Die bayerisch-böhmische Grenze bis ins 19. Jahrhundert

Aus Altkarten des 17. Jahrhunderts geht hervor, dass nach Abschluss der spätmittelalterlichen Rodung und Kolonisation noch lange Zeit ein breiter Restwald zwischen Bayern und Böhmen lag. Die Menschen hatten die hohen Bereiche des Grenzgebirges aufgrund der Ungunst des Naturraums jahrhundertelang gemieden. Der Grenzwald war lediglich ein Transitraum gewesen, für den Handel auf dem Goldenen Steig [01] [08] [51] [58] etwa. Bis ins 17. Jahrhundert war die Vermarkung einer Grenzlinie nicht notwendig. Um die Grenze gegen konkurrierende Mächte zu sichern, wurden an neuralgischen Punkten wie Pässen oder das Gebirge querenden Verkehrswegen Siedlungen gebaut, die Waldhufensiedlung [09] Leopoldsreut etwa, die im Passauer Abteiland am Goldenen Steig gelegen war. Mit der Erschließung des Restwaldes durch die Passauer Fürstbischöfe und die Herren von Krummau musste die Grenzfrage gelöst werden. Grenzstreitigkeiten zwischen den Parteien waren unvermeidlich. Nach der Vermarkung des strittigen Gebietes schmolz der Grenzsaum zu einer Grenzlinie zusammen, die im bayerisch-böhmischen Hauptgrenzvertrag von 1764 und seinen Folgeverträgen bestätigt wurde und deren Verlauf noch heute weitgehend Gültigkeit besitzt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die Grenze vom Egerland bis zum Mühlviertel mit Ausnahme weniger Abschnitte gezogen.