Raubbaus (Glasindustrie)
in geordnete Bahnen gelenkt und von den neu errichteten staatlichen
Forstämtern organisiert. Zwischen 1835 und 1871 wurden um
Zwiesel und Regen 57 neue Sägewerke gebaut. In Verbindung
mit den großen Windwürfen und den sich anschließenden
Borkenkäferplagen in den Jahren 1868 und 1870, die im Gebiet
zwischen Dreisessel und Cerchov einen enormen Arbeitskräftebedarf
zur Aufarbeitung des Holzes erforderte, erlebte die Holzverarbeitung
einen enormen Aufschwung ("Der goldene Käfer").
Scharen von Waldarbeitern, im Volksmund "Holzhauer"
genannt, konnten beschäftigt werden. Im umava wurden
Fachschulen für Holzbearbeitung in Bergreichenstein (1878)
und Wallern (1873) gegründet. In Stubenbach arbeite eine
Schnitzerwerkstatt mit zugehöriger Schule. Für den Holztransport
wurden im Winter Schlitten, Ochsen- und Pferdegespanne und im
Sommer auch Flussläufe benutzt ( siehe Holztrift [25]).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägten zahllose
neu entstandene Holzwaren-, Möbel- und Papierfabriken die
Wirtschaftsstruktur des Bayerischen Waldes. Die ältesten
Papierfabriken im umava stammen aus dem 17. Jahrhundert
(Liedlhöfen bei Bergreichenstein und Horaschdowitz). Weitere
Papierfabriken entstanden bis ins 19. Jahrhundert hinein entlang
der Wottawa, zwischen Bergreichenstein und Schüttenhofen
(Kundratitz, Hartmanitz, Schröbersdorf, Watetitz, u.a.).
Die bekannteste Fabrik befand sich in Stubenbach, wo bis zu einem
Großbrand im Jahre 1933 handgeschöpftes Papier erzeugt
wurde. Die älteste Papierfabrik im Bayerischen Wald wurde
1881 in Teisnach gegründet.
Die
Holzwirtschaft spielt als Wirtschaftsfaktor im Bayerischen Wald
heute keine Rolle mehr. Der Wappenspruch der Stadt Zwiesel "Zwiesels
Stolz, gut Glas und Holz" kann nur noch historische Geltung
für sich beanspruchen. Im umava dagegen finden sich
bedeutende Betriebe zur Holzverarbeitung in Wallern, Prachatitz,
Bergreichenstein, Langendorf und Schüttenhofen.
Die steinigen, nährstoffarmen
Böden im Waldgebirge waren nur mühsam zu bewirtschaften.
Roggen, Hafer und Kartoffeln, - letztere verbreiteten sich im
Waldgebirge erst um 1830 - wurden in den abgeschiedenen Dörfern
und in Höhenlagen von bis zu 1100 Metern ausschließlich
zur Selbstversorgung angebaut. Wenn die Landwirtschaft im Winter
zwangsläufig ruhte, gingen die Bauernfamilien Beschäftigungen
in der Hausindustrie [17] nach. Bis
weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein galt
der Bauernwald als wirtschaftlicher Rückhalt für die
benachteiligten Landwirtschaftsbetriebe. Zwischen fünf und
sieben Hektar Wald entfielen im Durchschnitt auf einen Betrieb.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich
die Landwirtschaft mit dem Niedergang der traditionellen Glasindustrie
und des Bergbaus im umava zur Haupteinnahmequelle. Noch
in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts betrug der Anteil
der in der Landwirtschaft Beschäftigten im Bayerischen Wald
rund 60% während sich der bayerische Durchschnitt um 40%
bewegte.
Die
Viehzucht (Schlachtvieh, Zugochsen) war ein wichtiger Erwerbszweig
für die bäuerliche Bevölkerung. Am Ende des 18.
Jahrhunderts galt der umava mit seinem Vorgebirge als größter
Fleischlieferant Böhmens. Im 19. Jahrhundert war der Bayerische
Wald in ganz Bayern bekannt für seinen Viehumschlag. Die
größten Viehmärkte befanden sich in Cham, Viechtach
und Waldkirchen. Erst in der Nachkriegszeit stellten die Bauern
ihre Betriebe von der Zugochsenaufzucht auf die Milchviehzucht
um. Damit wurden die Waldweidegebiete in den Hochlagen, die sogenannten
"Schachten", bedeutungslos.
Typisch für die Schachten sind
die primitiven Hütten für die Viehhüter und vereinzelte
Unterstandsbäume, unter denen sich die bis zu 300 Stück
zählenden "Waldstierherden" nachts sammelten. Diese
Form der Viehzucht ist heute erloschen. Viele Schachten werden
jedoch regelmäßig gemäht, vor dem nachwachsenden
Wald geschützt und als Landschaftsdenkmäler gepflegt.
Forst- und Landwirtschaft spielen wirtschaftlich keine Rolle mehr
im Waldgebirge, sind aber zur Erhaltung der charakteristischen
Fremdenverkehrslandschaft wichtig. Denn Felder und Wälder
prägen schon aufgrund des Flächenanteils von etwa 90
% das Bild der Kulturlandschaft.
Im umava und seinem Vorland sind die Auswirkungen der ab
1949 durchgeführten Kollektivierung der Landwirtschaft unübersehbar.
In der Phase des Kommunismus wurden landwirtschaftliche Einheitsgenossenschaften
und Staatsgüter nach dem Vorbild der sowjetischen Sowchosen
geschaffen. Die im Zuge dieser "Flurbereinigung" entstandenen
monotonen, großen, meist rechteckigen Schläge erwecken
auch nach der Wende vielerorts den Eindruck einer Kultursteppe.
Sie kontrastieren mit dem für das Mittelgebirge typischen
Wechsel von ausgedehnten Waldflächen und klein parzellierten,
landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Heimarbeiter
im Winter und Saisonarbeit im SommerNeben der Landwirtschaft und der Arbeit in den herrschaftlichen
Wäldern wurde als Zuerwerb und örtlich auch als Haupterwerb
Hausindustrie betrieben. Die Produktpalette reichte von Schnitz-
und Drechselwaren (Dachschindeln, Spanschachteln, Holzschuhe)
über Korbflechtereien, Stickereien und Webereien (Flachs)
bis zu Hinterglasbildern (Außergefild).
Auch
wenn die Landwirtschaft im Winter ruhte, betrieben die Waldbewohner
Heimarbeit.
Im Sommer wanderten große Teile der Bevölkerung als
Erntehelfer in die benachbarten agrarischen Gunsträume. Im
Gäuboden und der Hallertau ("Hopfenzupfen") verdingten
sich Saisonarbeiter aus dem nördlichen Teil des Waldgebietes.
In der Steiermark und Niederösterreich waren Arbeiter aus
dem südlichen umavagebiet anzutreffen. Solche Wanderungen
waren bis in die Nachkriegszeit üblich. Sie überlebten
bis heute als Berufspendlerwesen im strukturschwachen Waldgebirge.








1893
wurde die Linie Strakonitz-Winterberg als Lokal und Zubringerbahn
eingeweiht. Um die Jahrhundertwende kamen die Strecken von Winterberg
und Prachatitz nach Wallern und Budweis hinzu. Jetzt war ein Teil
des südlichen umava über die Schiene mit Innerböhmen
und Oberösterreich verbunden. Erst die Strecke Wallern -
Haidmühle - Passau schlug im Jahr 1910 eine Brücke nach
Bayern. Mit der Eröffnung der 71 Kilometer langen Waldbahn
von Plattling über Deggendorf, Gotteszell, Zwiesel nach Bayerisch
Eisenstein wurde 1877 das bis dahin abgelegenen Waldgebirge erschlossen.
Die Einweihung der Strecke Eisenstein -Klattau - Pilsen auf böhmischer
Seite stellte im selben Jahr eine direkte Verbindung zwischen
Deggendorf und Pilsen her. Erst 1890 folgte die Linie Zwiesel
- Grafenau.
"Für Tausende von Deutschen ist der baierische Wald
eine terra incognita, für andere Tausende ein deutsches Sibirien,
eine unwegsame unwirthliche Wildniß aus Felsen, Wald und
Sumpf, bewohnt von wilden Thieren und halbwilden Menschen",
heißt es 1879 in der Berliner "Illustrierten Zeitung".
Der Verfasser des Berichtes beschreibt das Waldland aber trotzdem
als idyllisch und sehenswert, und er lobt vor allem die Waldbahn.
Die Eisenbahnverbindung schuf die Voraussetzungen für die
rasante Entwicklung des Fremdenverkehrs und war ein wichtiger
Anstoß für die wirtschaftliche Entwicklung im Bayerischen
Wald. Im Jahr 1909 startete der erste Zug mit Wintersportlern
in Regensburg. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg fuhren jährlich
rund 50.000 Menschen mit den Wintersportzügen in den Wald
.

Die
Eisenbahn begünstigte die Erwerbstätigkeit der Waldbevölkerung.
Im Jahr 1898 ermäßigte die Staatsbahn den Fahrpreis
für Hopfenpflücker um 50%, so dass sich die Zahl der
Saisonarbeiter [17] in der Hallertau
innerhalb eines Jahres auf etwa 20.000 verdoppelte. Kinder und
Jugendliche konnten mit stark verbilligten Schülerkarten
Bahn fahren, was den Besuch auswärtiger Schulen ermöglichte.
Die
Glasindustrie [12] profitierte ebenfalls
von der Eröffnung der Eisenbahnlinien: Die Glashütten
siedelten sich nun in der Nähe der Schienen an und stellten
den Betrieb von Holz- auf Kohlefeuerung um. Mit der Eisenbahn
wurde schließlich auch der Transport riesiger Mengen Holz
aus dem Waldgebirge möglich. Um das unwegsame Gelände
mit den steilen Anstiegen zu erschließen, mussten große
Mengen Erde bewegt und tiefe Einschnitte in den Fels vorgenommen
werden. Neben zahlreichen Brücken und Tunnels im Bayerischen
Wald wurde 1877 mit der Ohebrücke bei Regen die zweithöchste
Eisenbahnbrücke Bayerns fertiggestellt.


Über die Holzflößerei, die sog. "Trift", auf der Wottawa wird bereits um das Jahr 1584 berichtet. An der Moldau begann die Flößerei südlich von Wallern. Der felsige Untergrund und das starke Gefälle machten einige Flussläufe in ihren oberen Abschnitten ungeeignet zum Flößen. Deshalb wurden Schwemmkanäle errichtet, von denen der Schwarzenbergische Schwemmkanal am bekanntesten ist.
Der "fürstlich schwarzenbergische Ingenieur"
Josef Rosenauer legte 1774 den Plan vor, mittels eines Kanals
Holz aus den Hochwäldern des umava zur Großen
Mühl im Mühlviertel und von dort in die Donau zu schwemmen.

Die
Nachfrage nach Brennholz war groß, vor allem in der Reichshauptstadt
Wien. Schwierig war jedoch die Überwindung der Hauptwasserscheide
zwischen Donau und Moldau bzw. Elbe. Das System aus 27 Zuflussbächen,
drei künstlichen Wasserreservoirs und dem Plöckensteinsee
hielt das Wasser nur während der Schneeschmelze so in Fluss,
dass die Baumstämme über die Wasserscheide geschwemmt
werden konnten. Der erste Teil des Kanals (Mündung Zwettlbach-Gr.
Mühl bis Hirschbergen, "Alter Kanal") wurde in
den Jahren 1789 bis 1793 errichtet. Beim Bau dieses 40 Kilometer
langen Stückes waren zeitweise 1200 Arbeiter beschäftigt.
Der "Neue Kanal" von Hirschbergen (einschl. Tunnel)
bis zum Lichtwasser (Svetla Voda) wurde erst nach dem Tod Rosenauers
zwischen 1821 und 1824 erbaut und ist 12 km lang. Im Jahr 1916
wurde das letzte Mal von der Wasserscheide über die Morau-Steilstufe
zur Gr. Mühl geschwemmt. Auf tschechischer Seite wurde der
Betrieb erst 1961 eingestellt.

Vom Bayerischen Wald aus wurden Brennholz und Blöcher (zersägte Baumstämme von etwa drei Metern Länge) seit Beginn des 18.Jahrhunderts in die Städte Regensburg und Passau geflößt. Auf der Ilz und dem Regen erreichten die Hölzer die Donau, auf der sie nach Österreich und Ungarn geschwemmt wurden. Die Hölzer konnten nur von Frühjahr bis Herbst getriftet werden, dann allerdings in großen Mengen. 1879 wurden auf der Ilz 58.000 Ster Scheitholz und 75.000 Blöcher zur Donau gedriftet. 1907 schwammen auf dem Regen rund 190.000 Blöcher Richtung Cham, 1916 sogar über 211.000 Blöcher.

Langholz
konnte in größerem Umfang erst nach 1877 mit dem Bau
der Eisenbahnstrecke Plattling-Bayer. Eisenstein und der Eröffnung
der Unteren Waldbahn von Passau nach Freyung entlang der Ilz (1893)
befördert werden. Der Holztransport per Eisenbahn
[24] war schonender, Holzabfälle konnten
billiger als Brennholz verschickt und Langhölzer (Nutzholz)
mussten nicht mehr wie bisher zersägt werden. Trotz der Konkurrenz
von Eisenbahn und Straße konnte sich das Triften bis in
die 20er Jahre (enormer Holzbedarf im Ersten Weltkrieg) halten.
Der Ausbau des Straßen- und Schienennetzes machte das Triften
schließlich unrentabel. Heute wird Holz zum größten
Teil von Lastwagen transportiert.



"Dem eigentlichen Touristenverkehre jedoch blieb der Böhmerwald
bis heute ein verschlossenes unbekanntes Land", hieß
es noch 1878 in einem Reiseführer. Der Fremdenverkehr in
den Bayerischen Wald und den umava setzte erst Ende des
19. Jahrhunderts ein, als sich die Reisebedingungen durch die
Eisenbahn [19] erheblich verbessert
hatten. Für erholungsbedürftige "Sommerfrischler"
war die Zivilisationsferne des Waldgebirges anziehend, die beruhigende
Natur und die ursprüngliche Regionalkultur mit ihrem aus
Sicht der Touristen unverdorbenen Brauchtum. Der konservative,
ländliche Lebensstil der "Waldler" [61] kontrastierte mit den modernen, städtischen
Lebensformen und stellte eine Art Gegenwelt zur bürgerlich
rationalen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts dar.

Um
1880 wurden zahlreiche Wald- und Verschönerungsvereine gegründet,
deren Ziel die touristische Vermarktung der Landschaft war. Die
Vereine sorgten dafür, dass die ersten Wanderwege markiert
und Schutzhütten sowie Aussichtstürme gebaut wurden.
Inserate der Vereine in Zeitungen der Großstädte Leipzig,
Prag, München oder Wien signalisierten die Anfänge der
Tourismuswerbung. Besonders einflussreich war der 1883 gegründete
Bayerische Wald - Verein für die kulturelle Entwicklung der
Grenzregion zwischen Waldmünchen und Wegscheid. Im Jahr 1896
wurde der Regensburger Fremdenverkehrsverein gegründet, 1908
der Fremdenverkehrsverband für die Oberpfalz und schließlich
1916 der Oberpfälzer Waldverein. Die Vereinsgründungen
förderten genau wie der Eisenbahnbau den Wintertourismus.
Bis zum Ersten Weltkrieg nahm der Fremdenverkehr im Bayerischen
Wald beträchtlich zu, auch wenn er noch keine bedeutende
wirtschaftliche Rolle spielte. In einer 1913 erschienenen Vereinszeitschrift
des Bayerischen Waldvereines "Der Bayerwald" heißt
es: "Nun sind es jährlich Tausende, die dieses an Merkwürdigkeiten
aller Art so reiche Gebiet durchstreifen und das Lob unserer schönen
Heimat, unseres geliebten, lange verkannten Waldes' hinaustragen
in alle Welt."









Das sogenannte
"Wirtschaftswunder" in der Bundesrepublik Deutschland
ließ die Übernachtungsrate in den fünfziger Jahren
wieder steigen. Der Massentourismus in den Bayerischen Wald setzte
ein und wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Bodenmais
zählte 1966 bereits fast 274.000 Übernachtungen, im
Jahr 1980 waren es sogar 654.000. Weiteren Aufwind erhielt der
Fremdenverkehr durch den 1970 gegründeten Nationalpark Bayerischer
Wald, der das Image des Tourismus ins Grenzgebirge verbessert
hat.
Der
umava und der Lipno-Stausee waren in der kommunistischen
Ära beliebte Erholungslandschaften. Die touristische Erschließung
des umava und seine Infrastruktur - bis zum Zweiten Weltkrieg
der des Bayerischen Waldes weit überlegen - waren in der
Phase des Kommunismus auf "sozialen Tourismus" ausgerichtet.
Bis 1989 gab es dort vor allem Betriebserholungs- und Gewerkschaftsferienheime,
die auf wenige Ort konzentriert waren und nur mit Ferienschecks
von den Betriebsgewerkschaftsleitungen benutzt werden konnten.
Ergänzend existierten sogenannte "private Erholungsobjekte"
("vykendias"). Davon abgesehen war die touristische
Nutzung des umava aufgrund seiner Funktion als Sperrgebiet
[10] [48] und Raum für
Militärübungen erheblich eingeschränkt. Diese jahrelang
unberührten Flächen sind mittlerweile Anziehungspunkte
eines "sanften Tourismus". Die Bevölkerung im umava
strebt für die Zukunft einen umweltverträglicher Tourismus
an. Damit ist ein bescheidener Ausbau der notwendigen Infrastruktur
verbunden, der einer unangemessenen Verkehrserschließung
und Großprojekten wie etwa dem Bau von riesigen Hotel- und
Ferienanlagen eine deutliche Absage erteilt. Zusammen mit dem
Nationalpark umava wird ein Kompromiß zwischen
Ökologie und Ökonomie gesucht.






































Der Šumava liegt völlig im ehemals deutsch besiedelten Gebiet. Nur wenige Randsiedlungen wiesen vor 1945 eine ethnische Durchmischung auf. Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert bildete sich eine deutsch-tschechische Sprachgrenze aus, die als scharfe Trennlinie durch die Siedlungsgebiete verlief und oft einzelne Dörfer in zwei Hälften mit verschiedenen Sprachen teilte. Außerhalb der geschlossenen Siedlungsgebiete existierten deutsche Sprachinseln. Sie waren entweder durch Ansiedlung deutscher Bürger, Bergleute und Bauern im tschechischen Sprachgebiet oder durch Abtrennung vom geschlossenen deutschen Sprachgebiet entstanden. Die Stadt Budweis bildete mit den umliegenden Dörfern so eine Sprachinsel, die jedoch bereits 1910 von der tschechischen Mehrheit dominiert wurde.









Vertreibung
der Deutschen nach dem 2. WeltkriegIm Jahr 1945 wurden fast eine Million Deutsche aus der Tschechoslowakei
vertrieben. Diese sogenannte "wilde Vertreibung" ging
im Frühjahr 1946 in eine "geregelte Aussiedlung"
über, die bereits im Herbst abgeschlossen war. Insgesamt
verließen rund 2,65 Millionen Deutsche in den Jahren 1945/46
die Tschechoslowakei. Ein Teil musste aber bleiben: Deutsche Glasfacharbeiter
durften das Land ebensowenig verlassen wie deutsche Forstwirte,
da in beiden Bereichen Fachkräfte gesucht wurden. Bei einer
Reihe von Deutschen, die aus gemischt-nationalen Ehen stammten,
war außerdem die nationale Zugehörigkeit unklar. Insgesamt
sollen zwischen 180.000 und 240.000 Deutsche in der Tschechoslowakei
geblieben sein. Im umava wurde nur die Gemeinde Innergefild
noch von einer nennenswerten Anzahl von Deutschen bewohnt.








Als
die Kommunisten im Jahr 1948 die Macht übernahmen, verschlechterten
sich die allgemeinen Lebensbedingungen gerade in den schwach industrialisierten
sudetendeutschen Gebieten. Viele Neusiedler, die auf den bequemen
Erwerb von Grundbesitz spekuliert hatten oder ein eigenes Unternehmen
gründen wollten, wanderten wieder ab. Im Grenzgebiet des
umava verzichtete man bewusst auf eine aktive Wiederbesiedelung.
Das west- und südböhmische Grenzgebiet war in den 50er-Jahren
ein ausgesprochen trostloser Ort: "Halb zerfallene Häuser
und unbestellte Gärten zeugen von einem gewollten Verfall
(...). In Orten, in denen früher bis 1000 Menschen gewohnt
haben, fristen heute 80 bis 100 Einwohner ein kümmerliches
Dasein", beschreibt ein Reisebericht die Verödung der
Grenzzone plastisch. Nach 1948 wurden die Siedlungen in dieser
Sperr- und Verödungszone [10]
[32] systematisch zerstört.
Dort wurden seit Beginn der
50er- Jahre militärische Grenzsperranlagen ( Eiserner
Vorhang [48] [53]
[57]) errichtet. Von den insgesamt 320 in
Böhmen untergegangenen (tschech.: "zaniklá")
Ortschaften befinden sich 125 in den ehemaligen politischen Bezirken
Tachau, Bischofteinitz, Taus, Klattau, Schüttenhofen, Winterberg,
Prachatitz und Krummau.
Die Angaben zur Zahl der wüst gefallenen und zerstörten
Ortschaften im Grenzgebiet variieren sehr stark. Die zahlreichen
Heimatbücher der Sudetendeutschen geben meist detailliert
über einzelne Gemeinde oder bestimmte Ausschnitte des Waldgebietes
Auskunft, nicht aber über die Gesamtzahl der zerstörten
Orte. In einem 1965 in der Tschechoslowakei erschienenen Ortsverzeichnis
wurde die Zahl der aufgelassenen Siedlungen im Grenzgebiet mit
459 angegeben. Ende der 70er-Jahre wurden etwa 650 Wüstungen
geschätzt.
Die
historisch gewachsene deutsch-tschechische Sprachgrenze
[05] [42] [52]
bestand nach der Vertreibung der Deutschen fort als Grenze zwischen
der alteingesessenen, ethnisch relativ homogenen Bevölkerung
und den zugezogenen, heterogenen Bevölkerungsgruppen. Im
Jahre 1961 erreichte die Bevölkerung in den Grenzgebieten
68,5 % der Zahl von 1910. Die Ansiedlung in den ländlichen
Gebieten (45,9 %) und den Städten (unter 5000 EW: 87,3 %,
über 5000 EW: 101,5 %) unterschied sich allerdings erheblich.
Das Grenzgebiet wurde von einem Prozess der Verstädterung
ergriffen. Während die Bautätigkeit in den Städten
- noch heute prägen Plattenbauten Winterberg oder Prachatitz
- stetig zunahm, verfiel die ländliche Bausubstanz zusehends.
Heute gehören Prachatice (37 EW/km²) und È. Krumlov
(36 EW/km²) zu den Landkreisen mit den geringsten Bevölkerungsdichten
innerhalb der gesamten Tschechischen Republik (131 EW/km²).
Insgesamt muß die Siedlungspolitik der tschechischen Regierung
in West- und Südböhmen heute als gescheitert gelten.
Die Bevölkerung hat den Stand von vor der Vertreibung der
Deutschen nicht erreicht. Der umava ist der am dünnsten
besiedelte Raum in der Tschechischen Republik.












Nach
dem Zweiten Weltkrieg wurde die jahrhundertelang offene bayerisch-böhmische
Grenze im Bewusstsein der Bevölkerung undurchdringlich. Von
1948 an wurden sogenannte "Grenzwachtruppen" eingesetzt;
die Straßen- und Bahnverbindungen wurden bis auf wenige
Übergänge geschlossen und in Grenznähe wurden Sperren
und Barrikaden errichtet. Wenig später senkte sich an den
Grenzen zu Deutschland und Österreich der "Eiserne Vorhang",
der im Jahr 1951 offiziell als "antifaschistischer Schutzwall"
deklariert wurde. Im Mühlviertel wurden die Grenzen erst
1955 nach zehnjähriger sowjetrussischer Besatzungszeit geschlossen.
Das Resultat war ein Sperrgebiet [10]
[32] [48] mit einer
unmittelbar an der Grenze gelegenen "Verbotenen Zone",
in der es elektrisch geladene Stacheldrahtzäune gab, Stolperdrahtanlagen
und Beobachtungstürme und einer dahinter liegenden Grenzzone.
Die Sozialstruktur im Grenzgebiet war von der 25.000 Mann starken
Grenztruppe (tschech.: "Pohranicní Strá
(") geprägt, obwohl diese bereits in den Jahren von
1966 bis 1989 aufgrund der beginnenden Liberalisierung und Öffnung
nach Westen um rund 60% verkleinert wurde. In den 60er-Jahren
wurden einige Grenzübergänge zur BRD wieder geöffnet,
darunter 1964 der Grenzübergang bei Furth im Wald. Nach der
"Samtenen Revolution" wurden die Grenzsperranlagen zügig
und gründlich abgebaut, so dass heute nur noch die in den
Wald geschlagenen Schneisen von ihrer einstigen Existenz zeugen.
Seit 1989 können die Bewohner des Waldgebirges und Besucher
zu Fuß, im Auto oder auf der Schiene die Grenze in beide
Richtungen überqueren.






Seit 1952 wurde der Zonenrand seitens der Bundesregierung systematisch gefördert. Inhalt des Förderprogrammes war die Verbesserung der wirtschaftlichen, infrastrukturellen, steuerlichen und sozialen Situation auf einem 40 km breiten Streifen an der Grenze zur DDR und CSSR. 

Mit
dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 und den damit einhergehenden
geopolitischen Veränderungen rückten die Grenzgebiete
schlagartig in den Mittelpunkt des Interesses der internationalen
Öffentlichkeit. Mit der Euregio Bayerischer Wald/umava (Böhmerwald)/Mühlviertel
wurde bereits im Jahr 1993 die grenzüberschreitende Zusammenarbeit
institutionalisiert. Innerhalb kürzester Zeit haben anschwellende
Ströme von Waren, Einkäufern, Arbeitskräften und
Touristen das Erscheinungsbild der Regionen zu beiden Seiten der
Grenze entscheidend verändert. Vor allem auf tschechischer
Seite eröffnen sich wieder Chancen im Tourismus: Restaurants
und Pensionen werden renoviert oder gegründet, markierte
Wanderwege und Langlaufloipen ziehen sich durch das ehemalige
Sperrgebiet. Tschechische Arbeitssuchende sind im bayerischen
Grenzgebiet und darüber hinaus erfolgreich. Viele ehemals
trostlose, graue tschechische Dörfer und Städte erhielten
ihre Farbe und ihr Leben zurück. Aber auch negative Begleiterscheinungen
der Grenzöffnung bleiben nicht aus. Zunehmende Kriminalität,
Rotlichtmilieu, Rauschgift und Schleuserbanden gehören gleichermaßen
zum Alltag - nicht nur der Grenzbehörden - entlang der bayerisch-böhmischen
Grenze. Auf den von ehemaligen Gastarbeitern aus Vietnam betriebenen
ortsfesten Märkten bestimmen Stände, an denen vornehmlich
Zigaretten, Spirituosen, bunte Plastikzwerge sowie vermeintliche
Markentextilien feilgeboten werden, das Erscheinungsbild. Die
"Marktwirtschaft" scheint dabei von einer verdeckt operierenden
Mafia geregelt. An allen größeren Grenzübergängen
besteht zudem das Problem des explosionsartig emporgeschnellten
Verkehrsaufkommens, das nicht nur für Grenzorte wie Furth,
Cham oder Bayerisch Eisenstein, sondern für die ganze Region
eine große Belastung darstellt.












Im
Grenzgebirge ist eine Entwicklung des Siedlungsraums in drei Phasen
(Hochmittelalter, Spätmittelalter und Neuzeit) zu beobachten.
Die gürtelförmige, höhenparallele Zonierung von
der Basis bis zum Gebirgskamm und ihre Wiederholung in umgekehrter
Reihenfolge beim Abstieg ins Böhmische Becken sind die markantesten
Kennzeichen der Besiedlung im Bayerischen Wald und im umava.
Beim Landausbau des Mühlviertels wurden neue Räume dagegen
inselartig erschlossen. Im Mühlviertel wie im Niederen Bayerischen
Wald sind die früh- und hochmittelalterlich besiedelten Gebiete
in Donaunähe durch Einzelhöfe und unregelmäßige
Weiler mit Blockflur oder Streifenflur charakterisiert. Im Übergangsbereich
von Bayerischem und Oberpfälzer Wald (Chamer Becken) findet
man ebenfalls eine zonal mit der Höhe angeordnete Gliederung
vor. Im Spätmittelalter wurden im Zuge der systematischen
Rodung zwischen 600 und 800 Metern vor allem Angerdörfer
angelegt. Die neuzeitlichen Höhensiedlungen im südöstlichen
Oberpfälzer Wald (700 - 800 m) sind mit jenen des Bayerischen
Waldes (bis 1100 m) aufgrund ihrer absoluten Höhenlagen schwer
vergleichbar. Außerdem unterscheiden sie sich in der wirtschaftlichen
und sozialen Struktur: Im südöstlichen Oberpfälzer
Wald dominieren bäuerliche-landwirtschaftliche Siedlungen,
während im Bayerischen Wald unterbäuerlich-gewerbliche
Siedlungen das Bild bestimmen.
Die grenznahen Wälder im umava wurden genau wie das Passauer Abteiland erst im 18. Jahrhundert besiedelt. Für die Fürsten von Schwarzenberg war die Waldnutzung [09] [12] [14] [25] [59]. allerdings wichtiger als territoriale Siedlungsmotive, so dass die gegründeten Dörfer - z.B. Fürstenhut, Philippshütten, Mader und Althütte - eine rein gewerbliche Einkommensbasis als Holzhauersiedlungen aufwiesen und ihre formale Struktur (Reihensiedlungen und Streusiedlungen) nicht in Verbindung zur Funktion der Orte steht. Auch die Präsenz der ländlichen Unterschicht weist den Kolonisationsraum des 18. und 19. Jahrhunderts beiderseits der Landesgrenze als einheitlichen Sozialraum aus. In den altbesiedelten Gebieten des Dungau besaß diese Unterschicht Anfang des 18. Jahrhunderts nur die Hälfte der Wohnplätze.
Häuser
und Höfe im Waldgebirge zeugen von ähnlichen Lebens-
und Wirtschaftsbedingungen auf beiden Seiten der Grenze. An den
Hauslandschaften lassen sich ehemalige wirtschaftliche und
kulturelle Verflechtungen [56] ablesen.
Haus- und Hofformen, die einst die Kulturlandschaft prägten,
sind heute aber nur noch im Mühlviertel mit den typischen
Drei- und Vierkantern zu finden. In Ostbayern haben sich aufgrund
der radikalen Abkehr von der traditionsgebundenen und landschaftstypischen
Bauweise seit den 50er-Jahren fremde Baustile durchgesetzt. Im
Passauer Abteiland ist die Bauweise vom oberösterreichischen
Stil beeinflusst, der auch nach Südböhmen ausstrahlte.
Zwischen Cham-Further-Senke und Abteiland wurde das Landschaftsbild
im vergangenen Jahrhundert von Häusern in Block- und Massivbauweise
mit flachgeneigten, stroh-, später schar- oder legschindelgedeckten
Dächern dominiert. Dazu treten v.a. auf böhmischer und
auch auf bayerischer Seite Holzhäuser in Blockbauweise mit
Schopfwalmdächern. Hinsichtlich des Grundrisses handelt es
sich hier bei allen Bauernhäusern um Wohnstallhäuser.
Das
WaldlerhausDer Begriff "Waldlerhaus" hat sich in der Literatur
für einen Haustyp mit Steildach (Halb- oder Krüppelwalm)
im Südosten der Oberpfalz, im Bayerischen Wald und umava
eingebürgert, auch wenn es das Waldlerhaus als allgemein
verbindlichen Typus eigentlich nicht gibt. Das Waldlerhaus wird
auch unter dem Namen "Böhmerwaldhaus" geführt,
da es vermehrt im Grenzbereich zwischen Bayern und Böhmen
auftritt. Eine besondere Form des Waldlerhauses ist das "Wallerer
Holzhaus".








Ortsnamen von der IndustrieDie ehemals das Waldgebiet prägende Glasindustrie
[12] manifestiert sich ebenso in Ortsnamen.
Bezeichnungen wie "Althütte" und "Neuhütte"
verweisen auf die Verlegung von Hütten, wenn der Holzvorrat
in der Umgebung aufgebraucht war. In Namen wie "Jungmaierhütte"
oder "Altposchingerhütte" werden die Namen der
Glashüttenherren verraten. Der Ausdruck "Spiegelhütte"
gibt Aufschluß über das Produkt, nämlich Spiegelglas.
In "Pochermühle" befand sich ein Pocher zur Zerkleinerung
des quarzhaltigen Gesteines für die Glasschmelze. Auch andere
Wirtschaftszweige wie Bergbau [13]
("Eisenstein" und "Bergreichenstein") oder
die Holzverarbeitung [14] ("Bettmannsäge"
und "Ritzmaisersäg") spiegeln sich in den Namen.