Pfade und Steige

Der Bayerische Wald und der Šumava waren stets ein großes Hindernis zwischen Bayern und Böhmen. Dennoch querten seit der Steinzeit [01] Pfade und Saumwege über das Gebirge. Vom 6. Jahrhundert an wurde der Baier- oder Boierweg von den Merowingern begangen. Er führte von Deggendorf über die Rusel vorbei an Weißenstein nach Zwiesel und weiter über Spiegelhütte nach Hartmanitz und Schüttenhofen in Böhmen. Dobra Voda (Gutwasser) bei Hartmanitz liegt am Ende des 1029 erstmals erwähnten Gunthersteiges. Er führte von Niederaltaich über Rohrstetten, Hangleithen, Sommerberg und Bärnzell nach Zwiesel, wo er in den alten Boierweg einmündete. Über den Gunthersteig unterhielt das Kloster Niederaltaich, das Sudpfannen in Reichenhall besaß, wirtschaftliche Beziehungen mit dem salzlosen Böhmen. Der Steig zeichnet auch das linienhafte Vordringen der Besiedelung [03] [09] [46] [48] [58] nach.

Die Karte zeigt die wichtigsten Verkehrs- und Verbindungswege unter Karl IV. 
Der Kreis beschreibt den Durchmesser, den ein berittener Bote damals
in 10 Tagen durcheilen konnte. (aus: Gold im Herzen Europas) Im Jahr 1088 wird ein Handelsweg von Passau nach Prachatitz urkundlich erwähnt, der heute unter dem Namen "Goldener Steig" [51] [58] bekannt ist. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich mit weiteren Abzweigungen nach Winterberg und Bergreichenstein ein System von Saumwegen, das vor allem dem Salzhandel mit Böhmen diente. Als Gegenhandelsgüter wurden aus dem salzlosen Böhmen landwirtschaftliche Überschußprodukte wie Getreide, Schmalz und Hopfen, aber auch Glaswaren nach Bayern eingeführt. Die Blütezeit des Saumhandels am Goldenen Steig fällt in das 16. Jahrhundert. Auf dem Weg nach Prachatitz verkehrten wöchentlich bis zu 1200 Saumpferde. Als 1526 den Habsburgern die Länder der böhmischen Krone zufielen, endeten diese goldenen Zeiten abrupt. Die Habsburger setzten nach dem Dreißigjährigen Krieg ihr Salzmonopol in Böhmen und Mähren durch und versorgten Böhmen nunmehr mit Halleiner statt mit Reichenhaller Salz . Aus den einst geschäftigen Saumwegen wurden bedeutungslose Wald- und Feldwege. Auch durch das Mühlviertel führten alte Salzstraßen nach Böhmen.