Holzwirtschaft

HolzernterEine Holzindustrie im eigentlichen Sinn entstand im Bayerischen Wald und im Šumava erst im 19. Jahrhundert. Zwischen 1800 und 1850 wurde die Forstwirtschaft des Bayerischen Waldes nach der Phase des wilden Raubbaus (Glasindustrie) in geordnete Bahnen gelenkt und von den neu errichteten staatlichen Forstämtern organisiert. Zwischen 1835 und 1871 wurden um Zwiesel und Regen 57 neue Sägewerke gebaut. In Verbindung mit den großen Windwürfen und den sich anschließenden Borkenkäferplagen in den Jahren 1868 und 1870, die im Gebiet zwischen Dreisessel und Cerchov einen enormen Arbeitskräftebedarf zur Aufarbeitung des Holzes erforderte, erlebte die Holzverarbeitung einen enormen Aufschwung ("Der goldene Käfer"). Scharen von Waldarbeitern, im Volksmund "Holzhauer" genannt, konnten beschäftigt werden. Im Šumava wurden Fachschulen für Holzbearbeitung in Bergreichenstein (1878) und Wallern (1873) gegründet. In Stubenbach arbeite eine Schnitzerwerkstatt mit zugehöriger Schule. Für den Holztransport wurden im Winter Schlitten, Ochsen- und Pferdegespanne und im Sommer auch Flussläufe benutzt ( siehe Holztrift [25]).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägten zahllose neu entstandene Holzwaren-, Möbel- und Papierfabriken die Wirtschaftsstruktur des Bayerischen Waldes. Die ältesten Papierfabriken im Šumava stammen aus dem 17. Jahrhundert (Liedlhöfen bei Bergreichenstein und Horaschdowitz). Weitere Papierfabriken entstanden bis ins 19. Jahrhundert hinein entlang der Wottawa, zwischen Bergreichenstein und Schüttenhofen (Kundratitz, Hartmanitz, Schröbersdorf, Watetitz, u.a.). Die bekannteste Fabrik befand sich in Stubenbach, wo bis zu einem Großbrand im Jahre 1933 handgeschöpftes Papier erzeugt wurde. Die älteste Papierfabrik im Bayerischen Wald wurde 1881 in Teisnach gegründet.

Bewirtschafteter Hochwald Prasily (Stubenbach)Die Holzwirtschaft spielt als Wirtschaftsfaktor im Bayerischen Wald heute keine Rolle mehr. Der Wappenspruch der Stadt Zwiesel "Zwiesels Stolz, gut Glas und Holz" kann nur noch historische Geltung für sich beanspruchen. Im Šumava dagegen finden sich bedeutende Betriebe zur Holzverarbeitung in Wallern, Prachatitz, Bergreichenstein, Langendorf und Schüttenhofen.