GLOSSAR
Alpidische Orogene: Junge Faltengebirge, erstrecken sich
in einem Gebirgsgürtel vom Atlasgebirge bis Südostasien,
Bildungszeitraum: Mesozoikum
bis Tertiär. ![]()
Anatexite: Gesteine mit besonders hohem aufgeschmolzenem
Anteil; entstanden durch den Prozeß der Anatexis (Aufschmelzung)
bei Temp. > 600°C.
Asthenosphäre: Plastisch reagierende Schicht unter
der Lithosphäre, Teil des Erdmantels, nach dem griech. Wort "asthenos"
(weich).(siehe Erdaufbau
)
Basische Gesteine: Gesteine mit einem niedrigen Gehalt
an Siliziumdioxid (SiO2, z.B. Gabbro am Hohen
Bogen
), bestehen überwiegend
aus eisen- und magnesiumhaltigen Mineralen.
Basislage: Schicht einer Folge von Deckschichten, die während
der Eiszeiten in den Mittelgebirgen durch Solifluktion
gebildet wurden. Über der Basislage wurden außerdem
Mittellage und Hauptlage
gebildet. Die zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Deckschichten
unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Verbreitung, Mächtigkeit,
Körnung und Lagerungsdichte.
Biologische Aktivität: Tätigkeit von tierischen
Organismen, z.B. in einem Boden; führt häufig zu Bodendurchmischung
(Bioturbation).
Blockmeere: Blockmassen an mittel bis schwach geneigten
Hängen, entstanden durch intensive Verwitterung und Abtragung
von Feinmaterial.
Bodenfließen: Bodenbewegungen an einem Hang unterschiedlicher
Neigung; Bewegung von wassergesättigtem Boden über wird
als Solifluktion bezeichnet.
Böhmische Masse: (siehe Abbildung
) Geologisch einheitlich
aufgebauter Landschaftskomplex. Bildet den Ostteil des europäischen
variskischen Orogens. An ihrem
westlichen Rand befindet sich das Grundgebirge,
das in Nordostbayern und dem angrenzenden Tschechien in die Saxothuringische und Moldanubische
Region unterteilt wird. Vorherrschende Gesteine sind metamorphe
Gneise mit Granit-
und Diorit-intrusionen.
Böhmwind: Fallwind aus dem Osten ("Der Böhmische"),
bringt sehr kühle, trockene Luftmassen und trägt zu
dem rauhen Klima des Bayerischen und Böhmerwaldes bei.
Bohemisches Terrane: Mikroplatte
im Bereich der Moldanubischen
Region.
Braunerde: Typischer Boden des gemäßigten Klimas.
Der Prozeß, der zur Bildung dieses Bodentyps führt,
ist die "Verbraunung", die durch Oxidation von Eisen
zu z.B. Goethit zu der typischen Braunfärbung des Bodens
führt.
Bunte Formation: Abwechslungsreiche und gelegentlich fossilführende
kristalline Gesteinsserie.
Dauerfrostböden (Permafrostböden): Böden,
die ganzjährig gefroren sind. D. tauen nur in den kurzen
Sommermonaten oberflächlich auf. Durch die stauende Wirkung
des Bodeneises ist der Boden stark vernäßt. Es kommt
häufig zur Solifluktion.
Deckgebirge: Gesteinseinheit über dem Grundgebirge.
Im Gegensatz zum älteren Grundgebirge sind die Gesteine des
Deckgebirges wesentlich weniger verstellt und deformiert. Bildungszeitraum:
Oberkarbon
bis Tertiär
.
Diorit: Mittel- bis grobkörniges Tiefengestein;
aufgrund der chemischen Zusammensetzung zwischen Granit
und Gabbro einzuordnen. Entscheidend ist
der Gehalt an Siliziumdioxid.
Einschneidung: Tieferlegung eines Flußbettes.
Eiszeitalter: Zeitraum der letzten 2,5 Mio Jahre; charakterisiert
durch den Wechsel von Kalt- und Warmzeiten(siehe Pleistozän
).
Epigenetischer Fluß: Fluß, der ohne Laufänderung
durch verwitterungsresistente Gesteine fließt, da sein Lauf
in einem höheren Niveau in weniger widerstandsfähige
Schichten angelegt wurde; ein Ausweichen in leicht ausräumbares
Gestein war nicht mehr möglich.
Erdkruste: Äußerste Schicht der Erde mit einer
Mächtigkeit von 6-70 km; differenzierbar in eine ozeanische
und kontinentale Kruste unterschiedlicher Mächtigkeit und
Dichte (siehe Erdaufbau
).
Erdmantel: Mittlere Schicht der Erde mit einer Mächtigkeit
von 2700 km; differenzierbar in eine feste obere Schicht (Lithosphäre) und eine halbflüssige,
verformbare untere Schicht (Asthenosphäre)
(siehe Erdaufbau
).
Feldspat: Wichtigste Gruppe der gesteinsbildenden Minerale;
mit etwa 60% am Aufbau der Erdkruste
beteiligt.
Flußspat: (Fluorit, CaF2), Mineral, angereichert
in hydrothermalen Erzgängen; wird als Flußmittel in
der Hüttenindustrie, zur Emailherstellung, zum Ätzen
von Glas, zur Herstellung von Flußsäure und in der
optischen Industrie verwendet.
Gabbro: Mittel- bis grobkörniges Tiefengestein; im
Gegensatz zum Diorit herrschen dunkle Minerale
vor (z.B. Hoher Bogen
).
Gletscher: Geschlossene Eismasse, die das ganze Jahr vorhanden
ist und sich unter seinem eigenen Gewicht dem Gefälle folgend
bewegt. Je nach Größe und Form unterscheidet man zwischen
Talgletscher und Inlandgletscher.
Gletscherschliff: Ein Effekt der schleifenden Erosion im
Gletscherbett und an den Wänden des Trogtales;
in Richtung der Eisbewegung.
Gley: Grundwasserbeeinflußter Bodentyp mit einem
Grundwasserstand zwischen 40 und 80 cm unter Geländeoberkante.
Glimmer: Gruppe wichtiger gesteinsbildender Minerale insbes.
der Magmatite und Metarmophite.
Glimmerschiefer: Gruppe von kristallinen Schiefern,
die überwiegend aus Glimmer und Quarz bestehen.
Gneise: Kristalliner Schiefer, weitverbreitet in den alten
Kernen der Kontinente; Hauptbestandteile sind Feldspat,
Quarz und Glimmer.
Gondwana: Großer zusammenhängender Südkontinent,
erstreckte sich im Zeitraum Paläozoikum bis Mesozoikum von
Südamerika bis Australien.
Granite: Weitverbreitete Tiefengesteine
mit den Hauptbestandteilen Feldspat, Quarz und Glimmer.
Granitwollsäcke: Verwitterungsprodukte des Granits;
abgerundete Formen, entstanden durch intensive Verwitterung während
des Tertiärs.
Graphit: Modifiziertes Kohlenstoffmineral; i.d.R. metamorph
aus kohligen Substanzen hervorgegangen.
Grundgebirge: Bereiche mit paläozoischen
und älteren (vermutlich)
oberproterozoischen
Gesteinen, die unterschiedlich stark metamorph
überprägt wurden; variskische
Intrusivgesteine, die nicht mehr deformiert
wurden. Fundament der jüngeren Sedimentablagerungen des Deckgebirges.
Hauptlage: Schicht einer Folge von Deckschichten, die vermutlich
während der letzten Eiszeit in den Mittelgebirgen gebildet
wurden; über der Basislage gelegen.
Herzynische Streichrichtung: Störungslinien in NW-SE
Richtung (in Richtung der Längserstreckung des Harzes).
Holozän: Jüngste (heutige) Warmzeit, begann vor
etwa 11.500 Jahren vor heute.
Humushorizont: Organischer, oberster Bodenhorizont, der
dem Mineralboden aufliegt.
Inlandgletscher: Im Unterschied zum Talgletscher
stellt der Inlandgletscher eine extrem langsam bewegende riesige
Eismasse dar, die z.B. die gesamte Antarktis bedeckt.
Intrusion: Vorgang während der Gesteinsschmelze, Eindringen
des magmatischen Gesteins in das Nebengestein.
Jungsteinzeit: Neolithikum, Zeitraum vor 7500 bis 4500
Jahren vor heute; i.d.R. erste holozäne
Siedlungsphase.
Kargletscher: Häufigster Gletscher der Hochgebirge;
entwickelt sich aus perennierender Schneeansammlung in Hangmulden,
mit fortschreitender Akkumulation Entstehung von Gletschereis;
die Erosion im Zuge der Abwärtsbewegung vergrößert
die Hangmulde und vertieft sie zum Kar.
Karsee: Durch Abschmelzen der Kargletscher
entstandener See.
Kristalline Gesteine: Intensiv überprägte und
metamorphe Gesteine; reich
an Graniten.
Kulturlandschaft: Landschaft, entstanden durch die dauerhafte
Beeinflussung (wirtschaftliche und Siedlungstätigkeit) durch
den Menschen.
Lagerstätte: Abbauwürdige Anreicherung von nutzbaren
Mineralen und Gesteinen (Bodenschätze).
Laurasia: Zusammenhängende Landmasse der "Nordkontinente",
umfaßt die heutigen Kontinente Asien, Europa und Nordamerika;
bestand vor rund 200 Mio Jahren.
Lithosphäre: Äußerste Schicht des Erdmantels.
(siehe Erdaufbau
)
Magmatische Gesteine (Magmatite): Gesteine, die bei der
Abkühlung der Gesteinsschmelze (Magma) entstanden sind.
Metamorphe Gesteine (Metamorphite): Gesteine, die durch
Mineralumbildungen mit und ohne Stoffzufuhr im Kräftefeld
von Temperatur, Druck und Zeit im Erdinnern entstanden sind.
Metamorphose: Gesteinsumwandlung durch die Einwirkung von
bestimmten Druck- und Temperaturverhältnissen. Dadurch entstehen
die Metamorphite.
Mikroplatte: Einheitlicher Bereich innerhalb eines Gebirgsgürtels,
der sich hinsichtlich der Gesteinszusammensetzung deutlich von
den umliegenden Regionen unterscheidet; dies führt zu der
Annahme, daß es sich dabei um Bereiche anderer Kontinente,
Inselbögen oder Tiefseeberge handelt.
Minerale: Natürlich vorkommende, meist anorganische,
stofflich einheitliche kristalline Festkörper bestimmter
chemischer Zusammensetzung.
Mittellage: Schicht einer Folge von Deckschichten, die
während bzw. am Ende der letzten Eiszeit (Spätglazial)
in den Mittelgebirgen gebildet wurden; zwischen Basislage
und Hauptlage gelegen.
Moldanubische Region: Zone der variskischen
Orogene mit gleichartiger fazieller, magmatischer und tektonischer
Entwicklung.
Moldanubisches Terrane: Mikroplatte
im Bereich der Moldanubischen
Region.
Moränen: (1) Vom Gletscher transportierter und abgelagerter
Gesteinsschutt, (2) Oberflächenform dieser Ablagerung.
Orogen: Faltengebirge.
Orogenese: Gebirgsbildung, verbunden mit der Bildung von
Faltungen, Überschiebungen, Metamorphose und Magmenintrusionen.
Pangäa: Zusammenhängende Landmasse vor rund 250
Mio Jahren, erstreckte sich von Pol zu Pol.
Pegmatite: Grobkörniges Ganggestein, entstanden aus
gasreichen Tiefengesteinsrestschmelzen.
Periglaziale Deckschichten: Schuttdecken, die während
bzw. am Ende der letzten Eiszeit (Spätglazial) durch Solifluktion in den Mittelgebirgen gebildet
wurden. Man unterscheidet i.d.R. zwischen Basislage,
Mittellage und Hauptlage.
Periglazialgebiet: Gebiet im "Eisumland" zwischen
den skandinavischen Inlandeismassen und dem alpinen Vergletscherungsgebiet
im Pleistozän
(Eiszeitalter).
Periglazialklima: Klima des "Eisumlandes" im
Pleistozän
(Eiszeitalter).
Permafrost: Dauerfrost, ständige Bodengefrornis, es
kommt zur Entstehung von Permafrostböden.
Plattentektonik: Theorie von der Verschiebung der Kontinentalplatten
(siehe Abbildung
)
Podsole: Böden, die sich bevorzugt bei hohen Niederschlägen,
rohhumusbildende Vegetation und durchlässigen, basenarmen
Gestein bilden.
Podsolierung: Abwärtsverlagerung von organischen Stoffen,
Eisen und Aluminium im Bodenprofil, verursacht durch saure Reaktion
im Boden.
Pollenprofile (Pollendiagramme): Darstellung des in Böden
und Sedimenten auffindbaren Pollenspektrums. Methode zur Rekonstruktion
der Vegetationsgeschichte vergangener Zeiträume.
Potentielle natürliche Vegetation: Vegetationsform,
die sich im Gleichgewicht mit den aktuellen Geofaktoren befindet;
unter vorherrschenden Klimabedingungen ohne Beeinflussung durch
den Menschen entstanden.
Quartäre Klimaphasen: Klimaphasen im Laufe der letzten
2,5 Mio Jahren (Quartär
);
zeichnet sich durch den Wechsel von Kalt- und Warmphasen aus.
Quarz: Siliziumdioxid, wichtige am Gesteinsaufbau beteiligte
Mineralgruppe.
Saxothuringische Region: Zone der variskischen Orogene
mit gleichartiger fazieller, magmatischer und tektonischer Entwicklung.
Schiefer: Metamorphes Gestein;
Durch hohen Druck und hohe Temperatur haben sich die Minerale
senkrecht zur Druckrichtung eingeregelt (Schieferung), wodurch
das Gestein leicht spaltbar wird.
Solifluktion: Form des Bodenfließens,
Bewegung von wassergesättigtem Boden über Permafrost.
Subduktion: Das Absinken einer ozeanischen Platte unter
eine andere Lithosphärenplatte (siehe Abbildung
).
Talgletscher: Gletschertyp, hervorgegangen aus einem Kar, bei großem Schneeüberschuß
fließen längere Gletscherzungen heraus und folgen einer
bereits vorhandenen Tallinie.
Tiefengestein: In der Tiefe der Erdkruste entstandenes
(erstarrtes) Gestein; zur Gruppe der Magmatite
gehörend. Im Gegensatz zu den Vulkaniten
zeichnen sich die Tiefengesteine durch langsame Abkühlung
und durch ein grobkörniges Gefüge aus (z.B. Granit).
Sie werden auch als Plutonite oder Intrusivgesteine bezeichnet.
Trogtal: Durch Gletschererosion entstandene oder umgebildete
U-förmige Talform mit steilen oder fast senkrechten Talwänden.
Variskisches Orogen:
Faltengebirge, entstanden im Zuge der variskischen Orogenese
im Zeitraum Devon
bis Perm
.
Verwitterung: Aufbereitung des Gesteinsmaterial unter Einwirkung
atmosphärischer Prozesse und klimatisch bedingter physikalischer
und chemischer Kräfte und Prozesse unter Beteiligung der
Lebewelt.
Vulkanite: Magmatische
Gesteine, die an der Erdoberfläche durch Abkühlung
der Gesteinsschmelze entstehen. Sie zeichnen sich im Gegensatz
zu den Tiefengesteinen durch eine
feinkörnige oder glasige Struktur aus (z.B. Basalt). Sie
werden auch als Erguß- oder Effusivgesteine bezeichnet.
Waldweidewirtschaft: Form bzw. Betriebssystem der Landwirtschaft,
bei der die Viehweide die wirtschaftliche Basis darstellt.
Wollsackverwitterung: Verwitterung, an Klüften und
Spalten ansetzend; infolge von Vergrusung kommt es zur Bildung
runder Verwitterungsformen; charakteristische Verwitterung grobkörniger
Gesteine, z. B. Granit.
Würm-Kaltzeit: Jüngste Kaltzeit des Pleistozäns
(Eiszeitalter), endet mit Beginn des Holozäns.
Zertalung: Durch Bildung von Tälern bewirkter Prozeß
der Zerstörung einer Vollform unterschiedlichen Ausmaßes.
Zungenbeckensee: Nach Abschmelzen des Gletschers in einer
durch den Gletscher geformten ausgedehnten Hohlform entstandener
See, im Bereich der Gletscherzunge gebildet.
Literatur:
Ahnert F. (1996): Einführung
in die Geomorphologie.440S., Stuttgart.
Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg.): Erläuterungen
zur Geologischen Karte von Bayern 1:500 000, 4.Aufl., München
1996, 329 S.
Leser H., Haas H.-D., Mosimann T., Paester R. (1993): Diercke
Wörterbuch der Geographie. Bd.1u.2,Westermann, Braunschweig.
Press F. & Siever R. (1995): Allgemeine Geologie: eine
Einführung, Heidelberg: Spektrum, Akad.Verl., 602 S.
Raab T. (1999):Würmzeitliche Vergletscherung des Bayerischen
Waldes im Arbergebiet. Diss.Univ.Regensburg,327 S.
Schönenberg R.(1997): Einführung in die Geologie
Europas. Freiburg, Rombach.