Böhmische Sprachgrenzen

Der Šumava liegt völlig im ehemals deutsch besiedelten Gebiet. Nur wenige Randsiedlungen wiesen vor 1945 eine ethnische Durchmischung auf. Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert bildete sich eine deutsch-tschechische Sprachgrenze aus, die als scharfe Trennlinie durch die Siedlungsgebiete verlief und oft einzelne Dörfer in zwei Hälften mit verschiedenen Sprachen teilte. Außerhalb der geschlossenen Siedlungsgebiete existierten deutsche Sprachinseln. Sie waren entweder durch Ansiedlung deutscher Bürger, Bergleute und Bauern im tschechischen Sprachgebiet oder durch Abtrennung vom geschlossenen deutschen Sprachgebiet entstanden. Die Stadt Budweis bildete mit den umliegenden Dörfern so eine Sprachinsel, die jedoch bereits 1910 von der tschechischen Mehrheit dominiert wurde.

1849 beantragte der tschechische Historiker und Politiker František Palacký, die einzelnen Länder Österreichs aufgrund der Volkszugehörigkeit der Bevölkerung gegeneinander abzugrenzen. Daran schlossen sich zahllose Versuche an, die Administration Österreichs entlang ihrer Sprachgrenzen neu aufzubauen. Kleine Verwaltungsgebiete mit größtmöglicher Autonomie sollten die Reibungsflächen zwischen den Nationalitäten weitgehend einschränken. Im Jahr 1918 wurde schließlich die Bildung der nach Volkszugehörigkeit einheitlichen deutsch-österreichischen Provinzen Deutschböhmen, Sudetenland [37] [43] [50] und Böhmerwaldgau beschlossen. Dort bekannten sich zwischen 93% und 96% der Bevölkerung als Deutsche.

Bereits 1919 setzte der Vertrag von St.-Germain diese Provinzeinteilung außer Kraft. Die in den böhmischen Ländern beheimateten Deutschen wurden de jure tschechoslowakische Staatsbürger. Die Tschechoslowakei war genau wie zuvor Österreich-Ungarn ein Nationalitätenstaat mit ausgeprägter Differenzierung, in dem die Tschechen nicht einmal die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachten.