Dorf- und Flurformen im Grenzgebirge

Straßendorf Philippsreut mit Satteldächern und Schopfwalmdächern - © Freilichtmuseum FinsterauIm Grenzgebirge ist eine Entwicklung des Siedlungsraums in drei Phasen (Hochmittelalter, Spätmittelalter und Neuzeit) zu beobachten. Die gürtelförmige, höhenparallele Zonierung von der Basis bis zum Gebirgskamm und ihre Wiederholung in umgekehrter Reihenfolge beim Abstieg ins Böhmische Becken sind die markantesten Kennzeichen der Besiedlung im Bayerischen Wald und im Šumava. Beim Landausbau des Mühlviertels wurden neue Räume dagegen inselartig erschlossen. Im Mühlviertel wie im Niederen Bayerischen Wald sind die früh- und hochmittelalterlich besiedelten Gebiete in Donaunähe durch Einzelhöfe und unregelmäßige Weiler mit Blockflur oder Streifenflur charakterisiert. Im Übergangsbereich von Bayerischem und Oberpfälzer Wald (Chamer Becken) findet man ebenfalls eine zonal mit der Höhe angeordnete Gliederung vor. Im Spätmittelalter wurden im Zuge der systematischen Rodung zwischen 600 und 800 Metern vor allem Angerdörfer angelegt. Die neuzeitlichen Höhensiedlungen im südöstlichen Oberpfälzer Wald (700 - 800 m) sind mit jenen des Bayerischen Waldes (bis 1100 m) aufgrund ihrer absoluten Höhenlagen schwer vergleichbar. Außerdem unterscheiden sie sich in der wirtschaftlichen und sozialen Struktur: Im südöstlichen Oberpfälzer Wald dominieren bäuerliche-landwirtschaftliche Siedlungen, während im Bayerischen Wald unterbäuerlich-gewerbliche Siedlungen das Bild bestimmen.

Die grenznahen Wälder im Šumava wurden genau wie das Passauer Abteiland erst im 18. Jahrhundert besiedelt. Für die Fürsten von Schwarzenberg war die Waldnutzung [09] [12] [14] [25] [59]. allerdings wichtiger als territoriale Siedlungsmotive, so dass die gegründeten Dörfer - z.B. Fürstenhut, Philippshütten, Mader und Althütte - eine rein gewerbliche Einkommensbasis als Holzhauersiedlungen aufwiesen und ihre formale Struktur (Reihensiedlungen und Streusiedlungen) nicht in Verbindung zur Funktion der Orte steht. Auch die Präsenz der ländlichen Unterschicht weist den Kolonisationsraum des 18. und 19. Jahrhunderts beiderseits der Landesgrenze als einheitlichen Sozialraum aus. In den altbesiedelten Gebieten des Dungau besaß diese Unterschicht Anfang des 18. Jahrhunderts nur die Hälfte der Wohnplätze.